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unter Primitiven II

Unter Primitiven online

unter Primitiven II

meilenweit kein Land in Sicht........

Autor: Stefan Bauer

wie wir bereits feststellen konnten, befinden wir uns auf der Reise. Von einer eher düsteren Vergangenheit in eine verheißungsvolle Zukunft , die uns das ewige Leben und das Paradies auf Erden bereiten wird. Virtuelle Welten werden die trostlose Realität ersetzen und weit mehr bieten als dieser Globus bislang zu leisten vermochte. Wir streben immer höher hinaus und bereiten uns auf die Eroberung des Alls vor.

Tja, das wäre ja alles halb so wild, hätten wir es nicht mit der Spezies homo sapiens sapiens zu tun, die wenig aus ihrer eigenen Vergangenheit gelernt hat und vor sich hinstolpert, als hätte sie sich nie mit den Folgen ihres primatenhaften Verhaltens auseinandergesetzt. Bestes Beispiel ist der gegenwärtige Präsident der reichsten und einflussreichsten Nation auf unserem Globus.

Seit Donald Trump der mächtigste Mann der Welt geworden ist, ist der Wert des Buchs „ Unter Primitiven I “ ins Unermessliche gestiegen: Hat der Autor doch bereits vor über 10 Jahren auf den Umstand hingewiesen, dass wir uns nach wie vor in einer Primitivgesellschaft befinden – trotz aller Anstrengungen, den Menschen als vernunftbegabtes Wesen zu positionieren. Donald Trump dürfen wir als Inbegriff des Primatentums unserer Spezies verstehen: selbstherrlich, besitzergreifend, unbeherrscht, unberechenbar und von Emotionen geleitet. Er steht für die Primitivperson im Menschen, die entsprechend der Grundbedürfnisse versucht, das Maximum herauszubekommen. Maximale Anerkennung, maximalen Gewinn, maximale Lust und Befriedigung, maximale Macht. Dass dies nicht allen Bewohnern dieses Planeten zuteil werden kann, ist zwar bedauerlich, aber unvermeidlich. Schließlich sind ja auch die Ressourcen nicht unendlich. Und das mit der Ressourcenverteilung ist ganz einfach: die Stärkeren, Schnelleren und vor allem Clevereren machen das Rennen und wer auf der Strecke bleibt, hat eben Pech gehabt oder war nicht schlau genug, sich ein ordentliches Stück vom Kuchen abzuschneiden.

Wäre Donald Trump lediglich eine Privatperson, wäre das ja nicht weiter schlimm. Einer unter Milliarden - das ließe sich verschmerzen. Tragisch ist, dass er für eine überwiegende Mehrheit seiner Partei steht und für einen Großteil der Amerikaner, die ihn ja schliesslich in dieses Amt haben kommen lassen.

Für die Menschheit ist dies ein Rückschritt ohnegleichen, da der nationale Egoismus heroisiert wird, Minderheiten diskriminiert, Solidarität misskreditiert, Rücksichtslosigkeit stilisiert, gnadenlos Ressourcen geplündert und umweltbewusstes Verhalten ad absurdum geführt werden. Sanktionen, Drohungen, Militärverliebtheit, brutale Rhetorik, gezielte Schläge und der unverblümte Anspruch auf die Weltherrschaft bestimmen das eingeschränkte Weltbild

Unter anderem ist diese mehr als bedauerliche Situation auf ein Wahlsystem zurückzuführen, das es mächtigen, einflussreichen und vor allem mit erheblichen finanziellen Mitteln ausgestatteten Interessenvertretungen ermöglicht, die ganze Wahlmaschinerie in ihrem Sinne zu lenken und zu beeinflussen. Dazu gehören alle Instrumentarien einer erfolgreichen Massenpropaganda unter Einschluss der neuen Medien, die eine immer größere Bedeutung bekommen. Sie sind eine erhebliche Chance und gleichzeitig eine massive Gefahr, da die Manipulationsmöglichkeiten extrem gestiegen sind. Wer hier einen guten Kontakt zu den führenden sozialen Medien hat oder diese sogar beherrscht, kann das ganze Meinungsbild einer Weltgemeinschaft beeinflussen. Sicherlich haben Sie von den aktuellen Überlegungen beispielsweise von Google gehört, ein den chinesischen Vorstellungen angepasstes Suchsystem anzubieten, um den Marktzugang zu einem zensierten System zu erhalten. Die eigenen Mitarbeiter von Google sollen sich diesen Bestrebungen entgegengestellt haben- niedlich, nicht wahr?

Nach über 10 Jahren der Abstinenz habe ich mich entschlossen, weiterzuschreiben. War eigentlich so beabsichtigt. Was sich allerdings geändert hat, ist, dass ich jetzt online schreiben werde, möglichst aktuell und unzensiert. Auch das entspricht meinem Konzept: sich nicht verbiegen lassen und im O - Ton.

Mein Buch " Unter Primitiven I " ist häufiger missverstanden worden: ich würde mich gegen die Kirche wenden ( Untertitel: ein Leben auf dem schwarzen Kontinent ), vor allem bei meinen Freunden in Bayern, und ich würde alle meine Mitmenschen als " Primitive ", d.h. auf einer niedrigeren Stufe stehend, ansehen. Glauben Sie mir: letzteres ist wirklich nicht der Fall. Wir alle sind vernunftbegabte Wesen, die mit ganz außerordentlichen Fähigkeiten ausgestattet sind und unglaublich viel erreicht haben. Die Geschichte der Menschheit ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Erfindungen haben unfassbare Verbesserungen der Lebenssituation mit sich gebracht und viele Geisseln der Menschheit ausgerottet. Alleine Hygienemaßnahmen haben die Sterblichkeit weltweit drastisch reduziert und unsere heutigen Kommunikationsmöglichkeiten sind geradezu revolutionär. Was uns heute als selbstverständlich erscheint, beispielsweise der Griff zum Handy, hätte noch vor 100 Jahren lähmendes Staunen hervorgerufen. Entwicklungen in Kunst und Kultur, in Forschung und Entwicklung, in der Mobilität, der Nahrungsmittelproduktion etc. sind riesig.

Und doch lehrt die tägliche Praxis, dass wir bis zum heutigen Tag einen Grossteil der archaischen Elemente unserer Existenz nicht ausreichend berücksichtigen. Du und ich - wir alle. Davon handeln meine Bücher.

Und: da ich gerade dabei bin: " unter Primitiven I " wurde deshalb mit dem gleichen Text spiegelverkehrt gedruckt, da es sich um eine Momentaufnahme handelt, die sich aus einem Rück- und einem Ausblick zusammensetzt. Aufbruch: Titelseite, Rückblick: vierte Umschlagseite. So viel in eigener Sache.

Frau I. aus W. schreibt, inwieweit Kommentare veröffentlicht werden. Frage an Frau I.: haben Sie schon mal einen Leserbrief geschrieben? Nein? Probieren Sie es mal. Sie werden dann einen Hinweis finden, dass sich der Verlag vorbehält, den Artikel überhaupt zu veröffentlichen oder zu kürzen. Der Leserbrief wird verlagsintern dem verantwortlichen Redakteur, den Betroffenen oder sonst jemandem ( ?????!!!! ) vorgelegt. Es kann passieren, daß Sie dann kontaktiert werden mit der Bitte um Erläuterung, Klarstellung  oder Änderung Ihres Beitrags. Soll schon vorgekommen sein, daß dieser völlig entstellt wurde. Oder dann eben einfach nicht gedruckt. Ob das nicht Manipulation sei? Und ob!

Frau I. aus W., die das Buch " Unter Primitiven I " offensichtlich physisch in Händen hatte, obwohl es bereits seit Jahren vergriffen ist, merkt außerdem an:

" Hervorragendes Buch, sollte aktualisiert werden. Unklar, weshalb der Inhalt doppelt (rückwärts) angeboten wird. Zweimal lesen kann man auch ein 'normales' Buch ohne diesen Marketing-Trick "

Antwort des Autors:

" Da haben Sie natürlich völlig recht...... Nur zur Erläuterung: Es gibt das Cover - Bild: Aufbruch aus Afrika. Bericht über einen " Champanesen ", der von der zivilisierten Welt als primitiver Hominide gleichsam als Halbwilder der erstaunten Öffentlichkeit vorgeführt wird. Aufbruch heißt: wir alle haben uns auf den Weg gemacht. 4. Umschlagseite: Rückblick. Der scheinbar zivilisierte Mensch, Manager, ich, Anzug, kultivierte Umgebung, schaut zurück und fragt sich, wo er herkommt.

Man trifft sich in der Mitte des Buches, dort wo der Text: " Aufbruch " sich mit dem Text " Rückblick " trifft. Also in der Gegenwart. In dem Moment, in dem ich schreibe und beschreibe...... Zur Verdeutlichung stehen Bild und Text beim Rückblick auf dem Kopf. Will heißen: der Primitive, der vorgeführt wird, ist nach wie vor in uns ".
Muss ein sehr schlechtes Buch sein, wenn man es so erklären muss.

Alles Gute kommt von oben

Lieber Leser, ich möchte Ihnen nicht das Foto vorenthalten, das ich vor kurzem auf einer Fahrt vom Chiemsee nach Leverkusen bei Würzburg gemacht habe.

 

 

Es führt mit besonderer Eindringlichkeit vor Augen, in welches Desaster wir sehenden Auges hineinsteuern. Was Sie unschwer seit geraumer Zeit selbst am Himmel beobachten können, verdichtet sich hier in besonders eindrucksvoller Art und Weise: Sie können zum einen die Intensität des Flugverkehrs erkennen, zum anderen den Wasserdampf – Ausstoss. “ So what? “ , mag jetzt so mancher sagen. Wenn Sie allerdings die Verweildauer der künstlich erzeugten Wolken am Himmel beobachten, die sich über Stunden erstrecken kann, und die vom Höhenwind abhängige Verteilung, kann Ihnen nur Angst und Bange werden. Wird doch die Sonneneinstrahlung reduziert und die Reflexion in die Stratosphäre erhöht. Mit dem bekannten Effekt, den wir alle kennen: die Temperatur auf der Erde steigt. Jetzt ist das, was Sie sehen, nur die Spitze des Eisbergs. Denn zum einen ist die Sichtbarkeit eine Frage der Sonneneinstrahlung und der Wetterlage, zum anderen erfolgt die Verteilung des Wasserdampfes in Bereiche, die für das Auge nicht mehr erkennbar, für die Auswirkung auf das Klima jedoch äußerst relevant sind. Ohne dass ich mich jetzt zu sehr in das Thema vertiefen und Sie langweilen möchte, sei noch bemerkt, dass diese künstlich erzeugte Wolkenbildung in natürliche Wolken übergehen kann, beispielsweise in die sogenannten Zirren, sprich Federwolken, und dort Kondensstreifen – Zirren entwickeln, die sogar mehrere Tage am Himmel verbleiben können. Es wird geschätzt, dass ca. 10% des Himmels über Zentraleuropa von diesen Kondensstreifen - Zirren bedeckt ist.

Ein weiteres Beispiel vom Chiemsee zeigt, wie der jungfräuliche Himmel eines wolkenlosen Tages von den Spuren unserer Mobilität durchschnitten und der Himmel eingetrübt wird. Der Flughafen München, mittlerweile der zweitgrösste in Deutschland, rühmt sich, über 40 Millionen Passagiere pro Jahr zu befördern - Tendenz steigend. Lt. Flugrevue 02/2019, einem Magazin für Flugzeug - begeisterte Menschen und Instrument aller interessierten Verkehrskreise rund um`s Fliegen , " brummt hier der Verkehr ", Drehkreuz für 102 Fluggesellschaften mit 266 Zielen in 74 Staaten, 44 Millionen abgefertigte Passagiere, 405 000 Flugbewegungen. Hurra!

 

 

Sie können dieses Phänomen überall in Europa, vor allem in der Nähe von Metropolen, selbst beobachten, vorausgesetzt die Wetterbedingungen lassen die Sichtbarkeit zu.

Europa ist nicht die Welt - und ich kann nur allen  interessierten Mitbürgern einen Blick auf eine der Weltkarten im Internet empfehlen, die alle zivilen Flugbewegungen in Realzeit zeigen. Sie tippen einfach bei der Suchmaschine Ihrer Wahl die entsprechenden Stichworte ein und kommen sehr schnell in eine Realwelt, die sich in der Regel in der Höhe von mehreren tausend Metern über unseren Köpfen abspielt. Sie kennen das selbst von Ihren Urlaubsreisen. Fernflüge  finden in einer Höhe von roundabout 10.000 Metern statt und ich habe es selbst erlebt, dass sogar innerdeutsche Flüge diese Höhe erreichen. Offensichtlich ist es am ökonomischsten, schnell eine bestimmte Höhe zu erreichen und dann im Sinkflug abzugleiten. 10.000 Meter - das ist weit höher als jeder Berg auf dieser Erde, weit über Schnee und Gletscher, weit über den Gipfeln des Mount Everest, der nur mit Sauerstoff erklommen werden kann. Es sei denn man ist Reinhold Messner.

Es ist schier unglaublich, was  am Himmel los ist. Die erste Reaktion ist: Verblüffung. Die zweite: so viel? Die dritte: muss das so viel sein? Die vierte: wo soll das hinführen?

In der Tat: wo soll das hinführen? Wenn Sie jetzt Unternehmer sind, ist die Sache klar: es gibt noch weite Gebiete auf der Landkarte, die flugtechnisch noch nicht erschlossen sind und außerdem: die Nachfrage zeigt doch eindeutig, dass die Flugbewegungen und die Zahl der beförderten Passagiere noch zunehmen werden - und zwar kräftig. Dank attraktiver Angebote, niedriger Flugpreise, kurzer Aufenthaltszeiten am Zielort, vermehrter Marketing - Anstrengungen etc.. Und nicht zu vergessen das Frachtaufkommen: ein Blick in die Gemüseabteilung Ihres Supermarktes macht dies deutlich. Ägypten, Marokko, Chile, Peru, Südafrika, Indien, China, Neuseeland - alles kein Thema. Der frische Thunfisch kommt ebensowenig mit dem Schiff wie der Blumenstrauß aus Afrika. Machen wir uns nichts vor: es wird so weitergehen. Und es werden weiter unvorstellbar große Mengen  an unnatürlichen Wolken erzeugt, vor allem in den USA, in Europa und in den Monopolregionen Asiens. Außerdem findet das, was Sie tagtäglich auf der Autobahn erleben, auch in der Luft statt. Die Just in time - Lieferung, die Logistikunternehmen wie Pilze aus dem Boden schießen läßt, und die Verkehrsräume bis zum Äußersten strapaziert. Ihnen bleibt dies verborgen, da die Flüge in erwähnter Höhe und meist nachts stattfinden, da die Flughäfen für den Nachttransport preiswerter zu bekommen sind.

Wenn es das mit der Wolkenbildung alleine nur wäre! Noch sind wir im Bereich des Sichtbaren, wenn auch im Übergang zum kaum Sichtbaren. Weitaus brisanter wird es in der Welt des Unsichtbaren, in jenem Bereich, der unserer Wahrnehmung bislang verschlossen blieb, weil er für das Überleben unserer Spezies nicht weiter von Bedeutung war. Klar, das Unsichtbare haben wir im Fall des Lichts schon sehr frühzeitig mitbekommen, weil dies für die grundsätzliche Orientierung auf unserer Mutter Erde existentiell wichtig war und ist. Sogar für  die kleinsten Lebewesen auf unserem Planeten, die Einzeller, vielleicht sogar für die ohne Zellkern, ich bin da nicht so bewandert. Aber das hatten wir ja  bereits in " Unter Primitiven I ". Radioaktivität war ein natürlicher Vorgang und damit negligable. Auch Gase waren bis zum ersten Weltkrieg eigentlich keine wirkliche Bedrohung – es sei denn Ausdünstungen, die uns überwiegend vor Verdorbenem, schlechtem Obst, vergammeltem Fisch, Leichen etc. gewarnt haben. Aber eine ernsthafte kollektive Gefahr für unsere Spezies haben die flüchtigen Stoffe nicht dargestellt. Lärm – ja, das war wichtig. Man sollte schon wissen, woher das Geräusch kam, um rechtzeitig die Flucht zu ergreifen.

Wirklich schlimm wird es mit den weder riech - noch sichtbaren Stoffen, CO2 zum Beispiel oder anderen Gasen. Sie alle kennen Erdgas, wie es früher häufig zum Kochen oder Heizen benutzt wurde und auch heute noch verwendet wird. Vielen ist nicht bekannt, dass unser Gas, damit man es überhaupt wahrnehmen und im Zweifelsfall abdrehen kann, mit einem Geruchsstoff versehen ist, der in heimischen Betrieben dem Erdgas aus der Pipeline beigemischt wird. Bei CO2 allerdings können wir nur die aus den verchiedensten Quellen stammenden Werte zur Kenntnis nehmen. In der Regel können wir nichts damit anfangen, weil es zu abstrakt ist - und außerdem: es verfliegt ja wieder. Verteilt sich in der Umgebung. Wie damals die Dünnsäure im Meer. Tja, bei der Dünnsäure hat man einen Riegel vorgeschrieben. Und bei FCKW. Aber bei CO2???

Eine Möglichkeit besteht natürlich darin, und das ist der  Trump - Favorit, die Schädlichkeit der Auswirkung  von CO2 auf unsere Umwelt überhaupt in Abrede zu stellen, zumindest bezogen auf den Klimawandel. Eine andere, kommunikationstechnisch wesentlich geschicktere ist es , den Nutzen und die elementare Bedeutung von CO2 für den biologischen Kreislauf herauszustellen, die dritte - auch nicht schlecht - sich " CO2 - neutral " zu verhalten, das heißt im Klartext: weiter so mit unserem Ausstoß, dafür an anderer Stelle Anreize schaffen, dass CO2 eingespart, vermieden, umgewandelt wird, z.B. durch das Pflanzen von Bäumen. Zu welchen Auswüchsen dies im Emissionshandel geführt hat und führt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Zumindest hat es einigen kriminellen Existenzen zu Reichtum verholfen. Und das Geschachere an den Börsen geht - gewollt - immer so weiter.

Liebe Mitmenschen, so viele Bäume verträgt der Globus überhaupt nicht, die wir pflanzen müssten ,  um den CO2 - Ausstoss der Flugbewegungen  zu kompensieren, der in höhere und höchste Atmosphären - Schichten getragen wird. Wir könnten uns jetzt stundenlang streiten, CO2 - Rechner bemühen, Stellungnahmen von Fluggesellschaften und Herstellern von Flugzeugen einholen etc. pp.. Ein Flug nach Singapur und zurück mit einer Boeing 747 erzeugt, je nach Berechnung, ca. 3,15,  4 - 5 Tonnen CO2 pro Passagier. Je nachdem wie viele Leute mitfliegen, und in welcher Klasse. Die erste Klasse verbraucht über das Doppelte von Economy, 5 Tonnen gegenüber 2,2 Tonnen ( Spiegel online ). Jetzt multiplizieren Sie dies mit den Passagieren und Flugbewegungen pro Jahr. Wie bereits erwähnt, München freut sich über 40 Millionen Passagiere. Zugegeben, nicht alle fliegen nach Singapur.

Insgesamt erzeugt der Flugverkehr im Jahr 897 Millionen Tonnen CO2. Können Sie sich das vorstellen? Ich nicht. Aber wenn Sie bei bestimmten Wetterlagen den Blick gen Himmel wenden, sich die Kondensstreifen ansehen und sich die dazugehörigen Mengen an CO2 vorstellen, kann Ihnen schlecht werden. Wobei sich CO2 noch feiner verteilt als Wasser - oder Eiskristalle und damit auch in die letzte Pore kriecht.

Während ich das schreibe, fällt mir die Diskrepanz zwischen den grob errechneten Tonnen ( München )  und den Angaben über die Gesamtemissionen auf. Aber ich werde nicht nachrechnen und empfehle Ihnen ebenfalls, dies nicht zu tun. Sie werden keine wirklich aktuellen und vor allem zuverlässige und interessenunabhängige Angaben finden. Es sei denn Sie widmen einige Jahre Ihres Lebens einer intensiven Recherche. Und dann fehlt Ihnen ja noch der ganze militärische Sektor - und die Raumfahrt nicht zu vergessen. Wenn Sie  Pech haben, landen Sie im Kittchen. In der Türkei dürfte es beispielsweise nicht gefahrlos möglich sein, selbst die einfachsten Fragen beantwortet zu bekommen.

Was lesen meine wunden Augen bei einer Recherche nach präzisen Daten im Internet :

" Der Luftverkehr ist der größte Klimakiller? Stimmt nicht! "

Ich schaue mir den Absender an:

Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V.. Vorstand Prof. Klaus Scheurle und Matthias Randow

Na klar! Was will man schon sagen, wenn der Luftverkehr allgemein als die klimaschädlichste Art der Fortbewegung gilt und wenn es darum geht, deren globale Auswirkung auf das Klima und auf uns Menschen herunterzuspielen? Kennen wir Herr Scheurle nicht aus der Politik? CSU - Mitglied?

Nicht weniger prominent und bestens vernetzt: Matthias von Randow. Über ihn heißt es bei Wikipedia:

„ Im Januar 2008 wurde er zum Staatssekretär ernannt mit Zuständigkeit für die Grundsatzabteilung, Eisenbahnen, Luft- und Raumfahrt, Wasserstraßen, Schifffahrt, Straßenbau und Straßenverkehr. Am 29. Oktober 2008 wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt, weil er umstrittenen Bonuszahlungen für Manager der Deutschen Bahn AG im Zusammenhang mit der geplanten Teilprivatisierung des Unternehmens zugestimmt hatte, ohne Minister Tiefensee darüber zu informieren. Die Behauptung des Ministers, erst seit ein oder zwei Wochen von dem Vorgang zu wissen, stellte sich jedoch als falsch heraus.“

Trotzdem: in den Ruhestand wurde er versetzt - offensichtlich nicht so ganz. Will heißen: er genießt ein Ruhestandsgehalt und zusätzlich vermutlich satte Tantiemen aus der Vorstandstätigkeit einer einseitigen Interessenvertretung. Dabei bringt er beste Voraussetzungen mit für eine erfolgreiche Lobbyarbeit: fest verankert im laufenden Politikbetrieb, kenntnisreich, beschlagen mit einem sicheren Gespür für erfolgreiche Amigoarbeit. Und selbstverständlich begleitet durch eine öffentlichkeitswirksame Pressearbeit und - ganz wichtig für kritische Geister, die sich möglichst neutral informieren wollen - durch eine bevorzugte Platzierung in Suchmaschinen. Wenn Sie sich dort schlau machen wollen, wie schädlich das Fliegen ist, finden Sie im " Klimaschutz - Portal " eine Tabelle, in der das Fliegen mit 2,69 % der milliardenschweren CO2 - Tonnagen ausgewiesen wird - eigentlich fast zu vergessen. Übertroffen wird diese Selbstdarstellung nur noch von der ATAG, der Air Transportation Action Group, die von einem 2% - Anteil ausgeht.

Das " Klimaschutz - Portal " kommt bei Google an erster Stelle - eine Position, die Sie sich üblicherweise teuer erkaufen müssen und die - so würde ich mal ganz stark vermuten - über eine entsprechend qualifizierte Agentur gekauft wird. Wie viel das kostet, kann ich dem interessierten Leser gerne auf Anfrage nachreichen. Und wer ist der Betreiber dieses Portals? Nun raten Sie mal................richtig: der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V.. Ausgerechnet diejenigen, die ein höchst umstrittenes und wahrscheinlich das umweltschädlichste Verkehrsmittel überhaupt propagieren, betreiben das " Klimaschutz - Portal ". Zynischer geht es ja wohl kaum!

Wie erfolgreich Sie sein können, zeigt ein Diagramm, das Prof. Lauterbach jüngst in einem Vortrag in Leverkusen zum Thema Feinstaub präsentiert hat:

Was finden Sie dort zum Thema Flugverkehr? Richtig gesehen! Nichts! Denn dieser geht einfach in dem  sogenannten "Großräumigen Hintergrund" unter. Nicht zu sehen, nicht zu hören, nicht zu wissen. Patent, was?

Im übrigen deckt sich die von den Herren Scheurle und Randow propagierte Zahl geradezu verblüffend mit der Angabe der Statista GmbH, einer Tochter der Stroer Group, mit der wir uns noch beschäftigen werden. Ein ganz besonderer Fall.

Sie haben mit mir den Blick in den Himmel gerichtet, die menschengemachten Wolkenformationen betrachtet und abstrakte Zahlen über CO2 zur Kenntnis genommen, und sind einigermaßen beeindruckt.  Es läßt Sie aber schon ein wenig kalt, denn man sieht ja nichts und eigentlich - Hand auf`s Herz - man ist ja nicht so unmittelbar betroffen - jedenfalls nicht so, als wenn man von der Straßenbahn überfahren wird. Weit gefehlt - Sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Bedauerlicherweise wieder im Unsichtbaren, es sei denn, Sie bemühen ein Rastermikroskop. Ob Sie wollen oder nicht, sich im Busch verkriechen, auf das offene Meer hinausfahren oder die Gardinen zuziehen, Sie atmen  tagtäglich die Hinterlassenschaften aller genannten Flugbewegungen ein. Es sind die berühmten Feinstäube, die Sie als Dieselfahrer zur Genüge kennen und die Ihnen den Spaß an der gewohnten Mobilität verderben. Leider ist der Begriff " Feinstaub " so diffus wie der gesamte Komplex der Luftverschmutzung. Staub gibt es überall - nicht zuletzt zu sehen an den Hinterlassenschaften in Ihrem Staubsauger, einer Staubwolke in der Wüste, Stäuben bei der Bestäubung, Staub aus qualmenden Schornsteinen etc.. Stäube gibt es so viele wie Staubquellen - und diese sind schier unendlich. Dementsprechend sind die Stäube auch aus allen physikalischen und chemischen Elementen zusammengesetzt, die es auf dieser Erde gibt.

Vernebelungstaktik

Wir möchten es gerne präzise: mess- und wägbar, übersichtlich, möglichst einfach definiert. Deshalb hat man beim Thema Feinstaub die Partikelgrösse als praktischen Maßstab für die Feinstaubbelastung herangezogen. Da hat man doch einen festen Indikator. Also: Partikelgröße festlegen, das Volumen der  Partikel der entsprechenden Größe pro Kubikmeter Luft definieren und fertig ist der Lack!  10 Mikrometer sind der Durchmesser der üblichen Feinstäube, 2,5 Mikrometer gelten schon als ziemlich klein und bei Feinstäuben unter 1 Mikrometer spricht man von Ultrafeinstaub. Im Klartext: den Feinstaub gibt es gar nicht, sondern Fein - und Feinststäube. Und wenn man jetzt in die Zusammensetzung dieser Stäube eintaucht, stellt man ebenfalls fest, dass man sich in Terra incognita befindet, dem unbekannten Land. Alles ist möglich, nichts ist unmöglich. Um noch einmal Wikipedia zu strapazieren, hoffentlich zum letzten Mal:

" Neben dem PM-Standard, der nach Partikelgröße einteilt, kann man Stäube auch nach Beschaffenheit, Herkunft oder anderen Kriterien einteilen. Während also bei PM die von der Größe abhängige Wirksamkeit im Vordergrund steht, schlüsseln andere Modelle etwa unter dem Aspekt der stofflichen und strukturellen Toxizität oder nach dem Verursacher auf. Eine hinreichend vollständige Betrachtung lässt sich nur unter Einbeziehung mehrerer Modelle erreichen. Ein rein auf einem PM - basierendes Erfassungs- und Auswertekonzept wäre damit prinzipbedingt mindestens unvollständig (und/oder irreführend) "

Ich werde Ihnen an dieser Stelle ein eindrucksvolles Bild einer rasterelektronischen Aufnahme einer Polle nachliefern, an der sogenannter Feinstaub, sprich Feinststäube, anhaften. Sie können sich dann selbst ein Urteil über die Komplexität der Materie bilden. Vorausgesetzt, ich bekomme die Genehmigung , das Bild zu verwenden. Ein heikles Kapitel in unserer Medienlandschaft. Merkwürdigerweise darf Google jedes Bild mit dem Hinweis, dass möglicherweise an eben diesem Bild ein Urheberrecht besteht, veröffentlichen. Aber auch Google ist eine Welt für sich.

Zunächst ein link mit den Aufnahmen, wobei ich Sie um etwas Geduld bitte, da es sich um eine Dissertation handelt, bei der erst in der Abhandlung die Bilder gezeigt werden :  https://mediatum.ub.tum.de/doc/966862/966862.pdf

Habe ich gerade das Wort " Toxizität " gelesen/geschrieben? Jetzt sind wir schon ganz nah an der Straßenbahn. Sie alle kennen die Bilder vom Westernhelden, dem die Pistolenkugel bei vollem Bewusstsein, bestenfalls stark alkoholisiert und mit einem Knebel im Mund, aus der Schulter, dem Bein oder dem Bauch herausgeschnitten wird. Besser mit einem bereits benutzten Messer als überhaupt nicht . Warum kann man die Kugel nicht einfach da stecken lassen, wo sie ist, die Wunde versorgen und basta? Ganz einfach: weil der Körper dieses Projektil loswerden will. Es soll aus dem Körper heraus - koste es was es wolle. Das gesamte Abwehrsystem des Körpers wird mobilisiert und alle verfügbaren Kräfte werden zum Ort des Geschehens beordert. Damit nicht genug: mögliche Erreger sind frühzeitig zu bekämpfen und nach Möglichkeit zu eliminieren. Das Projektil hat das größte und möglicherweise wichtigste Organ des Körpers, die Haut, durchdrungen und richtet jetzt Schaden an.

In den meisten Fällen, in denen der Fremdkörper nicht entfernt werden kann, tritt der Tod ein.

Es gibt zahlreiche Beispiele, bevorzugt aus kriegerischen Auseinandersetzungen, in denen das Herausoperieren nicht gelingt und in denen der unerwünschte Fremdkörper über Jahre und Jahrzehnte orientierungslos das Innere des Organismus durchstreift und dann irgendwo hängen bleibt, so Teile von Schrapnellen, Granatsplitter, Holzsplitter, Glassplitter. Manchmal treten sie auch nach Jahren aus und der Körper kann aufatmen.

Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, daß wir jetzt wieder beim Thema sind.  Das entsprechende Stichwort ist: " atmen ". Fremdkörper können nämlich auch über die Lunge aufgenommen werden. Erstaunlich, was? Wissen wir doch! Natürlich keine " Grobstäube " wie herumfliegende Eisenteile, sondern Stäube und Feinstäube. Bei Stäuben gibt es eine einfache Methode, diese wieder loszuwerden, ohne zum Messer zu greifen: sie werden einfach abgehustet. Wir haben es im Verlauf von Millionen von Jahren gelernt, mit diesen widrigen äußeren Einflüssen fertig zu werden. Aufgewirbelter Staub aus der Savanne, Staub beim Teppichklopfen, Staub unter Tage, Straßenstaub, Staub aus verstaubter Kleidung, aus Hütten, von offenen Feuern, Ascheregen. Selbst mit Feinstaub sind wir klargekommen. Unser Organismus hat ein Wunderwerk der Filtration entwickelt, um nur das in den Körper zu lassen, sprich Sauerstoff, was der Körper zum Überleben benötigt. Dazu gibt es den gesamten Nasen - Rachenraum , Flimmerhärchen, eine ruhelose Schleimproduktion, ausgefeilte Reflexsysteme, ein äußerst verzweigtes Bronchialsystem und natürlich - last but non least Lungenbläschen. Sauerstoff ist - das wissen Sie - elementar für unser Funktionieren und eine Unterbrechung von mehr als 5 - 10 Minuten kann bereits zu einer lebensbedrohlichen Situation führen, die insbesondere das Gehirn betrifft. Mehr als eine halbe Stunde überleben wir üblicherweise nicht , es sei denn, wir sind ein indischer Fakir oder ein Apnoe - Taucher. Dieses Filtrations - Organ, sprich unsere Lunge, ist höchst leistungsfähig und versagt selbst eingefleischten Rauchern, siehe Helmut Schmidt, nicht den Dienst.

Womit unsere Lunge, die die letzten Hunderttausende von Jahren aus dem " Großräumigen Hintergrund " nichts als frische Luft schöpfen konnte, jedoch seit der Industrialisierung konfrontiert wurde, das war neu: Feinstaub und vor allem auch neuerdings zunehmend Ultrafeinstäube. Damit hat sie keine Erfahrung. Darauf ist sie nicht vorbereitet.  Es gibt kein evolutionsbedingtes Abwehrsystem und die Partikel können ungehindert in die Blutbahn gelangen. Das Blut ist bekanntlich der Logistikdienstleister für Sauerstoff. Damit ist Tür und Tor geöffnet für Eindringlinge, die der Körper überhaupt nicht gebrauchen kann und eigentlich schleunigst loswerden möchte. Bedauerlicherweise ist es wie mit den Schrapnellsplittern: sie können sich im Körper anreichern, in den Organen. Sogar, wenn es ihnen gelingt,  die so genannte Blut - Hirnschranke zu überwinden, im Gehirn oder - wenn sie auch die Hürde über die Plazenta in das Ungeborene nehmen - im Fötus. Der Körper kann mit Entzündungen reagieren oder zumindest mit allergischen Reaktionen.

Noch schlimmer ist die Situation, wenn toxische Stoffe beteiligt sind oder solche Verbindungen, die den Organismus unmittelbar schädigen können. Hier besteht,  was die Qualität der toxischen Belastung der Ultrafeinstäube betrifft, absoluter Handlungsbedarf. Mein weiß zwar vieles, aber bei weitem nicht alles und was man weiß, wird nicht so ohne weiteres weitergegeben. Wissenschaftler fürchten ihre Reputation, wenn sie vorschnell Ergebnisse publizieren und Industriekapitäne bangen um die Auswirkungen auf Umsatz, Ergebnis und die öffentliche Meinung, vor allem wenn sie in Lobbyvereinen ihr Dasein fristen.  Außerdem handelt es sich - was die Konsequenzen für die Lebensqualität der Weltbevölkerung betrifft -  um Langfristentwicklungen, die zwingend Langzeitstudien erfordern - idealerweise ein Leben lang. Erst so lässt sich die Auswirkung von Feinstaub beispielsweise auf die Entwicklung von Alzheimer über das fötale Stadium bis ins Greisenalter verlässlich nachweisen ( wie von Prof. Lauterbach in seinem Vortrag zur Verkehrssituation in Leverkusen propagiert ) - oder das langfristige Krebspotential bei der Organanreicherung. Da kann es schnell zu spät werden und die Realität überrollt die Wissenschaft.

Tatsache ist, daß Flugzeuge keine Partikelfilter haben ( können ), aber nennenswert Rußpartikel ausstoßen, die auf unsere Häupter herunterrieseln und in unsere Lungen dringen. Gegenüber früher, als Flugzeuge richtige Rauchschwaden hinter sich her zogen ( heute noch vor allem bei Militärmaschinen zu beobachten ) , hat sich der Ruß in den unsichtbaren Teil unserer Wahrnehmung verlagert. Der ehemals sichtbare Ruß - Feinstaub ist zum ultrafeinen Staub mutiert und hat damit eine bedeutend gefährlichere Qualität bekommen. Sie können davon ausgehen, dass die ultrafeinen Feinstaubwolken mindestens die gleichen Dimensionen wie die Wasserdampfwolken besitzen, ebenso verteilt werden und genauso lange am Himmel verweilen.

Dazu noch zwei Bilder von gestern, 16.01.2019, 15 Uhr 30 und 17 Uhr 15:

 

 

 

Oben sehen Sie einen breiten Streifen ( von rechts nach links ), der bereits über eine Stunde nahezu unverändert am Himmel verweilt und immer noch die spezifischen Muster der Wasserdampf - Erzeugung durch die Triebwerke aufzeigt. Wohl bemerkt von einem einzigen Flugzeug! Unten den Abendhimmel mit Wolkenbildung. Der Standort ist identisch, die Bilder wurden nicht bearbeitet.

Sie können ganz sicher sein: die Wolken enthalten nicht nur den Wasserdampf sondern alle Schadstoffe, die das Flugzeug ausgestoßen hat, darunter den Ultrafeinstaub, ultraklein und ultragefährlich. Sie ziehen  über unsere Köpfe hinweg ( in diesem Fall über die Alpen ) oder rieseln direkt auf uns herunter, spätestens mit dem nächsten Regen.

Insofern haben wir es mit einer permanenten, globalen, sich überwiegend in großen Höhen abspielenden Ultrafeinstaub - Berieselung zu tun

" Ist es das jetzt endlich? " werden Sie erschöpft sagen, nachdem sie das gelesen oder darüber hinweg gescrollt haben. Ich würde ja gerne Entwarnung geben und Ihnen mitteilen: ja, das wars, geschafft................: Sie können wieder beruhigt aufatmen. Leider weit gefehlt. Wir sind nicht die einzigen Lebewesen auf der Welt und wahrscheinlich auch beileibe nicht die bedeutendsten. Wir sind zwar Raubtiere und haben uns ganz wacker geschlagen, aber erdgeschichtlich werden wir wahrscheinlich von mancher Spezies abgehängt, die heute in den Meeren herumdümpelt, wie z.B. die Quallen. Und wir arbeiten kräftig daran, den endgültigen Beweis für unsere Halbwertszeit auf diesem Planeten anzutreten. Vielleicht übernehmen dann die Tintenfische das Zepter. Oder die Delphine, die ähnlich intelligent wie wir sein sollen.

leidtragende Ozeane

 

Sie wissen das genau so gut wie ich: ein Kubikmeter Meerwasser enthält weit über eine Milliarde Kleinstlebewesen. Diese bevölkern ein Element, dem auch wir unsere bescheidene Existenz verdanken. Haben wir uns doch über verschiedene Entwicklungsstufen schließlich an Land geschleppt und den aufrechten Gang erworben. Dabei gibt es verblüffende anatomische Parallelen mit den ehemaligen Kumpels, die wir hinter uns gelassen haben, beispielsweise mit dem Haifisch, dessen Gehörsystem unserem sehr ähnlich ist, oder mit dem Quastenflosser, der bereits Fingerfertigkeit besitzt. Immer noch können wir schwimmen wie ein Fisch - na ja, nicht ganz so - und wir können tauchen. Dazu brauchen wir allerdings Hilfsmittel zur Sauerstoffversorgung, da wir die Kiemen abgelegt und durch unsere Lungen ersetzt haben.

Die Ozeane bedecken zwei Drittel unseres blauen Planeten und sie enthalten die wahrscheinlich größte Biomasse überhaupt. Gerade umgekehrt proportional zur Größe des Ozeans und zur Bedeutung der darin enthaltenen Lebewesen für unser globales Ökosystem steht unsere Erkenntnis und das Wissen über dieses Element. Wir sind weit davon entfernt, das Leben in den Ozeanen entschlüsselt zu haben, geschweige denn von den Prozessen, die dort Lebenskreisläufe beeinflussen und steuern. Klar, wir haben tolle Satellitenbilder, eine verbesserte Wettervorhersage und können die Klimaveränderungen besser beobachten. Aber bereits in über 1000 Metern Wassertiefe wird es im wahrsten Sinne des Wortes zappenduster und auch unser Forscherdrang steht unter Druck. Man stelle sich vor: 11 Kilometer Meerestiefe ( was sind schon 11 Kilometer ?, frage ich Sie )  stellen uns vor ungeheure technische Herausforderungen. Unfassbar, dass es noch nicht einmal gelungen ist, den Aal bei bei seinem Fortpflanzungsakt zu beobachten.

Verdreckte Metropolen, qualmende Industrieanlagen, Braun - und Steinkohle - Verbrennungsanlagen sind Gott sei Dank weit weg. Ihr Schmutz verbleibt im näheren Umkreis, Schwebstoffe setzen sich unmittelbar in der Umgebung ab oder treiben - wenn der Schornstein hoch genug ist -  noch einige hundert Kilometer weiter und sinken dann ermattet zu Boden.

Anders der Flugverkehr: er kennt keine Grenzen, Kontinente, Ozeane: er verteilt seine Schadstoffe in großer Höhe über uns alle  und damit auch über die Kleinsten, die Ungeschütztesten, die Wehrlosesten in den Ozeanen. Und das Schlimmste daran: es gibt keinerlei Erkenntnis über das Ausmaß der Beeinflussung des ozeanischen Lebens. Die größten künstlichen Bauten, die jemals bislang auf der Erde existierten, wurden von millimetergroßen Kleistlebewesen erbaut. Deren Organismus, der sich in Jahrmilliarden herausgebildet hat, muss plötzlich umlernen: es gibt nicht nur Kunststoffreste, die den größeren Lebewesen im Wasser ( und den Wasservögeln ) im Magen liegen und sie elendiglich verrecken lassen, es gibt auch neue Sinkstoffe, vor denen man sich in acht nehmen sollte. Das ist für die Erbauer von 4 Kilometer hohen und sich über fast 2000 Kilometer hinziehenden Korallenstöcken ( Malediven ) schon eine neue Herausforderung, ganz abgesehen von der Erhöhung der Wassertemperatur und den zahllosen Ressorts, die ihnen sowieso schon zusetzen. Gnadenlos werden die Abwässer und Reinigungsmittel ( täglicher Bettwäsche - Wechsel in den Luxusressorts ) in die Korallenriffe eingeleitet. Für Kolonie bildende Nesseltiere, Seeanemonen und abertausende andere unter der Wasseroberfläche lebende Arten auf Dauer ein sicheres Todesurteil, da deren filigrane Filtrationsorgane und Stoffwechsel hoffnungslos überfordert werden!

eigene Unterwasseraufnahme einer Seeanemone mit Schwebeteilchen in Ressort - Nähe auf den Malediven

Jetzt könnte ich natürlich ellenlang über weitere, dramatische Auswirkungen des Luftverkehrs berichten, über das Ozonloch, Stickstoff, aromatische Verbindungen, Kohlenstoff, weitere mittelbare oder unmittelbare toxische Stoffe etc. pp..

Das ist aber eigentlich nicht Gegenstand dieses Buches.

Was ich Ihnen sagen will, ist, dass diese evidenten, von jedermann am Himmel sichtbaren, unsere Umwelt in dramatischer und wahrscheinlich verheerender Art und Weise beeinflussenden Prozesse wissentlich und willentlich nicht unterbunden, sondern sogar noch zunehmen werden. Dabei stellt das von mir erläuterte Thema Flugverkehr nur einen, wenn auch sehr bedeutenden Einflussßfaktor dar.

Primatentum pur

Wie kann es dazu kommen?

Die Antwort ist so klar wie eindeutig: Es ist der Mensch und vor allem die in uns allen vorhandene " Primitivperson ", die trotz rationalem Oberbau die Oberhand hält und sich auch mit den besten Argumenten und selbst harten Fakten nicht beeindrucken läßt ( Trump ). Geht es doch um massive persönliche Interessen, die Umweltschäden jeglicher Art billigend in Kauf nehmen. Besonders fatal wird dies, wenn sogar besonders umweltschädliche Verfahren das Mäntelchen der Beschwichtigung umgehängt bekommen z.B. durch " Verschmutzungsrechte ". Statt zu fordern, daß jegliche Umweltverschmutzung unterbleibt, wird daran sogar ein Recht eingeräumt. Was für ein Irrsinn! Ich habe noch einige Vorschläge: Betrugsrecht, Lügenrecht, arglistiges Täuschungsrecht, Hintergehungsrecht.

Machen wir uns nichts vor: unsere zum Teil sehr einfachen Bedürfnisse wollen befriedigt werden. Natürlich möchten wir gerne in Urlaub fahren, schnell mal eben im Supermarkt um die Ecke einkaufen, möglichst wenig für Strom und Schweinefleisch bezahlen, ein günstiges T - Shirt kaufen, uns vor die Glotze setzen und dabei das Smartphone bedienen. Verständlich, menschlich, nichts dagegen zu sagen.

Der Teufelszyklus beginnt dort, wo diese Bedürfnisse professionell bedient werden. Handelt es sich doch in jedem Einzelbereich:  Reisen, Supermarkt, Stromversorgung, Tiermast, Elektronik, Telekommunikation, um nur einige zu nennen,  um  äußerst lukrative Märkte, an denen zahllose Partner beteiligt und die natürlich mit Arbeitsplätzen verbunden sind. Jeder will verdienen, und nun geht eine Spirale los, die sich unaufhörlich nach oben dreht. Sie dürfen nicht vergessen: nicht nur Sie haben Bedürfnisse, sondern auch die anderen. Und es gibt kleine Bedürfnisse und große Bedürfnisse, günstige und teure. Für Sie reicht möglicherweise eine neue Wohnung, eine Doppelhaushälfte, ein freistehendes Eigenheim. Das wird irgendwann zu eng und - wenn Sie erst mal Millionen gescheffelt haben - bauen Sie sich eine Hazienda in Malibu oder kaufen sich eine Insel.  Die Bedürfnisse wachsen mit den Möglichkeiten.

Es ist aber nicht, wie Sie vielleicht meinen, nur der schnöde Mammon, sondern es sind die menschlichen Attribute, die auch unser eigenes Alltagsleben kennzeichnen: man möcht beliebt, anerkannt sein ( nichts dagegen zu sagen ), man möchte in einem kultivierten Umfeld leben, schätzt Kunst und Kultur ( nichts dagegen zu sagen ), möchte sich schön anziehen, sich unterhalten ( nichts dagegen zu sagen ), neue Eindrücke gewinnen, Abwechslung, Spaß haben ( nichts dagegen zu sagen ). Wenn Sie aber beispielsweise beobachten, daß sich ein Krämer ( Berthold Aldi ) von einem Kunsthändler Objekte zu völlig überhöhten Preisen aufschwatzen lässt, weil er mit Kunst ja wirklich nichts am Hut hatte und bisher nur Regale mit Kartons gefüllt und abgeschottet von der Welt auf seinem hermetisch abgeriegelten Anwesen Geld gezählt hat, wird es kritisch. Dann bekommen natürliche Bedürfnisse plötzlich eine neue Dimension. Es kommt Geltungssucht hinzu, übersteigerte Anerkennung, mit dem Geld die Gier, überhöhtes Anspruchsdenken, sozialer Dünkel, Luxus, Machtstreben - und natürlich Angst, all dies zu verlieren, weniger zu haben, Anerkennung zu verlieren, abzusteigen, geächtet, von der (feinen ) Gesellschaft ausgeschlossen, entführt, erpresst, gemobbt zu werden.

Was aber machen Sie, wenn Sie beispielsweise ein Telekommunikationsunternehmen erfolgreich führen wollen? Sie müssen sich mit den spezifischen Marktbedingungen auseinandersetzen und das Spiel mitspielen. Am besten illustriert mit einem fleischigen Knochen, an dem eine Horde von Hyänen zerrt: Sie müssen die besten Brocken abbekommen ( Lizenzen, hohe Preise von den Kunden ) , Wettbewerber weg beißen, Ihren Claim sichern, darauf achten, dass Sie niemand wegscheucht ( der Gesetzgeber ), und dabei den Energiehaushalt möglichst gering halten: möglichst große Brocken bei wenig Energieeinsatz. Wenn Sie nämlich zu fett werden, liegen Sie eines Tages faul im Schatten und werden selbst zur Beute.

Was ist der Lohn der Anstrengung? Geld, viel Geld, und die Möglichkeit, sich all das leisten zu können, was anderen eben nicht möglich ist.

Besonders wichtig ist dabei, dass Sie über die Rahmenbedingungen verfügen, um Ihr Geschäft erfolgreich betreiben zu können und in der Lage sind, diese für Sie komfortable Situation zu erhalten. Wenn beispielsweise die großindustrielle Masttierhaltung eingeschränkt wird, bedeutet dies u. U. massiven Umsatzverlust.

Was wollen Sie heute als Supermarktbetreiber machen, wenn die Verpackungswut eingeschränkt oder gar verboten wird? Was machen Sie als Fuhrunternehmer, wenn mit Hochdruck Bahntrassen für den Güterverkehr durch Deutschland gebaut werden? Was als Logistikdienstleister, wenn wieder die Lagerhaltung propagiert wird? Was machen Sie als Kirche, wenn die Leute den Gottesdienst nur noch als Popanz empfinden ?

Genau: Sie ziehen alle Register, die Ihnen in einem solchen Fall zur Verfügung stehen: Sie entwickeln gegenüber der Politik ein Schreckensszenario, binden die Presse ein, beschäftigen Kommunikationsagenturen, stellen sich gegenüber dem Kunden als  besonders vorteilhaft/einzigartig heraus und beschäftigen renommierte Anwälte, die Ihnen dabei helfen, Ihre vermeintliche Rechtsposition zu verteidigen wie jüngst beim Big Mac - Urteil. Sie haben davon gehört: Mc Donalds wollte einem Mitbewerber untersagen, sein Produkt " Big Mac " zu nennen und ist damit krachend vor Gericht gescheitert. Künstlerpech, kommt vor. In der Regel aber arbeiten Anwälte und Gerichte jedoch zuverlässiger. So z.B. bei der sogenannten Haushaltsabgabe für das öffentliche Fernsehen, deren Rechtmäßigkeit sogar vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde. In diesem Fall im Auftrag des Staates. Na ja, da liegen die Verhältnisse ja etwas anders. Ich hätte da einen Vorschlag: wie wäre es mit einer Haushaltsabgabe für einen Grundbedarf an Medikamenten ( die Apotheken haben ja sowieso schon  einen besonderen Versorgungsauftrag ) oder Bücher, natürlich mit Buchpreisbindung, oder für eine Grundversorgung von Lebensmitteln bei REWE und EDEKA? Eine Staatszeitung. Frage: wieso sind die Printmedien ausgeschlossen? Ach ja: die liest ja sowieso keiner mehr, nur die Bild.

Sorry, ich schweife ab.

Berlin, der Sitz unserer Bundesregierung, ist gespickt mit Lobbyvertretungen. Es ist allgemein bekannt, dass deren Repräsentanten zu einem Großteil direkten Zugang zum Bundestag und deren Vertreter haben, mit Ausweis und jederzeitiger Besuchserlaubnis. Sie können die Politiker vorab informieren, über Sachzusammenhänge aufklären, ihnen Entscheidungshilfen geben, Material zuspielen, das Lesen der Tischvorlagen abnehmen, Produktinformationen incl. Produkttests  ermöglichen, die Besichtigung von Produktionsstätten und sonstige Unterstützung bei der Argumentation anbieten. Wer wird da nicht schwach? Sind unsere Politiker nicht eigentlich alle überlastet? Selbst in einer mittelgroßen Stadt, deren Namen ich aus Diskretionsgründen nicht nennen möchte, ist der Bürgermeister ständig auf Achse. Mir ist ein Fall bekannt, in dem der frischgebackene Bürgermeister ( eine andere Stadt, ein anderer Bürgermeister ) als erste Amtshandlung erst mal in sämtliche Vereine der Stadt eingetreten ist. Wenn ich mich richtig erinnere, waren es siebenundvierzig. Diese sich im Politikbetrieb bewähren müssenden, bewährten, besonderen Menschen sind guten Argumenten gegenüber selbstverständlich zugänglich. Vor allem, wenn sie in der Gunst einer bedeutenden Klientel stehen. Diese Klientel kann innerparteilich oder außerparteilich sein, städtisch, ländlich, bundesweit. Beispiel innerparteilich: das sogenannte Strukturförderungsgesetz der FDP zugunsten von Hoteliers, außerparteilich: der ADAC. Idealerweise schreiben die Lobbyvertretungen sogar die Gesetzesvorlage. Und gerade in dieser Melange von Interessen finden wir das wieder, was unsere Spezies nach wie vor auszeichnet: die Bedeutung tiefliegender, fast hätte ich gesagt,  primitiver Interessen. Gar keine Frage, damit wir uns nicht missverstehen: es gibt auch sehr viele vorteilhafte, wohlüberlegte, gut gemeinte und klug eingefädelte, dem Wohl der Bevölkerung dienende Vorlagen, Diskussionen, Entscheidungen, Gesetze, Beschlüsse, Umsetzungen, integre Menschen in der Politik. Ohne Frage.

Sie werden mir jedoch zustimmen, daß es bei wirklich kritischen, weitreichenden Entscheidungen einiges zu diskutieren gibt. Flughäfen zum Beispiel. Und wenn es dann trotz verheißungsvoller Aussichten völlig unerwartet doch zu einer Havarie kommt wie bei der von der aktuellen Politik nicht gewollten 3. Startbahn in München, gibt es ja noch einen Plan B: massiver Ausbau der Abfertigung bei der Startbahn 2. Das war eben Künstlerpech - aber nicht verzagen - es gibt immer eine Alternative. Das Ziel bleibt gleich: deutliche Steigerung des Verkehrsaufkommens. Also wirklich: beim Flugverkehr hängt ja einiges dran: Arbeitsplätze ohne Ende, Steuern, Infrastruktur, Zulieferer, Treibstoff, Fördermittel, Wettbewerb unter den Airlines, nationale Interessen, Landesinteressen, lokale Interessen. Man höre und staune: die neue bayerische Koalitionsregierung von CSU und Freien Wählern hat angesichts der gestoppten Startbahn - Erweiterung ein fünfjähriges Moratorium erlassen, das Planungen und Grundstückskäufe zu diesem Zweck untersagt. Es gehört wirklich nicht viel Phantasie dazu, sich das Geschachere hinter den Kulissen vorzustellen, das im Bierdunst an den Stammtischen in und um München stattfindet. Mancher Landwirt, eingefleischter CDU - ler und in sicherer Erwartung des Millionen - Jackpots, wünscht jetzt den Freien Wählern die Pest an den Hals. Muss Malle ohne ihn auskommen.

Rechnen Sie eine Zehnerpotenz hinzu und Sie können sich die Lage in Brüssel lebhaft vorstellen. Das Gezerre um Formulierungen, Änderungsvorschläge, Expertengremien, Anhörungen, Ausschüsse und Unterausschüsse, alles noch viel wichtiger, die Summen, um die es geht, in einer ganz anderen Liga.

International contest of primates

Da sind abgeschobene Altpolitiker, mit allen Wassern gewaschen und an ihren Pöstchen und Pfründen klebend wie mit Panzerband fixiert, altersstarr, aber im Politikbetrieb erfahren und junge Karrieristen, die aus dem Stand auf die ganz große Bühne wollen und die ganz schnelle, gefällige Lösungen wollen und dann das ganze Heer von Bürokraten, das mit seinem Paragraphen gestützten Beharrungsvermögen den gigantischen Fettklumpen ähnelt, die die Kanalisation von London verstopfen und jeden weiteren Durchfluss verhindern.

Geht es doch in diesem Fall nicht um die Begradigung der Banane ( oder war es die Gurke? ) oder den Ersatz der guten, alten Glühbirne durch ein technologisch ungleich aufwendigeres, teureres und umweltschädlicheres Leuchtmittel. Auch nicht darum, Fördermittel für Großbetriebe der Agrarindustrie  geräuschloser als bisher, aber wie gewohnt zuverlässig zu verteilen, das Verbot des PVC - Strohhalms als Antwort auf die Vermüllung der Weltmeere durch Kunststoffabfälle als Pioniertat den Mitgliedsländern zu verkaufen......

Nein, es geht darum, in einer zukunftsentscheidenden Frage einen Ausgleich zwischen den einzelnen, teilweise extrem unterschiedlichen, nationalen Interessen zu finden. Und das in einer Zeit, in der der Brexit die politischen Gemüter auf das Äußerste strapaziert, ein Dexit die Gazetten bevölkert, Merkel und Macron sich in den Armen liegen und argwöhnisch beäugt werden, der Ratsvorsitz der EU von Rumänien (!) übernommen wird, Rechtspopulisten die Auflösung des EU - Parlaments fordern, ein europäischer Finanzminister verlangt wird und dann auch wieder nicht und in der die Italiener jedes vernünftige Maß bei der Staatsverschuldung verlieren. Wird man in diesem Umfeld beispielsweise eine drastische Erhöhung der Flugbenzinpreise durchsetzen können? Oder gar eine Deckelung der Flugbewegungen?  Oder ein Verbot der Formel 1, weil der ganze Tross zwischen den ohnehin ebenso umweltschädlichen wie unnötigen Veranstaltungen nur mit dem Flugzeug unterwegs sein kann? Rockmusiker mit ihrem Equipment und ihrer Entourage zwingen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen? Fernreisen unter 8 Tagen Aufenthalt am Bestimmungsort verbieten? Das glauben Sie doch selber nicht. So wird man sich die dramatische Situation des Klimawandels und der zunehmenden Umweltverschmutzung vor Augen klagend in den Armen liegen und Resolutionen verfassen.

So wie auf den Umweltgipfeln, wo die gegenseitig schulterklopfenden Weltverbesserer hunderttausende von Flugkilometern zurücklegen, um mehr oder weniger unverbindliches Papier zu produzieren und gemeinsam Lieder zu singen - Tränen und den Untergang ganzer Inselgruppen in den Augen. Es werden dickleibige Tanzgruppen eingeflogen, um den Erhalt des unwiederbringlichen Brauchtums vor Augen zu führen.

Die Rechnung ist ohnehin ohne den Wirt gemacht: USA first. Dort spielt die Musik, dort hängt der Hammer. China nicht zu vergessen. Und die hungrigen Entwicklungsländer.

Sie können von den Vereinigten Staaten gegenwärtig nichts erwarten, also abgehakt.

China hat einen geopolitischen Anspruch und einen ungebremsten Entwicklungshunger und Nachholbedarf. Außerdem entdecken die Chinesen die Lust am Reisen. Europa in 3 Tagen incl. Shopping bei den einschlägigen Luxuslabels. Bei Louis Vitton auf der Kö in Düsseldorf müssen Sie schon Wartemärkchen ziehen, wenn Sie den Laden betreten, und Sie werden es kaum erleben, daß dort jemand das Geschäft ohne ein kleines aber feines Täschchen verläßt, das mindestens dem Jahreseinkommen eines Fabrikarbeiters vor Ort  entspricht. Und wenn es Sie dann zufällig nach Köln verschlägt, treffen Sie die gleichen Reisegruppen mit ihren Smartphones vor dem Kölner Dom. Ich empfehle den Chinesen Köln, auch dort gibt es Louis Vitton, direkt gegenüber dem Dom und ohne Wartezeit. Da habe ich aber nicht mit dem auserlesenen Geschmack der chinesischen Elite grechnet: es ist ein riesengroßer Unterschied, ob man in Köln oder Düsseldorf shoppt. Und in Düsseldorf kaufen auch russische Oligarchen ein, in Köln nicht. Die haben eben Stil.

China steht stellvertretend für zahlreiche Entwicklungsländer, ganz vorne Indien, die sich für die Errungenschaften der westlichen Zivilisation interessieren und genauso gerne fliegen wie wir. Gehen wir davon aus, dass 7 Milliarden Menschen auf der Welt gerne zumindest 1x gerne fliegen würden. Hand aufs Herz: wie oft sind Sie schon geflogen?

Was lese ich heute im Kölner Stadt - Anzeiger ?

" Doppelt viel Fracht ab Köln " Der Flughafen will bis 2030 pro Jahr 1,5 Millionen Tonnen Güter umschlagen . Die Anwohner fürchten mehr Lärm und sind erbost.

Wie ich schon sagte: die Spirale dreht sich nach oben, den Lärm kann man hören, alles andere sieht man nicht. Und was sind die Argumente? Mantramäßig könnte man das herunterbeten: der Flughafen braucht Erlöse, die Logistikbranche begrüßt die Pläne, Köln ist mit Leipzig zusammen der wichtigste Fracht - Airport der Bundesrepublik und zählt zu den zehn größten Europas. Tausende Jobs werden gefährdet, 14 800 Menschen leben vom Flughafen. Tendenz steigend..... und auch die regionale Wirtschaft braucht den Airport als Tor zur Welt. Letzteres vorgetragen von dem Kommentator der Zeitung, Thorsten Breitkopf, verlässlicher Partner der ortsansässigen Interessenvertretungen. Klar, der Kölner Stadt - Anzeiger benötigt mehr denn je die wohlwollende Unterstützung des wirtschaftpolitischen Mainstreams, da das klassische Anzeigengeschäft so gut wie weggebrochen ist, nur noch die Todesanzeigen übrigbleiben ( die im übrigen immer größer werden, da man mit den Beerdigungsunternehmen nach wie vor verlässlich zusammenarbeiten kann ), die Werbekunden ihre Etats zunehmend von den Printmedien abziehen, die alten Abo - Kunden wegsterben, die Jugend sich des Smartphones bedient und sich wenig für die Politik und noch weniger für die Kirche interessiert. Im Fall des Kölner Stadtanzeigers  besonders schmerzlich, da dieses Presseerzeugnis  in der reichsten Diözese unserer Republik liegt und den Weihrauch bislang zuverlässig in seine Leserschaft getragen hat. Bleibt nur der Karneval. Dumm nur, daß die Jecken keine Anzeigen schalten und ihr Geld direkt in Form von " Kamelle " und " Strüßche " unter das jubelnde Volk streuen.

Machen wir uns nichts vor: auch jenseits der staatlich gelenkten und von uns skurrilerweise auch noch finanzierten Information gieren die Medien geradezu nach Material, das ihnen mundgerecht möglichst angenehm dargebracht wird. Und auch dort gilt das Hyänen - Prinzip und es dreht sich das Karussell der Eitelkeiten.

Also, Halten wir fest: es gibt keine Hoffnung auf eine Besserung

Macht oder Ohnmacht?

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: was kann ich tun? Leider muss ich Sie auch in dieser Hinsicht desillusionieren. Klar: Sie können beispielsweise weniger fliegen oder ganz auf das Flugzeug als Verkehrsmittel verzichten. Sie können Ihren Beitrag zu einer besseren Welt leisten, bei sich anfangen, Zeichen setzen. Bedauerlicherweise ist das wie bei der Wahl: sie können hingehen oder auch nicht. Es ändert nichts. Sie haben keinerlei Einfluss, sind einfach zu unbedeutend. Sie sind in eine Primitivstruktur eingebunden, die Ihnen, dem einzelnen, keine Bedeutung beimisst. Die eine klare Bedeutungsstruktur hat. Bedeutsam ist, wer ganz oben ist, mächtig, einfluss - reich, über den berichtet wird, der auf sich aufmerksam macht, in den Vordergrund spielt..........machen Sie das? Vielleicht sind Sie dummerweise damit beschäftigt, Geld zu verdienen oder Kinder großzuziehen? Schaffen das nicht wie Frau von der Leyen, 7 Kinder und den Job als Verteidigungsminister unter den Hut zu bringen und dabei wie ein Topmodel auszusehen oder wie Frau Nahles ( weniger Top - Model ), die unmittelbar nach der Geburt ihres Kindes erst richtig voll durchstartet, weil sie mit Mann und Kind nicht ausreichend befriedigt ist und eine Hardcore - Betätigung braucht?  Weil sie etwas Größeres im Sinn hat ? Vielleicht Bundeskanzlerin? Vielleicht haben Sie einen behinderten Menschen zu versorgen? Vielleicht sind Sie ja auch ein Dinosaurier, dem die Familie wichtig ist ? Mit - das soll es noch geben - einem Mann und einer Frau und leiblichen Kindern.

Nein: es gibt eigentlich nur einen Weg: Sie müssen BEDEUTUNG GEWINNEN !

Die Frage ist nur: können, wollen Sie das? Nicht jeder kann das: unverblümt die eigene Dummheit in die Öffentlichkeit tragen und dafür auch noch bewundert werden. Denn auch damit müssen Sie rechnen: von den Falschen begeistert gefeiert zu werden.

Bei dem Versuch, die eigene Meinung einem etablierten System gegenüberzustellen, sehe ich die allseits bekannten und im Fernsehen gerne gezeigten Berichte von Demonstrationen vor meinem geistigen Auge, in denen sich Demonstranten auf der einen und Polizisten auf der anderen Seite verbissen gegenüber stehen. Der Polizist geharnischt und mit Visier, gelegentlich auch bewaffnet, zumindest mit einem Gummiknüppel oder Pfefferspray, der Demonstrant mit einem umgebundenen Tuch, das die Augenpartie frei läßt. Er versucht, den Polizisten von seinem Standpunkt zu überzeugen. Er argumentiert, beschwört, bittet um Verständnis. Er trägt mit Leidenschaft eine alternative Sichtweise vor - appelliert an den gesunden Menschenverstand............

Zwecklos, sage ich Ihnen, völlig aussichtslos.

Der Polizist vertritt das System,  er selbst hat meinungslos zu sein. Selbst wenn er der gleichen Ansicht ist wie Sie, ja, Ihnen vielleicht sogar aus vollem Herzen zustimmt und am liebsten auf Ihrer Seite stehen würde, darf er es nicht zeigen. Denn er hat einen klaren Auftrag: abzuwehren und draufzuschlagen, wenn eine kritische Grenze überschritten wird. Selbst wenn einem Demonstranten dabei durch eine Blendgranate ein Arm in Stücke gerissen wird, wie es gestern ( 09.02.2019 ) in Paris vorgekommen sein soll.  Die " wehrhafte Demokratie " darf sich aller Mittel des Gewaltmonopols bedienen, während sich sein Gegenüber jeglicher Gewalt zu enthalten hat. Für den Demonstrant gilt außerdem das Vermummungsverbot, d.h., man möchte ihn jederzeit beim Wickel nehmen können, in die Schublade der Antidemokraten stecken, da er sich ja öffentlich gegen das demokratisch legitimierte System gestellt hat, und ggf. mit der ganzen Autorität des Rechtsstaats verfolgen. Vergeblich werden Sie jedoch nach dem Namen Ihres Gegenübers forschen, da er ja nur eine Nummer ist und im Zweifel unter dem Rettungsschirm des Systems steht und dort wie in einem Naturreservat  geschützt wird.

Gewalt, auf welcher Seite auch immer, sollte selbstverständlich ausgeschlossen sein. Nur: jede Form von Gewalt erzeugt Gegengewalt. Dies gilt auch für die Vertreter unseres Rechtsstaats.

Nein, als Einzelner können Sie nichts ausrichten. Sie müssen BEDEUTUNG GEWINNEN und sich einer Bewegung anschließen, den Gelbwesten beispielsweise wie z. Zt. in Frankreich, oder Sie gründen die Grünwesten. Jetzt haben Sie aber ein neues Problem: Sie sehen sich plötzlich einem Kosmos gegenüber, der nach den gleichen primitiven Regeln funktioniert wie in dem System, dem Sie Ihre eigenen Meinung entgegenzusetzen haben: Sie müssen laut schreien, sich nach vorne durchboxen, auf ein Podest steigen, das Megaphon an sich reißen, die Journaille füttern, mediengerecht Ihren Standpunkt vertreten und sich vor allem der sozialen Medien bedienen, Twitter, facebook etc.pp... Am besten, Sie richten eine Stab ein, der das organisatorische Grundgerüst für erfolgreiches Egomarketing  bildet: strategische Planung, Logistik, Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising, Medienberatung, Ghostwriter, Ghosttwitterer, Schlägertruppe. Hatten wir ja schon mal.

Ein Exempel

 

Vielleicht darf ich Ihnen in diesem Zusammenhang kurz von einem eigenen Erlebnis berichten. Vor Jahren habe ich mit einigen Mitstreitern am Chiemsee eine Initiative gegen Transport, Lagerung und Umschlag von besonders überwachungsbedürftigen Abfällen gegründet. Diese wurden ab 2007 nach EU - Recht in " gefährliche Abfälle " umbenannt.

Hier unser Logo, das die Problematik verdeutlichen sollte. Ein Vertreter des Chieminger Gemeinderates sprach mich auf einer unserer Veranstaltungen an und meinte, wir hätten ja Recht, aber daß wir die Vereine karikieren würden, das ginge ja nicht. Da kann ich ihm nur zustimmen.

In unmittelbarer Nähe des Sees, im Ortsteil Egerer bei Chieming. In einer der schönsten Landschaften Deutschlands, Hochburg der CSU, Wahlkreis Dr. Peter Ramsauer, wurde und wird Müll in nennenswertem Umfang umgeschlagen. Darunter befanden sich Abfälle, die Salpetersäure, Salz-/Schwefelsäure, halogenierte Lösungsmittel wie Dichlormetan, Chloroform, Quecksilber, Polychlorierte Biphenyle ( PCB ), FCKW und Cyanide enthalten. Ein Großteil dieser Abfälle wurde im Freigelände umverteilt und war unmittelbar der Witterung ausgesetzt. Das Oberflächenwasser wurde in die Ringkanalisation des Chiemsees eingeleitet. Details will ich Ihnen ersparen. Der Betreiber der Anlage war ebenfalls mit allen Wassern gewaschen, machte Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe. Im Eingangsbereich der Firma hing ein freundliches Schreiben von Dr. Werner Schnappauf ( erinnern Sie sich? Problembär Bruno?), dem damaligen Umweltminister, als Beweis der Unbedenklichkeit und Ausdruck des gemeinsamen Bemühens für eine saubere Umwelt. Das Unternehmen war eng mit der Gemeinde verzahnt, da der ursprüngliche Initiator und Firmengründer in Chieming fest verwurzelt war und heute  noch  ist. Die Gemeinde, sachlich, fachlich, inhaltlich, rechtlich völlig überfordert , hat Anträge der Firma regelmäßig durchgewinkt. Im Zweifelsfall hat ein von dem Unternehmen beauftragter und bezahlter Sachverständiger Bedenken ausgeräumt. Unsere Initiative hat sich nach einigen Scharmützeln vor Ort inklusive tumultartiger Auseinandersetzungen in einer Großveranstaltung im Unterwirt in Chieming an den Petitionsausschuß des Bayerischen Landtags gewandt. Vorsitz Dr. Marcel Huber, Landtagsabgeordneter, Tierarzt. Zu diesem Zeitpunkt war der Vorsitzende des Bayerischen Landtags Alois Glück, ebenfalls im Chiemgau beheimatet und mit den Gegebenheiten vor Ort bestens betraut. Ich habe auch ihn angeschrieben. Und ein freundliches, persönlich gehaltenes Schreiben bekommen mit dem Hinweis auf seine beschränkte Einflussmöglichkeit. Hä? Er wolle die Entwicklung aber im Auge behalten. Soso.

Unsere Bedenken wurden trotz eines Besuchs vor Ort unter Leitung von Dr. Huber vom Tisch gewischt. Zitat Originalprotokoll des Bayerischen Landtags vom 08.02.2007 : " Ob es sinnvoll sei, einen derartigen Sammelbetrieb in einer Region anzusiedeln, der vom Tourismus lebt, liegt in der Planungshoheit der Kommune. Der Landtag habe keine Einflussmöglichkeit "

Selten so gelacht.

Bei der Behandlung des Themas im Landtag, an der ich die Ehre hatte, teilnehmen zu dürfen, habe ich eine für mich neue Erfahrung gemacht. Zahlreiche der Landtagsabgeordneten waren bei der Diskussion überhaupt nicht dabei, verließen vorher den Raum, waren plötzlich verschwunden, mit anderen Dingen beschäftigt. Sie hatten sich in ihre Räumlichkeiten zurückgezogen, um dort ihren sicher sehr zahlreichen und verdienstvollen Geschäften nachzugehen. Bei der Abstimmung kamen sie auf einen Hinweis des Saaldieners kurz vorbei und gaben ihre Stimme ab. Einwände/ Fragen der anderen Parteien spielten  dank einer soliden Mehrheit der CSU ( Bundestag CDU/SPD ) keine Rolle.

Wer an Details interessiert ist, kann bei Bedarf  vom Autor die komplette Liste der genehmigten Abfallarten bekommen, wobei ich dem eiligen Leser nur beispielhaft den AVV-Code 101111 besonders an Herz lege ( nur eine von 87 !!!!  verschiedenen, zum großen Teil gefährliche Abfälle enthaltende Positionen, mit einem jeweils eigenem AVV - Code ) :

" Glasabfall in kleinen Teilchen und Glasstaub, die Schwermetalle enthalten, ( z.B. aus Elektronenstrahlröhren ) , maximale Lagermenge 25 Tonnen, Lagerart/Lagerort Freigelände "

Man stelle sich vor: 25 Tonnen Glasstaub aus geschredderten Elektronenstrahlröhren ausgedienter Fernsehgeräte auf einem Hof, der Wind und Wetter, Schnee und Hagel ausgesetzt ist. Elektronenstrahlröhren enthalten in der Regel Bleioxid, bestimmte Gläser sind strontium - und bariumhaltig, wasserlösliche Bariumverbindungen sind giftig.

Mit der Entscheidung einer kleinen touristischen Gemeinde über die Einleitung von giftigem Oberflächenwasser in die Ringkanalisation des Chiemsees, vollkommen unerfahren mit Gefahrstoffen und deren Auswirkung auf die Umwelt,  hat die Landesregierung nicht zu tun. Aha. Interessant. Na ja, Odel darf man ja auch auf die Felder rund um den See aufbringen und das dürfen die Gemeinden ja auch in Eigenregie.

Nachzutragen wäre, dass Dr. Marcel Huber eine steile Karriere gemacht hat als Leiter der Staatskanzlei und dann, witzigerweise, als bayerischer Umweltminister. Er hat - weil zu eng mit Stoiber und Seehofer verbandelt - unter Söder sein Amt aufgeben müsssen.

Wie dem auch sei, er hat sich auf Dauer verewigt und nachhaltig für die Region Chieming/ Egerer verdient gemacht und dazu beigetragen, dass dort täglich mit mehreren hundert LKW - Bewegungen Müll durch die Gegend gekarrt werden.  Besagtes Unternehmen wurde an Remondis verkauft, das nach eigenen Angaben größte Recyclingunternehmen, europaweit tätig,  mit Milliardenumsätzen. Egerer entwickelt sich seitdem kontinuierlich weiter und ist offensichtlich zu einem  bedeutenden Zentrum der südbayerischen Müllindustrie geworden.

Leute, sprich Marcel Huber, gehen. Der Müll bleibt.

Ich habe aufgegeben bzw. müsste meinen Lebensabend damit verbringen, einem Großkonzern mit einer schlagkräftigen eigenen Truppe entgegenzutreten ( siehe oben, Stichwort " Demo"  ).  Mit mäßiger Erfolgsaussicht, da ja bereits alle Genehmigungen erteilt wurden. So wird tagtäglich ein landschaftliches Kleinod aus allen benachbarten Landkreisen und darüber hinaus zugemüllt.

Müßig die Frage, wie es dazu kommen konnte und so weitergeht.

Halt! Ich habe vergessen: bei der Ortsbesichtigung des Petitionsausschusses hat der Leiter der Recyclinganlage dem Leiter des Petitionsausschusses, Dr. Marcel Huber,  zugeraunt: " Übrigens hat Dr. Bauer ein Buch geschrieben, das keiner versteht ". Will heißen: er hat es nicht verstanden - oder wollte es nicht verstehen. Nicht ohne Grund, wie ich meine. Galt dieser Mann in seinem Umfeld doch als besonders rücksichtslos gegenüber Mensch und Umwelt. Vor allem dann, wenn es darum ging, seine eigenen Interessen zu verfolgen.

Was lernen wir: der Einzelne ist eingebunden in ein etabliertes Stärkere - Schwächere - System, das eine ganz außerordentliche, manifeste, sich fast wie zäher Schleim verhaltene, eigene Gesetzmäßigkeiten verfolgende, durch besondere Umstände geprägte Struktur mit einer außerordentlichen Festigkeit und Selbsterhaltungstendenz besitzt. Wer in der Schule oder beim Studium aufgepasst hat, weiß, dass es sogenannte Pseudopodien gibt, die sich nur aufgrund ihrer Masse fortbewegen und dabei mittels ihrer relativen Größe alles in sich aufnehmen und verdauen, was ihnen in den Weg kommt. Sie haben keine Füße, deswegen " Pseudopodien ". Sie verlagern ihr Gewicht und machen alles platt.

Nun sind wir keine Viren, Bakterien, Einzeller oder sonstige niedrige Organismen, sondern höher entwickelte Wesen. Wir haben uns Werkzeuge und Fertigkeiten  zu eigen gemacht, die uns im Alltag helfen, z.B. Handys, und haben eine äußerst differenzierte Sozialstruktur. Dennoch unterliegen auch wir dem einfachen, von mir bereits in " Unter Primitiven I "  erwähnten Lebensprinzip: Fressen oder Gefressenwerden. Natürlich nicht in Form dieser brutal einfachen Formel sondern differenzierter, mehr sophisticated, humaner, kultivierter, dem Anspruch eines höheren Wesens entsprechend, von den Göttern abgeleitet, als Sohn oder Schwester Gottes auf Erden. Zum Teil verdängen wir auch unsere schlichte Herkunft und die daraus  abgeleiteten Vitalbedürfnisse wie z. B. die Sexualität: wir richten etwa das Zölibat ein als Zeichen unserer Abgehobenheit von den Primitivbedürfnissen der Unterwelt. Mit der gelegentlichen Begleiterscheinung des Vergreifens an jungen Knaben oder sonstiger Verfehlungen. Sogar Nonnen sollen dabei sein, hat der Papst dieser Tage eingeräumt.

Ich bin im Zusammenhang mit der Bürgeraktion kurzfristig bei den Grünen eingetreten, in der Hoffnung, Unterstützung zu bekommen. Was auch durchaus  der Fall war. Sogar von Frau Barbara Rütting persönlich, damals Landtagsabgeordnete. Dass dies im Zusammenhang mit der Petition belanglos war, habe ich dargelegt. Was ich aber schnell merkte: diese Partei unterschied sich nicht von Parteien jeglicher Couleur auf diesem Planeten und das liegt offensichtlich an dem Parteisystem als solchem, ist also systemimmanent: ein Pseudopodium mit Selbsterhaltungstendenz und einer subtil machtbasierten Mitgliederstruktur und einer dirigistischen Steuerungszentrale, also gleichsam das " Gehirn " dieses Pseudopodiums. Der ganze Apparat mitgliederaufsaugend, vereinnahmend. Natürlich hätte ich jetzt das machen können, was alle machen, die nach oben wollen: strampeln, mich in den Vordergrund spielen, Ellenbogen nutzen, gezielt Informationen zuspielen oder auch nicht, schmeicheln, dem einen oder anderen ein Bein stellen, Überlebenswillen unter Beweis stellen, nein, mich ganz nach oben spülen lassen und dort - irgendwann - die Geschicke dieses Organismus entscheidend mit beeinflussen. Wollte ich das?

Die Schmiede der Macht

 

Nein, ich hatte etwas gegen Gift am Chiemsee, meiner Heimat. Ich wollte aber nicht als Grüner BEDEUTEND WERDEN.

Was ist das Problem mit Parteien oder anderen großen Organisationen? Sie entwickeln eine Eigendynamik, die von beeinflussenden Akteuren ausgeht, die eine maßgebliche Position erreicht haben. Je größer sie sind, desto bedeutender die Positionen. Eine große Organisation muss sich natürlich gegenüber anderen großen Organisationen behaupten, abgrenzen, sollte nach Möglichkeit noch größer werden. Oder haben Sie schon mal eine Organisation gesehen, die freiwillig geschrumpft ist, sich selbst abgeschafft, aufgelöst, ohne jede Not von außen? Die vielleicht festgestellt hat, daß sie niemand braucht? Oder das Produkt, das sie herstellt?. Nein, die Märkte entscheiden über das Überleben. Organisationen wollen immer höher hinaus.

Jetzt sucht sich jede Organisation die bedeutenden Persönlichkeiten, die ihren Zwecken besonders dienlich sind. Diese können völlig verschiedener Couleur sein: Experten, , Draufgänger, Smarte ( Middelhoff ) , Schöne, Brutale, Rücksichtslose, Verbindliche, Öffentlichkeitswirksame, Spalter, Zusammenführer, Aussitzer ( Merkel ), Egoisten, Altruisten, Zwangsneurotiker. Allen gemeinsam ist, dass sie eine Aura um sich bilden, die von ihrer Umgebung bedient wird. Und die eigenen Bedeutung unterstreicht.

Langsam heben Sie als führende, herausragende Persönlichkeit dieser Organisation ab. Weil Sie etwas Besonderes sind, etwas Außergewöhnliches. Sie heben ab mit ihrem Lifestyle, mit Ihren Anforderungen an sich selbst und andere. Sie selbst merken das nicht, da Sie zunehmend in Ihren Auffassungen und Ihrem Verhalten bestätigt werden. Selbst beißender Kritik, etwa durch nicht kontrollierte Medien, wissen Sie zu begegnen, da Sie es ja mittlerweile in hunderten von Auftritten, Veranstaltungen, Diskussionsrunden, Talkshows, Interviews gelernt haben, Angriffe zu parieren oder diesen geschickt auszuweichen: nicht oder nur bedingt auf die Fragen einzugehen, leierkastenmäßig die eigene Sichtweise oder die Auffassung Ihrer Partei herunterbetend. Das haben Sie in zahlreichen Trainings  für Fernsehauftritte und von einem Heer von Beratern oder Telepromptern gelernt. Denn ganz doof sind Sie ja auch nicht.

Und eines Tages sind Sie ganz oben, der rote Teppich wird ausgerollt, jedes Wort wird Ihnen von den Lippen abgelesen. Sie verkörpern die Organisation nach außen und nach innen. Und schon haben wir eine Situation, wie sie seit Anbeginn der Menschheit existiert: wir haben ein Oberhaupt, einen Guru, König, Kaiser ..... ein Leitbild für die ganze Menschheit.

Dabei wird leicht übersehen, dass dieser Mechanismus der Primitivkultur entlehnt ist und Sie nichts mehr sind als jeder andere auf dieser Welt. Denn auch Sie unterliegen - wie ein jeder von uns, Irrtümern, Selbstüberschätzungen, machen Fehler, beurteilen eine bestimmte Situation völlig falsch, sind von frühkindlichen Eindrücken geprägt, erleben Zuwendung und Zurückweisung, haben gelegentlich  gieriges Verlangen nach Essen, Trinken oder anderen ebenso elementaren Vitalbedürfnissen. Die Geschichte der Menschheit lehrt, daß es auch bei sehr bedeutenden Persönlichkeiten so ziemlich alles gibt, was Sie sich vorstellen können: der eine setzt sich selbst die Krone auf, der andere ist von Wahnsinn befallen und wird mühsam von der Öffentlichkeit ferngehalten, ersäuft sich, ist noch ein Kind und würde lieber mit Puppen spielen.

Wir haben leider eine verhängnisvolle Neigung, selbst absehbaren Psychopaten Entscheidungsbefugnisse zuzubilligen, die für die ganze Menschheit relevant sein können, z. B. die Entscheidung über Krieg und Frieden. Als hätten wir nichts gelernt. Kann es denn wirklich sein, dass wir es Einzelpersonen wie Du und Ich erlauben, sich mit ihrer möglicherweise kruden, paranoiden, größenwahnsinnigen, schizoiden, ideologisch verbrämten Sichtweise in einer die Geschicke der Menschheit entscheidenden Art und Weise einzubringen? Lügner, Heuchler,  Kriminelle? Was rechtfertigt diese übermenschlichen Befugnisse?

Es sind zweifelsohne bestimmte Interessenkreise, die diese Person als Inkarnation ihrer Interessenvertretung auf den Thron heben und vielleicht irgendwann die Kontrolle verlieren.

Es lebe der Kaiser !

Dabei kann es sich um Institutionen jeglicher Art handeln, Parteien, Gruppierungen,. Glaubensrichtungen, Unternehmungen, Verbände und sogar ganze Völker. Was daraus entstehen kann, haben wir Deutsche ja gerade hinter uns gelassen. Wobei wir es tunlich unterlassen, die wahren Gründe dieser Entwicklung aufzuarbeiten: den Umgang mit der Primitivperson in uns selbst und bei unseren führenden Repräsentanten. Und wir beschäftigen uns auch nicht mit dem, was entscheidend dazu beigetragen hat. Der Manipulation.

Wie hat es dazu kommen können?

Dazu gehören eigentlich nur zwei: einer, der sich manipulieren lässt und einer, der manipuliert. Die Möglichkeiten der Massenpropaganda mit Rundfunk, Film und Berichterstattung in Bild und Ton hat es erst ermöglicht, mengenmäßig unbegrenzt Einfluss zu nehmen. Wer dieses Instrumentarium geschickt zu bedienen weiß, hat alle Möglichkeiten der Welt, auf sein Volk einzuwirken. Was gab es vorher? Marktschreier, Trommler, in Büchern und auf Flugblättern Gedrucktes, Reden vor dem versammelten Volk - wobei bereits in einer Entfernung von 20 Metern nichts mehr zu verstehen war. Man war auf seinen Vordermann angewiesen: " Was hat der da vorne gesagt? ".  Bei dem im Mittelalter üblichen Lärm und Getöse, dem Geschrei, den Tumulten und Rempeleien hat man sogar oft in der ersten Reihe nichts verstanden. Megaphon? Fehlanzeige. Nur die Kirche wusste sich geschickt über die Jahrhunderte durch die Verbreitung von überdachten Versammlungsräumen eines wirksamen Instrumentariums zu bedienen. Hohe Türme, um auf sich aufmerksam zu machen, Glocken, um zur Andacht zu rufen. So wie alle anderen Religionen auch. Damals waren die Kirchen noch voll und niemand lümmelte vor dem Fernseher herum, trank Bier und knabberte Chips. Einer sprach und die anderen hörten zu. Sprach sogar lateinisch, keiner verstand und hörte trotzdem zu. Bilder an den Wänden gab es schon, aber sie bewegten sich nicht.

Nein, die Faszination kam im 20. Jahrhundert mit der Verbreitung neuer Medien auf und es konnten dem Volk die Botschaften vermittelt werden, die es brauchte, um selbst einem durch und durch verbrecherischen Regime aufzusitzen.

Dem Volk selbst ist eigentlich kein großer Vorwurf zu machen. Alles war neu, die Zeiten schlecht, die Wunden tief, das Nationalethos allgegenwärtig. Versprechungen wurden laut herausposaunt, die die Seele des Volkes trafen. Dies gepaart mit dem fast unstillbaren Bedürfnis nach einer - sagen wir mal - charismatischen Bezugsperson, die das Volk ins gelobte Land führt. Instrumentalisiert von einem Kunstmaler, Pathologen und Größenwahnsinnigen, hat eines der größten Verbrechen der bisherigen Weltgeschichte hervorgerufen: Krieg, Verderbnis, Untergang, Tod und Leid, Vernichtung, Elend. Erfolgreich wurde an den Stolz des ( gedemütigten ) Deutschen Volkes appelliert, wurden die tiefsten Schubladen menschlicher Existenz bedient: Größe, Macht, Vertrauen, Liebe, Kraft, Angst vor Bedrohung, Furcht, Aggressivität, Mordlust.

Leider führte dies sogar zu Entwicklungen, die die dunkelsten Seiten unserer Un - Menschlichkeit besonders zu Tage treten ließ. Das Ausmaß der moralischen Verfehlungen unserer Rasse war unvorstellbar. Biedere Familienväter, Studenten der Theologie, einfache Handwerksburschen wurden zu brutalen, gewissenlosen Mördern im Blutrausch. Gegenüber dem ersten Weltkrieg, in dem sich diese finsterste Seite unserer menschlichen Existenz bereits ausgiebig ausgetobt hatte, kamen Massenvernichtungswaffen hinzu, die das massenhafte Töten sogar Unschuldiger erlaubte. Das Inferno des millionenfachen Mordes. Alleine die Tatsache, dass Städte bombardiert wurden, lässt einem die Haare zu Berge stehen. Wir waren da nicht allein. Auch andere Völker haben dies als probates Mittel angesehen und sich nicht weniger schlimmer Kriegsverbrechen schuldig gemacht. Das Ausmaß der Abscheulichkeiten kannte auf beiden Seiten keine Grenzen. Bedauerlicherweise ist die führende Nation auf unserem blauen Planeten bis heute noch nicht in der Lage, sich für den Abwurf der Atombomben, bei denen hunderttausende Menschen grauenhaft ums Leben kamen, auch nur zu entschuldigen. Was das Mindeste wäre. Wenn es nach mir ginge, kämen die Vereinigten Staaten von Amerika vor ein Welt - Kriegsgericht, auch heute noch.  Aber nach mir geht es nicht. Offensichtlich betrachten die USA diese Art der Konfliktlösung immer noch als durchaus probates Mittel.

Die jüngsten Aufkündigungen des gegenseitigen Verzichts auf Atomwaffen mit kürzerer Reichweite sprechen eine eindeutige Sprache.

Zutiefst beunruhigend ist der Umstand, dass - auch ohne die Atombombe - die kriegerische Auseinandersetzung bis heute  als geeignetes, allseits anerkanntes, Mittel der Problemlösung angesehen wird - sogar in unserer Republik, gebilligt vom Deutschen Bundestag -  - und Kollateralschäden in der Zivilbevölkerung billigend in Kauf genommen werden. Das dabei verursachte Elend ist - ohne dass wir davon Kenntnis erlangen - immens. Die zeitgemäßen Möglichkeiten der Manipulation erlauben es, diese Ungeheuerlichkeiten unter den Teppich zu kehren oder zumindest in einer für die empfindliche Seele der zivilisierten Bevölkerung erträglichen Form zu übermitteln. Wenn man sich nämlich einig ist, nichts über die gemeinsam begangenen Schandtaten verlauten zu lassen, Stillschweigen vereinbart, kann man den Mantel des Schweigens und Vergessens über die Toten legen und den Job als erledigt ansehen. Zumindest bis es an einer anderen Stelle erneut unter dem Teppich brennt und man wieder ( leider )  gezwungen ist, diesen Brandherd zu bekämpfen bzw. auszumerzen - bis es wieder brennt und so weiter. Denn eines ist klar: es kokelt überall.

Schon Bush hat den endgültigen Sieg gegen die Ungläubigen ( nicht an unseren Gott glaubenden ), der Achse des Bösen zugehörigen, zu den Waffen greifenden, US - Soldaten massakrierenden Bartträger als beendet erklärt, zumindest was den Irak angeht. Auch Trump - zehn Jahre später - lässt sich nicht lumpen: der IS ist besiegt/ wird es in naher Zukunft sein. Man kann - nach getaner Arbeit -  seine Truppen abziehen.

Wie heißt es in den Nachrichten dieser Tage:

" Die kurdisch-arabischen Demokratischen Kräfte Syriens (DKS) hat mit der Befreiung von Baghouz von der Terrormiliz Daesh (IS/Islamischer Staat) begonnen. Baghouz ist die letzte syrische Siedlung, die von Daesh noch besetzt gehalten wird "

Alles klar. Kennen wir aus dem Irak. Dort waren es die " regulären irakischen Truppen ", die die letzte IS - Hochburg erobert haben. Schlecht kann einem werden, in dem einen wie dem anderen Fall. Nicht nur wegen des Begriffs " kurdisch-arabische Demokratische Kräfte Syriens " . Demokratie in Arabien? Wer kommt denn auf die Idee? Kurden und Araber - vertragen sich die? Wollen die Türken nicht die Kurden ausrotten? Was sagt Assad zur DKS? Und die irakischen Truppen: haben sie eine ausreichende Legitimation? Laufen die nicht weg? Das einzige, was klar ist, das sind die Bilder: siegreiche, Gewehre tragende, vor Freude in die Luft schießende Gestalten, begleitet von Panzern mit hohen Fahnenmasten, die den Sieg in eine Ruinenstadt tragen. Busse, die die Zivilbevölkerung geordnet in Sicherheit bringen. Nett anzusehende Flüchtlingskinder und Frauen, die endlich dem IS - Terror entkommen können. Was außerdem klar ist: in beiden Fällen sind maßgeblich die Amerikaner beteiligt, die die Drecksarbeit gemacht haben. Sie haben mit ihren Bombardements dazu beigetragen, dass die IS - Kämfer wie ein unter Trommelfeuer stehender Hase die Stadt verlassen oder ihr Grab unter den Trümmern gefunden haben. Bedauerlicherweise zusammen mit einigen Zivilisten. Erst die nahezu vollständige Zerstörung der Infrastruktur ermöglichte den Einmarsch und ermöglicht den " Endsieg ".  Lässt sich ja alles wieder locker aufbauen. Geeignete Unternehmen wird es schon geben und Mittel zum Wiederaufbau sind bereits bereitgestellt.

Lieber Leser, zumindest im Irak haben wir in unserem eifrigen Bestreben, auch nur den letzten IS - Angehörigen zu eliminieren, den Amerikanern erhebliche Schützenhilfe geleistet. Und tun das auch heute noch, jetzt, in diesem Moment. Wir haben die Zielkoordinaten geliefert, die jeden Verdächtigen der gezielten Tötung zuführen können. Und tun das auch heute noch, jetzt, in diesem Moment. Ohne Anhörung, Verteidigungsmöglichkeit, ohne ordentliches Gerichtsverfahren, ohne jedes Recht, ohnmächtig und wehrlos. Und wir haben mit unseren hochauflösenden Kameras wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet, um es den Drohnen und Bombern zu ermöglichen, mit chirurgischer Präzision zu treffen: na ja, so schonend wie möglich. Also in dem Dorf XY den Schlupfwinkel eines IS - Kämfers zerstören, dummerweise in unmittelbarer Nähe einer Schule, eines Marktplatzes, Hospitals. Und tun das auch heute noch, jetzt, in diesem Moment. Und wir treffen dabei Frauen, Kinder, Zivilisten. Und tun das auch heute noch, jetzt, in diesem Moment

Dazu eine Selbstdarstellung der Bundeswehr:

https://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/start/aktuelles/aus_dem_einsatz/!ut/p/z1/hY

Ich darf zitieren:

" Auf jedem der durch stundenlange Auswertung entstehenden Produkte markieren die Auswerter stets auch erkennbare, schützenswerte Einrichtungen, wie etwa Krankenhäuser, Moscheen, Schulen. Doch wie sind beispielsweise letztere zu erkennen? „Oft sieht man neben einem großen Gebäude einen Sportplatz oder ein Basketballfeld. Und es gibt – je nach Tageszeit – auch Aktivitäten rundherum. Manchmal ist da aber auch nichts von alledem. Dann wird es schwierig“".

Mir wird schlecht.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich billige keineswegs, auch nicht im Geringsten die Geisteshaltung des sogenannten Islamischen Staates, des radikalen Islams überhaupt und verachte Terror jeglicher Art. Insofern gibt es nichts zu beschönigen oder zu verharmlosen. Selbstverständlich muss man sich auch verteidigen können und im Zweifel auch zu einer geeigneten Gegenmaßnahme, im Extremfall, wenn Leib und Leben bedroht sind, selbst zur Waffe greifen.  Unter zivilisierten Menschen jedoch sollte man erst die Verhältnismäßigkeit der Mittel  abwägen und die Menschenrechte achten. Dazu gehört auch, dass man zunächst einmal versucht,  zu verstehen und die Beweggründe zu begreifen, selbst wenn diese noch so wenig nachzuvollziehen sind. Und es gehört dazu, dass man sich darüber im Klaren darüber ist, dass Hass Hass erzeugt, die Spirale der Gewalt bedient wird, die in der Regel nur Verlierer kennt. Im Extremfall muss man die Andersartigkeit auch als gegeben hinnehmen. Möglicherweise ist ja sogar die eigene Sicht - oder Handlungsweise infrage zu stellen. Idealerweise ist man ein Vorbild, dem nachzueifern geradezu ein Bedürfnis ist. Außerdem gehört der Respekt gegenüber der territorialen Souveränität eines autonomen Staates hinzu und, so schwer es auch fällt, die nationalen Gegebenheiten, Sitten und Gebräuche, Riten und Rituale zumindest zur Kenntnis zu nehmen. Wenn es nach dem missionarischen Eifer geht, gibt es auf diesem Elendsquartier Erde noch einiges zu tun. Späte Erkenntnis hat ja auch dazu geführt, dass man sich jetzt in Afghanistan mit den Taliban an einen Tisch setzt. Nachdem man begriffen hat, dass man sie nicht besiegen kann und zusehen musste, dass sie trotz massiver militärischer Intervention die Hälfte des Landes für sich gewinnen konnten.

Ich bin kein Experte der Weltpolitik und möchte es auch nicht werden. Nur eines ist klar: so lange wir uns nur universitär und mit bescheidenen Mitteln mit der Friedensforschung beschäftigen ( wie hoch schätzen Sie das Budget für Frieden? ), uns nicht weltweit zu Frieden bekennen und diesen mit friedlichen Mitteln durchsetzen, werden die Militärausgaben ( wie hoch schätzen Sie das Budget für Krieg? ) jeden Sinn eines humanitären Miteinanders überschreiten. Es ist aberwitzig, dass eine hochentwickelte Spezies wie der Mensch derartige Unsummen für Rüstungsgüter ausgibt, während ein Großteil der Weltbevölkerung im Dreck dahinvegetiert und hungert. Erklärlich ist dies nur mit dem Primat des Primitiven, das die Mächtigen immer mächtiger werden lässt und die Reichen reicher. Erklärlich ist dies nur mit einer erfolgreichen Lobbyarbeit der Rüstungsindustrie und einem Präsidenten, der öffentlich nach einem Massaker in einer Schule fordert, die Lehrer zu bewaffnen und keinen Zweifel daran lässt, dass der Waffenbesitz ein unantastbares Kulturgut ist. Unvorstellbar der Umstand, dass eine Nation, die den Führungsanspruch auf dieser Welt besitzt und in vielen Bereichen wirklich führend ist, moralisch derart am Boden liegt. Sie hat kein Leitbild zu bieten außer Mc Donald`s, Burger King, Coca Cola, Amazon, facebook. Leider unwiderstehlich für die Weltbevölkerung. Es gibt in den USA mehr Waffen als Bewohner. Damit ist jeder Amerikaner bewaffnet. Ich nicht, Sie nicht, die Deutschen in der Regel nicht und auch nicht die Europäer. Die Chinesen nicht, die Inder nicht, die Russen vielleicht. Wovor fürchten sich die Amis? Vor sich selbst? Würde man erst mal annehmen. Was wollen sie verteidigen? Wer greift sie an?

Selbstschutz bei Eigennutz

Ach ja: die Mauer!

Mauer um das Land. Mauer im Kopf. Man will die anderen nicht reinlassen, seinen Staus quo nicht verlieren, andere nicht partizipieren lassen, ausgrenzen, die Elite schützen, andere nicht am Wohlstand teilhaben lassen. Und nur dann etwas geben, wenn der andere einem etwas gibt. Einen Deal machen, Gegengeschäfte. Frage nur: was haben die Armen der Welt zu bieten? Nichts außer ihrer nackten Existenz und ihrer Arbeitskraft. Die möchte man schon gerne haben, aber doch bitte möglichst umsonst oder sehr preiswert. Hatten wir das nicht auch schon mal? Mit den Sklavenschiffen, auf deren stinkenden Unterdecks bei der Überfahrt über den Atlantik die Hälfte der verlorenen Seelen verreckt ist?  Aber das waren ja nur Schwarze. Oder haben wir das nicht auch heute noch? Wir legen den Flüchtlingen bei der Rettung aus Seenot mediengerecht wärmende Decken über - vorausgesetzt sie sind nicht vorher bereits in den kalten Fluten ertrunken. Einige schaffen es - Anreiz genug für die Daheimgebliebenen, es auch zu versuchen. Selbst wenn die Chance 50:50 ist. Wie damals. Nur dass im Fall der Sklaven Sklavenhändler im Spiel waren, heute sind es Schlepper. Und die Handybotschaften aus dem Schlaraffenland, das die ewige Verheißung aus der Konsumwelt verspricht.

Mauern sind ein Überbleibsel der Vergangenheit, vehement gefordert von einem der führenden Vertreter des humanen Primatentums. Meint er wirklich, sich in der heutigen Welt mit einer Maßnahme, die in China nur noch touristisch zu bestaunen ist, seit Jahrtausenden nicht mehr gebraucht, in Deutschland abgeschafft, auf Dauer vor den Ansprüchen des Rests dieser Welt schützen zu können?

Auch die, die nichts haben, werden immer wieder anklopfen an die Türe des reichen Herrn und werden um einen Brosamen bitten. Sie werden von den güldenen Tellerchen essen, in den warmen Bettchen schlafen und sich auch eine schöne Frau kaufen wollen.

Mauern um das Land. Mauer im Kopf. Also ehrlich gesagt, ich weiß nicht, was mir lieber ist. Wahrscheinlich sogar die echte Mauer, aus Stein, Beton, Stahl, Stacheldraht. Besitzt sie doch den großen Vorteil, dass man sie sehen kann - Mahnmal der Beschränktheit sozusagen  -  des Ungleichgewichts, der offensichtlichen Ausgrenzung, der Dummheit. Anders die subtilen Mauern. Dazu gehört die Mauer des Schweigens oder des Vorwurfs ( jetzt bist Du aber zu weit gegangen ! ), der Ideologien und kulturellen Wurzeln. Mauern zwischen Mann und Frau, reich und arm, gläubig gegenüber ungläubig, sexuell freizügig gegenüber verklemmt, Meinung tolerierend, Meinung unterdrückend. Bilder des diesjährigen Volkskongresses in China machen - wie in jedem Jahr - die Dimension der mentalen, ideologischen, psychologischen Unterschiede deutlich: es sind inszenierte Massenbewegungen, die insbesondere die eigene Überlegenheit zum Inhalt haben - untermalt mit einer regelmäßigen Erhöhung der Rüstungsausgaben. Man will seinen Claim sichern - wem gegenüber auch immer - und seine Lebensauffassung ( der Partei, des Staates, der religiösen Vertreter ) plakativ in Szene setzen. Da ist es völlig egal, ob es sich um eine bierselige Alpenrepublik, einen durchgeknallten Despoten oder eine Weltmacht handelt: die Meschanismen sind identisch: es sind primitiv motivierte Zurschaustellungen von Macht und Anspruch.

Solange dies so bleibt, wird sich prinzipiell nichts ändern.

Bei aller Komplexität im Detail sind es doch offensichtlich wenige Faktoren, die einen alles beherrschenden Einfluss haben: Macht, Wirtschaft, fundamentale Lebensauffassungen ( ohne Anspruch auf Vollständigkeit ). Letztere beherrscht durch : Ideolgien, religiöse Orientierung und - damit vergesellschaftet - Umgang mit der Sexualität, Rolle der Frau. Man sollte meinen, Meinungsfreiheit gehört auch dazu , aber Meinungsfreiheit ist auch in den Ländern, in denen die Meinungsfreiheit herrscht, massivem Einfluss medialer Manipulation ausgesetzt. Ja, es gibt die Meinungsfreiheit, nur: dieser Meinung muss auch Gehör verschafft werden, sonst geht sie unter. Und das kostet, siehe " Wirtschaft ". Gleiches gilt für unsere hochgelobte Demokratie. Wenn ich so richtig darüber nachdenke, geht es eigentlich nur um eines: Macht.

China gefällt sich in seiner Ein - Parteien - Ideologie, die den Machterhalt sicherstellt, gestützt durch die Wirtschaft. Muslimische Staaten unterliegen muslimischem Einfluss. Wir sind christlich - kapitalistisch geprägt, ahem........kapitalistisch.

Es sind nur allzu menschliche Faktoren, die maßgeblich das Weltgeschehen beeinflussen und beeinflusst haben: die Gier nach Gold, die ganze Kulturen ausgelöscht, die Gier nach Land, die Ureinwohner ausgerottet oder zu Alkoholikern gemacht hat, die Gier nach Selbst - und Fremderhöhung, Macht, Einfluss, Unterdrückung der Frau als Mittel der ( scheinbaren ) Überlegenheit und Besitzstandswahrung.  Selbstverständlich hat dies einen stammesgeschichtlich weit zurück liegenden Ursprung, der auch durchaus Sinn gemacht hat: man musste sein Revier verteidigen, sich vor Feinden und bösen Geistern schützen, seine Familie zusammenhalten, eine effiziente Aufgabenverteilung innerhalb der Familie/ Sippe vornehmen. Männer waren kräftiger und wagemutiger. Frauen haben die Kinder bekommen und in der Regel aufgezogen.

Aber - mit Verlaub - da hat sich doch manches geändert.

Und die Zeiten, in denen man sich einfach eine Kolonie unter den Nagel gerissen hat, sind auch vorbei. Scheinbar. Heute geht das subtiler: Einflussnahme auf die Führungselite an sich autonomer Staaten, mehr oder weniger direkte Einmischung in die politischen und vor allem wirtschaftlichen inneren Angelegenheiten, Wirtschaftssanktionen, wenn nötig militärische Intervention, militärische Stützpunkte, gezielte Militäraktionen inklusive Drohneneinsatz und gezielter Tötung missliebiger Personen. Man mag zu Venezuela stehen wie man will, die jüngste Ausweisung des deutschen Botschafters scheint mir nachvollziehbar. Haben wir uns doch in vorauseilendem Gehorsam der USA dazu hinreißen lassen, einen Oppositionsführer als rechtmässigen Interimspräsidenten anzuerkenen, der noch nicht einmal gewählt ist. Man sollte meinen, die Souveränität eines Staates sei erst einmal zu respektieren, wer immer dort auf dem Thron hockt. Es wäre schön, wenn wir der Weltbevölkerung ein glaubwürdiges Signal vermitteln könnten, wie echte Demokratie funktioniert.

world of fake

 

Seit Einführung des Internets gibt es einen gänzlich neuartigen, regierungsübergreifenden, interkulturellen, globalen Kriegsschauplatz: die Vorherrschaft im Datenverkehr. Sehen wir das doch nüchtern: private Firmen wie Google, Facebook, Apple, Amazon, Microsoft sind mit ihrem Angebot die einzigen  weltweit vertretenen Organisationen, die unmittelbar mit ihren Nutzern fast täglich in Verbindung stehen. Facebook alleine hat 2 Milliarden akltive Nutzer. Damit hat es Facebook mit seinem Angebot geschafft, selbst in den hintersten Winkel dieser Erde vorzudringen. Die Macher von Facebook und Konsorten wissen mehr als irgendjemand auf dieser Welt über uns alle und mischen auch die bisher geltende Rechtslage komplett neu auf. Nicht nur, dass sie aufgrund des Fehlens irgendwelcher international gültiger Finanzierungsstandards schamlos Bilanzierungstricks anwenden konnten, das Urheberrecht ausgehebelt, geltende Rechte etwa bei der Peronenbeförderung oder der Vermietung von Wohnungen neu interpretiert, die geltende Trennung zwischen Werbung und Redaktion elegant verwischt haben, sie greifen auch massiv in die Verwendung und Nutzung der Daten ein. Sie sind die wirklichen Vorreiter in der Entwicklung künstlicher Intelligenz und arbeiten an Clustern für die Segmentierung der Weltbevölkerung. Die unendliche Speicherkapazität ermöglicht es, alle auch nur einigermaßen relevanten Parameter zu berücksichtigen und in Beziehung zu setzen. Die alten Typologen und Hirnforscher, die mit einem Zirkel den Schädel vermessen, messerscharf auf das Innere und den Charakter geschlossen haben, können getrost als fossile Relikte der Wissenschaft gelten.

Machen wir uns nichts vor: private Firmen, ihre Ableger, Nachfolger, sind die zukünftigen " Master of the Universe " . Es sei denn, sie werden von den bestehenden Regierungsorganisationen eingeholt. Was nicht danach aussieht - außer bei den Chinesen vielleicht und auch dann nicht auf Dauer...  Sicher haben Sie es mitbekommen: die erste private Raumkapsel " Crew Dragon " hat bei der ISS angedockt, und private Soldaten ersetzen die amerikanischen Truppen in Afghanistan. Und fast alle Regierungsstellen in Deutschland, Ämter, Parteien, Ministerien, sebst die Bundeswehr nutzen fleißig facebook, twitter, instagram etc.....

Hallo? Wir vertrauen unsere Kommunikation privaten Anbietern an, die vornehmlich in den USA sitzen. Wir unterwerfen uns einer Gesetzgebung, die ebenfalls außerhalb unseres Geltungsbereichs liegt. Wir akzeptieren bei jeder Installation von neuen Programmen Geschäftsbedingungen, ohne sie gelesen, geschweige denn in vollen Umfang verstanden zu haben. Wir anerkennen, dass die englische Version in ihrem ursprünglichen Wortlaut gilt und nicht in unserer Muttersprache.

Was findige und vor allem geldgierige  Juristen daraus in den USA machen, können Sie sich unschwer vorstellen. Immerhin: eine Reise nach Kalifornien zur Durchsetzung Ihrer Rechtsansprüche kann ja durchaus ihre netten Seiten haben. Soll ein tolles Land sein. Leider in den USA.  Fairerweise muss man auch sagen, dass sich die sozialen Netzwerke zunehmend an den Gedanken gewöhnen, dass es nationale Gesetze gibt. Aber das ist eher unsere Sichtweise.

Facebook arbeitet gerade mal wieder an dem Schutz der Privatsphäre und stellt neue Verschlüsselungstechnologien in Aussicht. Damit soll selbst facebook nicht mehr in der Lage sein, die Beiträge ihrer Nutzer in bestimmten Gruppen ( Familie ???!!! ) lesen zu können. Hört! Hört !

Witzigerweise kollidiert dies mit dem Auftrag der Politik an die Provider, missliebige Inhalte zu eliminieren. Da kann ich nur sagen: die schaffen das! Sie brauchen heute nämlich gar nicht mehr lesen und verstehen. Das macht die - neutrale - künstliche Intelligenz. Und die sorgt dann dafür, dass sich die Familienmitglieder nicht mehr unflätig beschimpfen können. Wenn bestimmte Parameter in der internen Familienkommunikation von dem  menschenbefreiten Content - Identifikationsprogramm als beleidigend ausgemacht werden - schwupps !!!!! - sind Sie draußen. Und Sie finden bei dem Provider niemanden, bei dem Sie sich beschweren und die Wiederhestellung Ihre accounts einklagen können. Kein Mensch an der Strippe, lediglich mailbox im Office, Sprachcomputer - totales Unverständnis. Keine Chance. Bleibt nur der Weg nach Kalifornien. Nehmen Sie genug Geld mit!

Verschlüsselungen, die von unserem Verfassungsschutz per Gesetz geknackt werden sollen, stehen plotzlich unter Naturschutz. Wenn das so einfach wäre! Jetzt müssen sich erst mal unsere Gesetzgeber mit Herrn Zuckerberg verständigen. Und der verweist auf seinen Auftrag zum Schutz der Privatspäre. Bis sich Donald Trump per Twitter einschaltet und verärgert postet, warum man ihn in dieser Frage nicht direkt angesprochen habe. Das sei Angelegenheit der USA, schließlich ginge es um die nationale Sicherheit.

Haben Sie das Gerangel um die Bewerbung von Huawei für das 5G - Netz mitbekommen? Zum Totlachen. Erst wollte man die Chinesen ausschließen mit der Begründung, die Software könne zu Spionagezwecken eingesetzt werden. Dann hat man sich der guten Beziehungen zu China besonnen ( beflügelt durch das dräuende Szenario einer schrumpfenden inländischen Automobilproduktion und die Tatsache, dass man in Sachen Elektromobilität mehrere Jahre in der Entwicklung verschlafen hat ). Jetzt darf Huawei als eine Art Subunternehmer mitbieten. Mit der Auflage allerdings, dass sie nichts Böses tun, die Programme offenlegen, nichts Verstecktes einbauen und sich einer jederzeitigen Kontrolle unserer oberen Aufsichtsbehörden unterwerfen. Haha. Wo leben wir eigentlich? Jeder mittelbegabte IT-ler wird Ihnen sagen, dass dies schlicht unmöglich ist. Die Pointe liegt allerdings darin, dass wir auch bei allen anderen Anbietern am Tropf der USA hängen und eben diese Problematik - das Ausspionieren - mehr oder weniger über Jahre und Jahrzehnte billigend in Kauf nehmen.

Wie lautet meine Kernaussage dazu :

superkomplex und äußerst primitiv!

Das haben wir mittlerweile gelernt bzw. erleben es hautnah: es gibt herausragende Persönlichkeiten mit elementaren menschlichen Defiziten, es gbt hochkomplizierte Prozesse mit sehr schlichten Ergebnissen, es gibt einen dunklen Kern in uns, der in einem bestimmten situativen Kontext herausbricht und alles Menschliche eliminiert, es gibt Entscheidungen wider jede Vernunft. Mittlerweile sitzen 3 engste Berater von Donald Trump in Haft: Paul Manafort, George Papadopoulos, Michael Cohen.

Was haben wir noch gelernt? Es ist in dem dargestellten Fall auch nicht die deutsche oder amerikanische Regierung,  es sind die global agierenden IT - Konzerne, die die Strippen in der Hand haben. Und es besteht überhaupt kein Zweifel, dass die Beherrschung der Zukunft mit der Beherrschung dieser Konzerne unmittelbar verzahnt ist. Möglicherweise überfordert diese Aufgabe auch eine ganze Nation, wahrscheinlich sogar die USA. Entgegen meiner Darstellung , Trump hätte per Twitter das Sagen. Und wir erfahren es doch bereits in unserem kleinen, überschaubaren Alltag: alles ist IT - basiert. Und damit von O und 1 dominiert.

Damit ist eigentlich schon alles über die künstliche Intelligenz gesagt.

Ich finde, Abschalten ist beispielsweise äußerst intelligent - intelligenter vielleicht als alle künstliche Intelligenz dieser Welt. Neustart - zurück auf Null. Die Frage verfolgen: was brauchen wir von diesem ganzen Müll überhaupt? Was handeln wir uns eigentlich ein an neuen Problemen, wenn wir so weitermachen? Die meisten Schwierigkeiten, mit denen wir uns herumschlagen, sind Probleme einer Lebenskultur, die frühkindlich von unserem bestehenden System an uns herangetragen werden. Im Klartext heißt dies, dass die bereits existierenden, menschengemachten, zum großen Teil äußerst misslichen Strukturen, einfach weitergegeben werden. Ohne darüber einen Gedanken zu verschwenden, diese in Frage zu stellen. Vornehmlich durch das Elternhaus, Freunde, Bekannte, Kita, Schule, Communities, neue Medien - und, nicht zu vergessen, die alten Medien. Sind sie nicht seit Jeher Lautsprecher des Mainstreams, weil von diesem finanziert? In erster Linie durch Werbeausgaben? Machen wir uns doch nichts vor: die Schreiberlinge irgendeines Verlages, einer Redaktion, eines Senders, eines Nachrichtendienstes sind wirtschaftlich abhängig. Und wer ist so dumm und beißt die Hand, die ihn füttert? Natürlich gibt es auch unabhänige Journalisten, keine Frage. Aber auch für sie stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Die wollen auch mal auf die Malediven in Urlaub fliegen und müssen das - wenn sie nicht gerade zufällig eine Reportage über ein neues Luxusresort machen, Flug und Unterkunft aus eigener Tasche bezahlen. Dumm auch, wenn das neue PKW - Modell, über das man berichten soll, einfach nichts taugt? Die Wahrheit sagen? Vielleicht finden sie dann eine Außenseiterrolle in einem Satiremagazin, einer Wohltätigkeitsorganisation oder sie schreiben für einen Comedian. Worüber wir aber hier sprechen, sind die Meinungs - Machtstrukturen, die unser Leben in den Grundfesten berühren.

Zurück auf Null

Bereits vor 10 Jahren, als ich " Unter Primitiven I " schrieb, habe ich mich über den LKW - Verkehr ausgelassen. Höchste Eisenbahn eigentlich, etwas zu unternehmen und diese - sprich die Eisenbahn - für den Güterverkehr attraktiver zu machen. Was ist zwischenzeitlich passiert? Klarer Fall: LKW - Verkehr weiter zunehmend, unübersehbare LKW - Kolonnen auf Autobahnen, Vergrößerungen, Erweiterungen der Fahrspuren, Flächenfraß  durch Schaffung  neuer Rastplätze, dort Vermüllung und Verwahrlosung, Umweltverschmutzung durch permanent laufende Motoren, frustrierte LKW - Fahrer. Logistikzentren wachsen wie Pilze aus dem Boden, Produktionsstätten werden an die Autobahn verlagert. LKWs zerstören Landstraßen und beeinträchtigen unberührte Landstriche, Dörfer, Ortsdurchfahrten. Die Bahn, der nahe liegende Problemlöser, schlägt sich mit sich selbst und seinen Verspätungen herum,  sucht neue Strukturen und ist nicht in der Lage, ein attraktives Angebot für den Güterverkehr auf den Tisch zu legen. Das wäre doch wirklich ein sinnvolle Aufgabe für Ronald Profalla gewesen. So wird lediglich das Defizit der Bahn durch einen neugeschaffenen Posten im Vorstand um einige Millionen vergrößert.

Wir haben uns daran gewöhnt ( auch an die heftig kritisierte Berufung von Rainer Profalla )  und nehmen das pauschale Versagen der Regierungsverantwortlichen wie Schlachtvieh hin, dem im nächsten Arbeitsschritt nach der Betäubung die Haut abgezogen wird. Was wollen wir auch machen?

Fragen wir so: wer sind die Profiteure dieses Missstandes? Bedauerlicherweise ist es  so, dass man an dieser verheerenden Situation trefflich verdienen kann - und unser Staat steht da mit seiner schwarzen Null ganz vorne in der ersten Reihe der Geldeintreiber. Maut ist eine tolle Sache, Benzinsteuer, Lizenzen, Abgaben jeglicher Art, Beiträge zur Sozialversicherung. Und - man sollte es nicht glauben - wenn der Staat beispielsweise zu klamm ist, um neue Autobahnen zu bauen, springen Privatinvestoren ein. Der " return on invest ", also der Verdienst dieser Firmen wird durch Mauteinnahmen garantiert. Dies setzt allerdings ein mindestens konstantes, wenn nicht sogar vertraglich abgesichertes, gesteigertes Verkehrsaufkommen von LKWs voraus. Was passiert, wenn dieses ausbleibt?  Konventionalstrafe! Wenn ich richtig informiert bin, hat der Vertrag über die Teilprivatisierung eines Autobahnabschnitts in Norddeutschland über 10.000 Seiten und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Und es gibt Vertragswerke der BRD, die selbst von den Regierungsvertretern nicht oder nur unter Auflagen gelesen werden dürfen. Kann ich verstehen bei militärischen Rüstungsgütern, beispielsweise bei der Gorch Fock ( kleiner Scherz ), nicht aber bei Vereinbarungen, die die Öffentlichkeit interessieren könnten. Habe ich die anderen Profiteure erwähnt? Die Automobilindustrie? Tank und Rast? Tankstellen? Logistikunternehmen? Zulieferfirmen? Abschleppunternehmen? Bergungsmannschaften? Rettungsdienste? Krankenhäuser? Toll Collect? Kommunen? Sanifair? Sorry, hatte ich ganz vergessen.

Stellen Sie sich jetzt einfach mal als Gedankenexperiment ein LKW - Verbot vor. Wer geht da auf die Barrikaden bzw. wird sofort in Berlin vorstellig? Zumindest wären wieder mindestens 40 - 50 Milliarden Euro Entschädigung fällig wie bei dem Verzicht auf die Verstromung der Braunkohle. Wenn`s reicht.

Was meinen Sie, was passiert, wenn man die Fragestellung der Bewältigung des Güterverkehrs in Deutschland einfach mal ins Silicon Valley wirft und sieht, was dabei herauskommt? Unter der Prämisse: keine LKWs mehr. Eine Antwort kann ich Ihnen schon jetzt sagen : autonomes Fahren. Keine schlechte Idee. Allerdings mit dem Schöneitsfehler, dass nach wie vor LKWs unterwegs sind. Denen fällt auch nichts mehr Neues ein

Zurück auf Null, meine Damen und Herren, lieber Leser, hieße: wirklich alles infrage stellen. Lebensgewohnheiten, Produktionsbedingungen, Tierhaltung, Landwirtschaft, Umgang mit Energie, unserem Grundwasser, und - nicht zu vergessen -  uns selbst. Denn wir sind es, die mit unendlichem Müll zugeschrottet werden und dies auch noch bereitwillig mit unserem sauer verdienten Geld bezahlen. Jeder Fetzen Plastik, jeder Sticker, jedes Plakat, jede aufwändige Warenpräsentation, jedes überflüssige Produkt, jeder unnötige Aktionsartikel, jedes Glitzerrädchen, vollgepackt mit Elektronik, das sich so schön im Dunklen dreht und in den Himmel steigt, um dort in einen gleißenden Kometenschweif überzugehen,  geht ausnahmslos auf unsere Kosten. Und für die Entsorgung dürfen Sie dann auch noch mal löhnen, weil auch dort die Hyänen auf Sie warten, um sich auf die Reste Ihres zweifelhaften Beschaffungsvorgangs zu stürzen.

Sie wollen eine Gurke für einen abendlichen Gurkensalat. Sie fahren am Supermarkt vorbei, schnell mal eine Gurke kaufen. Oha  - ziemlich voll. Sie kurven also erst mal auf dem Parkplatz herum, finden einen  Platz, holen einen Einkaufswagen, man weiß ja nie ..........................und ab geht es in den Supermarkt. Bei Aldi beispielsweise sind Obst und Gemüse ganz hinten. Jedenfalls bei uns. Sie stochen durch den Supermarkt, nehmen noch dies und das mit, was Sie so anlacht, schnappen sich Ihre Gurke  - eingeschweißt, wollen Sie eigentlich nicht  - fahren zur Kasse. Sie haben mehr gekauft als Sie wollten, greifen zu einer Einkaufstüte und legen sie auch noch auf das Band. Mit dem Einkaufswagen zum Auto? Zu weit und unbequem. Jetzt, wo man doch mehr gekauft hat. Ein paar Blümchen vielleicht noch, sehen nicht mehr so ganz frisch aus, aber ist ja auch bald Feierabend, kosten dafür fast nichts.

Jaja, ich weiß schon, was der Autor sagen will: zu viel gekauft, zu spontan, unüberlegt, die Gurke, die ich eigentlich kaufen wollte, kostet jetzt 39,50 Euro. Ha! Dafür habe ich aber auch ganz preiswertes Waschmittel aus dem Angebot, 3 Stretchhosen zum Preis von einer, zwei Geburtstagskarten, kann man immer brauchen, 3 Dosen Thunfisch, 500 Gramm Schnittkäsesortiment und eine bunte Rührschüssel. Die Blumen und den Einkaufsbeutel. Eigentlich wollte ich den Schnittkäse nicht mehr kaufen, weil sich die Sorten durch die Geschmacksübertragung kaum mehr voneinander unterscheiden, der Käse überhaupt ziemlich schlapp aussieht und wie alles unter Schutzatmosphäre verpackt ist - schätze mal irgendein Gas, das Bakterien abtötet oder zumindest in Schach hält. War aber ein schönes Bild mit einer Alpenlandschaft drauf und einer Sennerin, die sinngemäß sagt, dass der Käse mit Liebe hergestellt ist und direkt von der Alm kommt. Was ich sofort glaube.

Nein, was ich Ihnen wirklich sagen will, ist, dass Sie das Einschweißen der Gurke mit Ihrem Einkauf befürwortet haben. Sie sorgen mit dafür, dass Gurken weiter oder sogar zunehmend eingeschweißt werden, dass der Handel von dem Produzenten der Gurke verlangt, dass diese eingeschweißt und möglicherweise sogar eines Tages mit dem Logo der Handelsmarke bedruckt werden. Sie brauchen die Folie nicht, wollen sie auch nicht, müssen sie entfernen, getrennt entsorgen und den in diesem Bereich umtriebigen Hyänen überantworten: den Abfallbetrieben. Und wenn es ganz schief läuft, landet Ihre Folie direkt in der Umwelt und richtet dort sattsam bekannte Schäden an. Dabei haben Sie sich gegenüber manchem verleichbaren Produkt  sogar noch umweltbewusst verhalten. Denkbar ist, dass die Gurke bereits vorgeschnitten in einer Blisterverpackung im Regal liegt, mit einer Knickkante und dem passenden Dressing. Wie wäre es mit einer vierfachen Knickkante und verschiedenen Dressings zum Aussuchen?

Es sind marginale, nicht merkliche, an sich völlig unbedeutende, unreflektierte, alltägliche, nicht in unserem Bewusstsein vorhandene Mikroprozesse, die in ihrer Summierung gravierende Auswirkungen haben. Es ist die Minimierung eines Problems bis hin zur Bedeutungslosigkeit. Ähnlich wie die Schadstoffe, die wir nicht sehen, riechen oder schmecken können und die sich damit komplett unserer Wahrnehmung entziehen.

Wenn das Unwahrscheinliche passieren würde und niemand mehr eine eingeschweißte Gurke kaufen würde, wäre dieser Spuk schnell zu Ende.

Zurück auf Null könnte in unserem Beispiel heissen: nur die Gurke kaufen und sonst nichts. Auf die Gurke verzichten, weil der gesamte Umstand nicht lohnt. Keine eingeschweißte Gurke kaufen. Gurke früher kaufen, auf Zettel schreiben. Gurke auf dem Wochenmarkt kaufen. Statt Gurke Zucchini kaufen. Zurück auf Null hieße, die Dringlichkeit des spontan aufgetretenen Bedürfnisses: " Gurke kaufen " zu hinterfragen, sogar auf die Gefahr hin, dass dieses Bedürfnis aufgeschoben oder sogar aufgehoben wird.

Ich habe Ihnen schon länger kein Bild mehr gezeigt. Das möchte ich jetzt nachholen. Warum?

Wir leben in einer satten Wohlstandsgesellschaft, in einem prall gefüllten Schlaraffenland. Wir können uns fast alles kaufen, zu Preisen, die oft dem wahren Wert des Produkts Hohn sprechen. Ananas für einen Euro, ein Kilo Bananen für 88 Cent, 1 Kilo Rindfleisch für unter 10 Euro, Hähnchenschenkel nachgeschmissen. Einen Staubsauger für 29 Euro, ein Hemd für 5 Euro und so weiter. Trotzdem sind wir Weltmeister im Sparen, im Sparen an fairen Preisen, fairer Bezahlung. Es muss alles billig sein, unsere Handelsriesen kaufen auf den Weltmärkten zu sensationell niedrigen Preisen ein. Dabei verdienen sie noch prächtig. Wer sind also die Verlierer in diesem System? Die Länder, in denen die  Armut regiert, das Existenzminimum oft nicht erreicht wird, katastrophale hygienische Bedingungen herrschen, Ausbeutung und Korruption an der Tagesordnung sind, Umweltstandards nicht eingehalten werden.

Das Fatale für das zukünftige Aussehen unseres Planeten ist, dass  auch die Bevölkerung dieser ärmsten Länder Bedürfnisse hat wie wir ( will man es ihnen verdenken ? ), die aber nur zu einem äußerst bescheidenen Grad befriedigt werden können. Wenn man die Leute fragen würde, wo und wie sie leben wollen, würden sie ohne auch nur im Geringsten zu zögern auf die vollen Supermärkte, die Kaufhäuser und Shoppingcenter zeigen, die gepflegten Reihenhäuser und die blitzblanken, nagelneuen SUVs.

Hunderte von Millionen, mehrere Milliarden, auf unserem Globus haben einen ungeheuren Nachholbedarf, können sich fast nichts leisten und haben ein Problem ganz gewiss nicht: wohin mit den Abfällen? Verwertbares wird bis auf den letzten Rest der Wiederverwendung zugeführt,  nicht Verwertbares landet in der Regel in der Landschaft.

Europa hat schlappe 741,4 Millonen Einwohner, Indien, von dem dieses Bild stammt, 1,339 Milliarden.

Zurück zu Null ist für den Durchschnitts - Inder tägliche Übung. Weil er nichts oder nur sehr wenig hat.

Zyniker würden jetzt sagen, dass er als Inder ja besonders prädestiniert ist, sich einzuschränken, weil ihm schon seine Religion sagt, dass das Leben auf der Erde ohnehin nur eine Zwischenstufe und weiter nicht von Bedeutung ist. Tatsache ist, dass sich auch der Inder - trotz seiner religiösen Orientierung -  in nichts unterscheidet von  allen anderen Erdenbürgern. Vielleicht vom Aussehen ein wenig, aber gewiss nicht, was die grundlegende Bedürfnisstruktur betrifft. Er wird sich also bei seinen Beschaffungsvorgängen an dem täglichen Bedarf an westlichen Standards orientieren und Sie können Gift darauf nehmen, dass er dabei unserer Verpackungkultur, die unsere Supermärkte prägt, nicht entgehen wird.

Somit wird die Unsitte, Gurken, zwei Äpfel,einen kleinen Snack für zwischendurch, einzelne kleine Toblerone - Stückchen, einzeln einzuschweißen, auch den Weg nach Indien finden. Mit dem kleinen Unterschied allerdings, dass es dort kein oder ein nicht annähernd so funktionierendes Recylingsystem gibt wie bei uns. Wobei ich mir jetzt weitere Kommentare zu unserem System verkneife.

Wenn man einigermaßen 1 und 1 zusammenzählen kann, wird hier eine Lawine ungeahnten Ausmaßes auf uns zukommen. Wir Deutschen sind Verpackungsweltmeister und jeder von uns produziert Tonnen von Abfall. Übertragen Sie unseren Verbrauch auf die Weltbevölkerung, ist die Erde endgültig zugemüllt. Berücksichtigen Sie dann noch den Umstand, wie viele Gegenstände ein Westler sein eigen nennt, um sein bescheidenes Dasein fristen zu können, wird Ihnen endgültig schwindelig.

Zurück auf Null. Geht das?

Ganz sicher in den Ländern, bei den Menschen, die nichts haben. Sie müssen sich ihr tägliches Brot sauer durch Feldarbeit, Viehwirtschaft oder bescheidenste Löhne verdienen. Manche besitzen nicht einmal das Existenzminimum. Sie haben keine saubere Kleidung, keinen Zugang zu frischem Wasser, leben unter erbärmlichsten hygienischen Bedingungen, haben keinerlei medizinische Versorgung, sind nicht ausreichend vor Hitze und Kälte geschützt. Trotzdem haben auch diese Menschen Träume - und Ausdruck dieser Traumwelt sind die selbst in den entlegensten Gebieten präsenten Mobiltelefone. Sie bringen den kulturellen Weltstandard sogar in die letzte Hütte und ermöglichen die Teilhabe an einem Leben, das für viele wie das Schlaraffenland erscheint. Schöne Menschen in einer schönen Welt, sex and crime, Glitter und Glamour, Spannung und Abenteuer, Reichtum, Konsumartikel im Überfluss.......  Als  Besucher in einem dieser Länder werden Sie feststellen können, dass der westliche Stil absolut dominierend ist und die Jugend sich selbst in kleinsten Dingen darauf einzustellen versucht, sei es ein besonderer Lippenstift, ein T - Shirt oder Musikvideo. Findige Händler wissen bestens, wie man in diesem Kleinstpreis - Sortiment ein Geschäft macht, indem sie die lokalen Märkte mit Billigtand überschütten. Niemand ist so arm, dass man ihm nichts verkaufen könnte. Weltmeister im Bereich der Billigwaren sind vor allem die Chinesen. Selbst in den ärmsten Ländern dieser Erde werden Sie beobachten können, dass es dort auf den lokalen Märkten Artikel jeglicher Art für den täglichen Bedarf gibt. Das ist der Einstieg in die Konsumspirale, die sich beliebig nach oben drehen lässt. Im Bereich der Mobilität ist es erst das  Fahrrad, dann das Moped und ...... unerreichbar für den Durchschnittsverdiener .................... ein Auto. Erst eine Schrottkarre, dann einen Gebrauchtwagen und schließlich ein Neufahrzeug. Und wenn man es dann ganz nach oben geschafft hat, ein Lamborghini, Bentley, Porsche oder gleich mehrere davon. Damit stellt sich weniger die Frage: " zurück auf Null " sondern eher: " wie komme ich von Null auf Hundert? ".

Bleiben also nur die reichen Nationen. Über ein Drittel der Amerikaner beispielsweise ist übergewichtig. Die Deutschen sind Weltmeister bei der Verpackung.  Japaner essen leidenschaftlich gerne Meeressäuger.

Zurück auf Null hieße schlichtweg Verzicht. Verzicht auf Genuß, Bequemlichkeit, Prestige, Anerkennung. Wollen wir das? Erst mal nicht. Und da sind wir bei einem zentralen Punkt unserer Selbsterkenntnis.

Blicken wir zurück in unsere ruhmreiche Menschheitsgeschichte, stellen wir unschwer fest, dass sie sich durch einen auf diesem Globus noch nie da gewesenen Eroberungsfeldzug einer Spezies auszeichnet. Getreu dem Motto: " macht Euch die Erde untertan! " hat sich der Mensch aller Lebensräume bemächtigt, inclusive eines bislang winzigen Teils der Nicht - Lebensräume, des Weltalls. Dabei sind wir keineswegs zimperlich vorgegangen und haben auch vor unserer eigenen Rasse nicht Halt gemacht. Wir haben unsere Mitmenschen gesotten, geschmort, in Stücke geschnitten, aufgehängt, gekreuzigt, geschändet und gepfählt. Wir haben Elend ungeahnten Ausmaßes verbreitet und beispielsweise indigenen Völkern alles abgenommen, was diese besessen haben, und diese gelegentlich ausgerottet. Wir haben uns fremdes Land unrechtmäßig angeeignet und haben alteingesessenen Kulturen unseren Stempel aufgedrückt. Nicht nur das Christentum hat sich hier sehr erfolgreich betätigt. Es folgt eigentlich nur einem Muster, das bereits seit Jahrtausenden praktiziert wurde: das Neue hat das Alte überrollt, was immer man darunter auch verstehen mag. Neue Götter, Gurus, Herrscher, die bessere Story, kriegerische Fertigkeiten, Waffen, eine neue Kriegsführung, bessere Ressourcen an Menschen, Material, Know How etc.. Dabei haben immer „ herausragende “ Menschen eine Rolle gespielt, die für ihr Volk neue Gebiete erschlossen, die Marschrichtung vorgegeben, die Sicherheit garantiert, die Guten belohnt und die Schlechten bestraft haben. Diese „ herausragenden " Menschen waren mitunter mit einer grenzenlosen Machtfülle ausgestattet, die es ihnen ermöglichte, nicht nur den eigenen Claim, sondern auch die Gebietsansprüche jedes einzelnen in der Gemeinschaft zu vertreten. Dies durchaus auch im übertragenen Sinne: ging es doch um Handelsrechte, Gerichtsbarkeit,  Lehen, Privilegien, Deutungshoheit im Glauben, Eigentumsrechte, Privilegien gegenüber Frauen, beispielsweise im Koran: diese bei unziemlichem Verhalten bei lebendigem Leibe einzumauern. Damit wir uns nur richtig verstehen: die christliche Kirche stand dieser Praxis keineswegs nach, nur dass man diese als Hexen verbrannt hat.

„ Was soll das alles? " werden Sie möglicherweise sagen. Ganz einfach: dies Profitieren an einem erfolgreichen System mit einem oder mehreren Führern an der Spitze prägt auch heute noch unser Weltbild. Wir alle können uns darauf verlassen, dass unsere mehr oder weniger kleine private Welt mit all ihren Besitzständen ( Job, Garten, Wohnung, Häuschen, Urlaubsreisen, Klamotten ) gesichert ist und ggf. auch verteidigt wird. Wir stimmen zu, dass immense Summen in einen Wehretat gesteckt werden, um den vielfältigen Bedrohungen dieser Welt zu begegnen. Bedrohungen? Woher? Ach so: Gebietsansprüchen anderer Mächte. Hatten wir doch schon mal.

Wir alle sind um Sicherheit bemüht und uns interessiert vor allem das, was mit unserer Daseinssicherung zu tun hat. Dabei nehmen wir auch weniger wünschenswerte Begleiterscheinungen in Kauf, beispielsweise die Auslandseinsätze der Bundeswehr, die vorsorgliche, anlasslose  Datenspeicherung, flächendeckende Gesichtskennung, die öffentlich – rechtlichen Anstalten, die Besitzergreifung unserer Router durch Telekommunikationsunternehmen, eine verfehlte Verkehrspolitik, Vetterleswirtschaft, einen unsäglichen Politikbetrieb, im Mittelmeer ersaufende Flüchtlinge, elendigliche Lager in elendiglichen Ländern, dort noch mehr Misswirtschaft, Korruption, Vetterleswirtschaft, Machtmissbrauch, Justizwillkür.......

Da gab es mal eine Institution, die sich um grundlegende Fragen der Moral und der Menschlichkeit gekümmert hat. Sie hat 10 Gebote aufgestellt, die uns dabei helfen sollen, das Miteinander unter Menschen einigen Regeln der Ethik zu unterwerfen. Damit nicht alles Drunter und Drüber geht. Dafür wurde uns ein besonderer Sitz in der VIP – Launch im Jenseits versprochen und wir konnten der Gefahr entgehen, in der Hölle bei lebendigem Leib gesotten und geschmort zu werden. Drastische Bilder beispielsweise im Petersdom zeugen von diesem Heilsversprechen. Leider ( oder Gott sei Dank? ) verabschiedet sich diese Institution zunehmend von selbst und kümmert sich jetzt um die Denkmals – und Altenpflege, um die Moral ihrer verbliebenen Prediger, unverdrossen Gläubige in Elendsgebieten der Dritten Welt und um die Vermögensverwaltung der eigenen Latifundien.

Ethische Grundsätze sind zunehmend einer Moral gewichen, die dem kapitalistischen Grundbetrieb gewichen sind: kriegen was man kriegen kann. Dafür sorgen, dass man an dem allgemeinen Wohlstand partizipiert. Für Unternehmen gilt es, alle Gestaltungsmöglichkeiten auszuschöpfen, bis an den Rand der Legalität und darüber hinaus. Selbst renommierte Banken, bei denen man ja an sich Seriosität voraussetzen solllte, sind von diesen Machenschaften nicht ausgeschlossen. Bedauerlicherweise sind gerade sie es, die besonders unangenehm aufgefallen sind, und kaum ein Weltunternehmen ist davon ausgeschlossen, selbst VW, der weltgrößte Autobauer. Moral? Alles eine Frage der Auslegung, des Nachweises, der Beweisführung, des Bestandes vor Gericht, der Gerichtsbarkeit.

Und wo kein Kläger............

So wie bei der Firma Ströer, Sitz in Köln. Diese Firma hat vor Jahren das Online - Portal der Telekom gekauft und betreibt dort ein Werbeportal. Unter dem Absender " t-online.de " greift Ströer dort alle Klicks von Seitenbesuchern ab und leitet diese zu Inhalten und Seiten von kommerziellen Betreibern über. Millionen Inhaber von accounts bei der Telekom mit der Endung: @t-online.de, die etwa eine Frage an die Telekom haben, oder sich in ihren account einloggen wollen, landen keineswegs bei der Telekom, sondern auf dieser Seite. Sinnigerweise ist die Gestaltung 100%ig der Telekom angeglichen, inclusive der Telekom - typischen Verwendung der Farbe Magenta. Bis vor kurzem gab es auf dieser Seite wenigstens noch den bescheidenen Hinweis, dass der Inhalt der Seite ein "Angebot " der Ströer - Content Group sei. Dieser ist jedoch entfallen und Sie müssen schon in das Impressum eintauchen.

Solange dieser Etikettenschwindel, die bewußte Irreführung von Millionen von Verbrauchern, nicht von Verbraucherverbänden, der Presse oder vom Gesetzgeber aufgegriffen und unterbunden wird, wird dieses Spielchen munter weiter getrieben, bringt Abermillionen ein und beflügelt den Aktienkurs von Ströer.

Jetzt könnte man sich wie üblich genüsslich zurücklehnen und sich in der Gewissheit wiegen: die da.... das sind die Bösen! Ganz gewiss.........aber.................

Fragen wir uns doch einmal kritisch: suchen wir nicht alle unseren Vorteil? Sind wir nicht vielleicht selbst Experten im Erringen von Vorteilen? Payback - Punkte, Handy für 1 Euro, die Pauschalreise in die Türkei für 134.- Euro, den Schnapp, den Super - Schnapp? Und - ganz ehrlich - fragen Sie sich wirklich immer, ob der Preis, den Sie zu zahlen bereit sind, wirklich gerechtfertigt ist? Nein, ich meine nicht den zu hohen Preis, sondern den zu niedrigen.

Sind wir reif für " Zurück auf Null " ?

Kann es sein, dass wir uns zu wenig mit der Moral beschäftigt haben, mit den ethischen Grundlagen unseres Denkens und Handelns? Die Zeichen der Zeit sprechen eine eindeutige Sprache:  die Umweltschäden beispielsweise, die mit höchster Wahscheinlichkleit den Klimawandel verursachen, sind mittlerweile in den hintersten Winkel unserer Republik und in das ( Unter - ) Bewußtsein der meisten Durchschnittsbürger gedrungen und doch: es wird lustig geflogen wie eh und je - und unsere Bundesregierung geht mit gutem Beispiel voraus. 5 hochrangige Teilnehmer der Klimakonferenz in New York, darunter die Kanzlerin und AKK, fliegen mit getrennten Maschinen. Hallo, hat jemand den Schuss gehört?

Und unserer Regierung fällt als Maßnahme gegen den Klimawandel nichts anderes ein, als dem altbewährten Ablasshandel für Verschmutzungsrechte einen neuen Schub zu verleihen.

Was lesen meine verwundeten Augen am 27.September 2019 im Kölner Stadtanzeiger?

Festnahme wegen CO2- Betrugs

" Frankfurt. Nach jahrelanger Fahndung haben Ermittler in Frankfurt zwei mutmaßlich führende Köpfe eines Millionen- schweren Umsatzsteuerkarussells verhaftet. Die seit Sommer 2014 mit internationalem Haftbefehl gesuchten Männer hätten sich am Dienstag gestellt, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Donnerstag mit. Den beiden 37 und 40 Jahre alten Männern wird vorgeworfen, etwa 136 Millionen Euro Umsatzsteuer hinterzogen zu haben. Als Mitglieder einer Bande sollen sie an einem Umsatzsteuerkarussell mit dem Handel von Luftverschmutzungsrechten beteiligt gewesen sein."

Soweit dieses Zitat.

 

 

Was Sie hier sehen, ist eine Aufnahme von einem Hafen/ Küstenabschnitt von Sumenep auf Java von diesem Jahr. Kleines Gedankenexperiment: Sumenep zahlt für die Verschmutzungsrechte des Hafens einen Betrag X an einen Fonds, der von einer Organisation Y für eine Maßnahme Z in den Industrienationen eingesetzt wird, um dort die Verpackungsflut einzudämmen. Diese Rechte werden an der Börse in New York gehandelt und man kann selbstverständlich auf die Kurse wetten.

Was wäre eigentlich mit dem Ansatz, umweltfreundliches Verhalten zu fördern mit dem Ziel: Zurück zu Null bei allen Stoffen, die nachweislich die Umwelt schädigen?

Jetzt drehen wir uns aber im Kreis, da wir uns bereits mit den menschlichen Verhaltensmustern beschäftigt haben und zu der Erkenntnis gekommen sind, daß der Egoismus eine zentrale Triebkraft ist, die Moral auf der Strecke bleibt, uns das Hemd näher ist als die Hose und dass wir alle unsere mehr oder weniger kleine, aber immer größere Bedürfnisstruktur pflegen.

Glücklicherweise gibt es mittlerweile eine florierende Kompensations - Industrie, die es uns ermöglicht, unsere Gewissenskonflikte unter Kontrolle zu halten bzw. diese erst gar nicht aufkommen zu lassen. Im Bereich der Umwelt besteht dieser mögliche Konflikt darin, dass wir zwar wissen, dass wir diese in erheblichem Maße schädigen, diesem schädlichen Verhalten aber nichts entgegensetzen. Dazu gibt es Experten aus der Konfliktforschung, die die Industrie beraten, und Vorschläge erarbeiten, um dem Verbraucher seine Ängste und Befürchtungen zu nehmen und scheinbar akzeptable Lösungen aufzuzeigen. Etwa mit der freiwilligen Abgabe einer  Spende an wohltätige Organisationen, der Ankündigung der Einsparung von Verpackungsmaterial, Schutz von Biotopen durch Landkauf oder Aufforstung, Schutz bedrohter Tiere, Einsatz angeblich umweltgerechterer Materialien, Kauf von Zertifikaten beim Fliegen. Natürlich ohne die gewohnten Abläufe zu stören, denn das könnte dann erheblich ins Geld gehen. Da sind die Kommunikationsaufwendungen für derartige Aktionen schon eher zu verschmerzen als mögliche Ergebniseinbußen durch eine schlechte Presse. Und dass die Kosten für Prospekte, Displays, Anzeigen und Werbespots wesentlich höher sind als der netto - Nutzen, der den Begünstigten zugute kommt, muß ja auch nicht jeder wissen.

Ich sehe förmlich den Aufschrei: " ich gehe ja mehr zu Fuß ", " ich achte darauf, weniger Kunststoffverpackungen zu verwenden ", " ich trenne den Müll " etc. pp.

Lieber Leser: das ist ja alles schön und gut und es ist wirklich sehr löblich, wenn Sie  mit der Jute - Tasche zu Ihrem Supermarkt gehen, sich für lose Tomaten, das Tierwohl entscheiden und die mit einem MSC - Siegel versehene Makrele ( leider begast und eingeschweißt ) Ihrem Einkauf hinzufügen, nur:

Das ist einfach nicht genug!

Auch die Politik und Umwelt - engagierten Institutionen wollen sichtbare Zeichen setzen: letzten Donnerstag, am Tag der Deutschen Einheit, wurden landauf, landab Bäume gegen den Klimawandel gepflanzt. Dabei wurde stolz berichtet, dass eine Eiche durchschnittlich 115 Gramm CO2 am Tag speichert, Fichten 73 Gramm. Nichts dagen zu sagen: es ist immer gut, Bäume zu pflanzen und jeder wird dies mit vollem Herzen bejahen und gutheißen. Und die Setzlinge werden ja auch mal groß. Gut ist aber auch, dass unser durch umweltschädigendes Verhalten geplagte Gewissen endlich aufatmen kann: wir tun etwas! Und das ist Kalkül.

Bedauerlicherweise hat diese Aktion mehrere gravierende Schönheitsfehler:

Erstens dauert es bekanntlich Jahrzehnte, bis sich Bäumchen oder gar Setzlinge zu ausgewachsenen Bäumen entwickelt haben. Zweitens stößt ein Kleinwagen in etwa so viel CO2 aus wie eine Fichte am Tag aufnimmt.......pro Kilometer! Ein Mittelklassewagen so viel wie eine Eiche und für einen SUV brauchenSie drei Eichen für einen Kilometer. Sie bräuchten mehr als 1 Milliarde Eichen in Deutschland, um alleine die Belastung durch den PKW - Verkehr zu kompensieren, ganz abgesehen von LKWs, Baumaschinen etc., was bei näherem Hinsehen völlig utopisch ist. Außerdem ist es das falsche Siganl: anstatt das Übel an der Wurzel zu bekämpfen, werden Ausgleichsmechanismen bemüht, die das schädliche Verhalten erträglich werden lassen bzw. es erlauben, dieses beizubehalten.

Will sagen: eine nette Aktion, leider nicht annähernd effizient genug, um den Klimawandel aufzuhalten.

Machen wir uns nichts vor: industrieseitig besteht keinerlei Interesse daran, bestehende Verhaltensmuster zu ändern. Gerade im Gegenteil: es wird massiv begrüßt, wenn Sie weiterhin überteuerte Fahrzeuge mit einer überteuerten Ausstattung, möglichst vielen überteuerten intelligenten Features, einer überteuerten Versicherung, einem überteuerten Treibstoff, überteuertem Zubehör auf horrend teuren Verkehrswegen nutzen. Und eines nicht zu vergessen: der Staat hält überall die Hand auf. Wie schwer es sich vor allem auch Vater Staat mit dem Verzicht tut, offenbart die Zähleibigkeit bei dem Soli oder bei der Tabak - oder Alkoholwerbung.

Glücklicherweise hält unsere Gesellschaft ein umfangreiches Repertoire bereit, um Ihnen und allen an Ihrer Existenz teilhabenden Institutionen ein weiterhin gesundes Auskommen zu ermöglichen. So bastelt die Regierung an diversen Labels, um dem gewissensgeplagten Verbraucher eine Orientierung zu geben und es gibt zahlreiche, äußerst prosperierende Unternehmen, die mit ihren Tests und Auszeichnungen Unbedenklichkeiten zertifizieren. Man denke nur an die TÜV - geprüften Brustimplantate. Aber auch und insbesondere in Sachen Natur - und Umweltbewußtsein hat sich jüngst viel getan. Kein Discounter, der nicht regionale Produkte anbietet, diese ganz prominent in ihrer Werbung und Warenpräsentation herausstellt. Pech nur, daß " regional " keine geschützte Bezeichnung ist und beliebig interpretiert werden kann. Die meisten regionalen Anbieter sind auch gar nicht in der Lage, die logistischen und technischen Voraussetzungen der verwöhnten Discounterlandschaft zu bedienen. Diese sind es gewohnt, daß eine Vertriebsweg - gerechte Verpackung, das Aufkleben von Etiketten, die Auszeichnung etc. von den Lieferanten übernommen wird. Insofern wird ein Großteil der angeblichen Regionalprodukte nach wie vor von weit her angekarrt . Ganz abgesehen davon, daß natürlich der überwiegende Teil des Frischesortiments  aus aller Herren Länder beschafft wird. Besonders perfide ist die Verwendung von Bezeichnungen, die dem Verbraucher vertraut sind und die im Prinzip die gesunde Alternative zum Supermarkt darstellen. Sie sollen dem Kunden das Gefühl einer heilen Welt der Ernährung vorgaukeln und an seinen bevorzugten Einkaufsort binden, z. B. REWE - Ihr Wochenmarkt. Nein, lieber Leser, REWE ist kein Wochenmarkt, Real.- nicht mein Metzger und LIDL nicht mein Bäcker; der mehrmals täglich backt. Jedenfalls nicht so, wie man es von einem richtigen Bäcker gewohnt ist. Oder in grauer Zeit einmal bei einem richtigen Metzger mit einem richtigen Metzgerladen erlebt hat. Vor allem ist es nicht " mein Metzger ".

Sie werden es nicht glauben: entgegen meiner soeben getätigten Aussage, die Industrie habe kein Interesse, bestehende Verhaltensmuster zu ändern, meldet die Fachzeitschrift neue Verpackung: " Unilever kündigt Projekt für abfallfreie Welt an ".

Also doch die Wende?

Bei näherem Hinsehen ist dies ein Stufenplan, der von der verstärkten Verwendung von recyceltem Kunststoff bis zu einer Reduzierung von neuem Plastik um die Hälfte reicht. Bis zum Jahr 2025, also in 6 Jahren.

Als mittlerweile geschulter, kritischer Leser werden Sie sofort feststellen: das geht in die richtige Richtung, nur: es ist entschieden zu wenig, um diesen malträtierten Globus vor einer weiteren Verschmutzung zu schützen oder gar  von den ganzen Schadstoffen zu befreien, die nach wie vor zu einem massiven Artensterben führen. Und Sie werden selbstverständlich sofort das Manöver durchschauen, durch rechtzeitige öffentlichkeitwirksame Maßnahmen den Wettbeberbsvorteil zu erhalten, besser noch: massiv auszuweiten. Unilever ist ja nicht alleine auf weiter Flur und die Spatzen pfeifen es von den Dächern, daß der Verbraucher kritischer wird und verstärkt Fragen stellt wie: wo kommt das her? wie ist das hergestellt worden? sind die Leute ordentlich bezahlt worden? sind Pflanzenschutzmittel eingesetzt worden? ist das schädlich? sterben jetzt die Zwergwale aus?

Ein einziger Besuch beim Discounter führt Ihnen drasisch vor Augen:  die Plastikflut ist ungebrochen.

Jetzt gehen die Leute auf die Straße und wollen die Welt retten. Sie blockieren Stadtzentren und Verkehrswege. Greta hat es vorgemacht und mittlerweile ist es eine große Bewegung geworden. Nicht nur unsere Bundesregierung muß sich jetzt die Frage stellen: wie geht eine wehrhafte Demokratie damit um? Dass Leute, die Recht haben, gegen geltendes Verkehrsrecht verstoßen? Gibt es nicht gewählte Vertreter in unserem Staat, die den Regierungsauftrag haben, den Willen des Wählers umsetzen? Die bereits ein Klimapaket verabschiedet haben und die sich selbstverständlich auch Sorgen um die Zukunft des Planeten machen?  Wie soll das gehen, wenn jeder außerhalb der bestehenden Rechtsordnung auf die Straße geht? Die Dringlichkeit der Leute kann man ja verstehen und es ist auch schwer zu vermitteln, daß alles so lange dauert und schließlich muß man ja auch an die Arbeitsplätze denken. Klar, die USA und China machen bei globalen Klimaabkommen nicht mit und in Brasilien brennt der Urwald. Nur, was will man machen .....man hat das doch vorgetragen in den entscheidenden Gremien............

Unsere wirtschaftliche Welt hat sich Wachstumsziele gesetzt, die mehr oder weniger in Stein gemeißelt im Raum stehen. An diesen Wachstumszielen ist das Kapital beteiligt, das aus Kapitalinhabern besteht, die renditebezogene Ansprüche haben. Dabei handelt es sich um menschen wie Du und ich. Werden Maßnahmen umgesetzt, die diese schmälern, heißt dies schlichtweg Verzicht. Jetzt gibt es natürlich Leute, die freiwillig Verzicht üben: berühmte oder sehr reiche Menschen mit großzügigen Spenden und Leute, die sich freiwillig der Askese oder der gemeinnütigen Arbeit verschrieben haben. Diese sind - bezogen auf die Masse der Kapitalinhaber - jedoch verschwindend gering. In aller Regel wird derjenige, der ein wenig mehr hat, dieses auch behalten wollen. Und der, der noch ein wenig mehr hat, ebenfalls. Ist das verwerflich? Oder einfach nur menschlich?

So lange für jeden genug da ist und die Welt gerecht verteilt ist, ist das ja völlig in Ordnung. Leider Fehlanzeige. Welche Ausmaße die Frage der Verteilung von Ressourcen auf diesem Globus hat, macht gerade der Rückzug der USA und das Vordringen der Türkei in Syrien deutlich.

Offensichtlich befinden wir uns in einer Weltgemeinschaft, in der es wenigen  durchgeknallten und machtbesessenen Menschen, die Deine Nachbarn um die Ecke sein könnten und die außer einer offensichtlich maßlosen Skrupellosigkeit nichts von anderen Mitmenschen unterscheidet, erlaubt ist, sich auszutoben und Millionen ins Unglück zu stürzen oder zumindest dafür zu sorgen, daß sich deren Lage nicht verbessert. In Nord - Syrien hat diese Lichtgestalt unserer Tage in seiner unvergleichlichen Weisheit festgestellt, daß dort kein Blumentopf zu gewinnen ist und die Reißleine gezogen getreu dem Motto: investiere in kein totes Pferd oder: wenn Du feststellst, daß das Pferd unter dir tot ist, spätestens dann solltest du abspringen.

Es sollte sich eigentlich herumgesprochen haben: wir leben in einer globalen, vernetzten Welt, in der das Weltgeschehen der Weltbevölkerung innerhalb von Sekundenbruchteilen zugänglich gemacht wird. Wenn man nicht gerade das Pech hat, in einem Staat zu leben, der auf die Nachrichtenlage Einfluß nimmt und/oder diese verzerrt darstellt oder gar unterdrückt, kann man sich jederzeit ein eigenes Bild des kulturellen Fortschritts der Spezies Mensch machen und dabei kann einem eigentlich nur schlecht werden. Wie ist es um die Moral bestellt, wie um die Glaubensfreiheit,  die Verteilung der Ressourcen, Arm und Reich, das Miteinander, Füreinander, die Familie, Bildung, Ausbildung, Gerechtigkeit.......

Bleiben wir beim Thema Umwelt.

Wir sind in Deutschland Verpackungsweltmeister und haben das Thema nicht im Griff. Der Standard unseres Verpackungswahns wird - ob wir das wollen oder nicht - Standard in der Welt. Es wird verpackt auf Teufel hinaus und der Blick in die Supermärkte und Malls dieser Welt spiegeln dies wieder. Bedauerlicherweise muß man  das selbst erlebt haben, beschreiben läßt sich das nicht. Nehmen Sie ein beliebiges Einkaufscenter in Ihrer Nähe, am besten in einer Großstadt, und übertragen Sie dieses Bild auf sämtliche Hauptstädte dieser Welt. Vergegenwärtigen Sie sich dabei,  daß es Städte gibt, die nicht wie Berlin, München, Köln, Hamburg lediglich ein paar schlappe Millionen Bürger beherbergen, sondern Einwohner im zweistelligen Millionenbereich. Was berechtigt uns zu der Annahme, dort würden schnellere und bessere Maßnahmen zur Eindämmung des Verpackungsmülls entwickelt? Sind wir nicht Technologieführer und spielen wir nicht moralisch in der ersten Liga?

 

 

Sie können Bilder dieser Art in allen entfernteren Regionen dieser Welt sehen, in denen die Produkte unserer Zivilisation stranden. Hier sichtbar. Bedauerlicherweise in den meisten Fällen jedoch weniger auffällig, in der Regel unsichtbar. Durch die Ozeane zu kleinem Granulat zermalen oder durch mehr oder weniger qualifiziertes Verbrennen auf dem gesamten Globus verteilt. Es ist eine Illusion anzunehmen, daß das Umweltbewußtsein, das sich bei uns langsam zu entwickeln scheint, in dieser oder der nächsten Generation von Menschen, die am Rande der Existenz leben und ganz andere Probleme haben, von diesen geteilt wird.  Verpackungen sind ein Abfallprodukt und werden als solche Behandelt: als Abfall. Das urbane Leben, das in den meisten Ländern nach wie vor die stärkste Zugkraft auf die Bevölkerung besitzt, führt zwangsläufig dazu, daß die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs in Verpackungseinheiten erfolgt. Zunehmend auch durch Lieferdienste über das Internet.  Typische Merkmale eines ländlichen Lebens wie Eigenproduktion, regionale Nähe, freie Märkte, Vorratshaltung, eigene Zubereitung von Nahrungsmitteln etc. gehen verloren zugunsten einer Convenience - gerechten Versorgung. Was wie das lamoyante Beklagen verlorengegangener, glorreicher Zeiten klingt, ist eine schlichte Zustandsbeschreibung heutiger und zukünftiger Verhältnisse. Diese sind ohne Verpackung so gut wie undenkhar.

Ich war heute für Sie einkaufen. Ich habe einen Salat Caprese gekauft, bei einem der namhaften Discounter, für den schnellen Hunger zwischendurch.

 

 

Dieses Hightech - Produkt der Verpackungsindustrie besteht aus einem Kunststoff - Behältnis mit einer angeschweißten, separaten Aromafolie, einem extra Kunststoff - Innenfach, einer Kunststoffgabel, einem Kunststoff - Becher mit einem Kunststoff - Deckel und einer beschichteten Banderole.

Diese Produkte haben Zukunft, kann ich Ihnen sagen. Schnell und komfortabel kann man seinen leckeren Salat zubereiten, man muß nicht die einzelnen Komponenten beschaffen, hat keine überflüssigen Produktreste,  kann das im Zweifel sogar unterwegs auf der Straße essen, hat keinerlei Lagerhaltung und kann es - wenn es nicht schmecken sollte, ganz oder in Teilen in den nächsten Mülleimer entsorgen. Und für die Optik: sieht klasse aus, die Gabel ist schön grün auf der Banderole abgebildet, das Logo "Select & Go" ebenfalls grün, der Salat schön grün ....also alles bestens. Sieht gut, gesund und öko aus. Und für den Handel ist das auch gut: einfach in der Logistik, zack ins Regal, über den Scanner und schwupps ....rein in den Einkaufswagen. Oder - wenn abgelaufen, bei Frischeprodukten leider sehr schnell,...... hopps, in die Tonne. Stellen Sie sich das mal vor: Tomaten abwiegen, der Salat hat keinen Strichcode. Mozarella und Zutaten gesondert scannen. Das hält ja den ganzen Betrieb auf.

Tragischerweise ist dieses leuchtende Beispiel Taktgeber für die Nahrungsmittelversorgung der Welt. Denn welcher moderne Mensch möchte oder kann sich diesen zukuntsweisenden Entwicklungen verschließen? Zumal höchst qualifizierte Profis daran arbeiten, daß diese Technologien weiterentwickelt und dem Verbraucher im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft gemacht werden. Wie bereits gesagt, äußerst schlaue Kommunikationsexperten arbeiten unermüdlich daran, das u.U. geplagte Gewissen zu befriedigen.

Da wäre ja eigentlich auch nichts dagegen zu sagen, wenn es sich nicht zum einen  um eine gigantische Ressourcenverschwendung und zum anderen um eine Entsorgungsproblematik handeln würde, die wir einigermaßen im Griff zu haben glauben, die aber weltweit ein unglaubliches, in seiner globalen Auswirkung nicht zu fassendes Umweltproblem darstellt.

Kurioserweise haben wir, die Turbolader der Verpackungsindustrie, ein ausgeprägtes Sendungsbewußtsein in Sachen Umweltschutz. Unser Kanzlerin ist gerade in Indien, um dort die Elektromobilität voran zu bringen. Deutschland will in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro für grüne urbane Mobilität in Indien ausgeben. Mit dem Geld, das Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Indienbesuch zugesagt hat, sollen etwa im Bundesstaat Tamil Nadu 500 neue Elektrobusse Dieselfahrzeuge ablösen.

Werfen wir doch mal einen Blick vor die Haustüre, in diesem Fall nach Leverkusen.

Das örtliche, öffentliche Verkehrsunternehmen, die " Wupsi" , wird 30 der aktuell 150 dieselbetriebenen Linienbusse mit Filtern ausstatten. Dies ist für die Jahre 2019 bis 2024 geplant. Danach werden immer noch 120 dieselbetriebene Lenkbusse die Luft verpesten, mächtige Gefährte, die Abermillionen von Kilometern im Leverkusener Stadtgebiet unterwegs sein werden, einer Stadt, die ohnehin durch das extrem frequentierte Leverkusener Kreuz, den Neubau einer Rheinbrücke, den Ausbau von Fahrstufen der Autobahnen A3 und A1, zwei Müllverbrennungsanlagen, den Schiffsverkehr auf dem Rhein und die Nähe zum Flughafen Köln/ Bonn arg gebeutelt ist.

Wäre es nicht sinnvoll, erst einmal hier anzusetzen, bevor man die Welt bekehrt? Aber möglicherweise hat das Engagement in Indien ja einen ganz anderen Hintergrund, der Ihnen als aufgeklärtem Erdenbürger sicherlich nicht entgangen ist:  möglicherweise sind es ja schlicht und einfach massive wirtschaftliche Interessen, die unsere Kanzlerin und ihre Entourage umtreibt. Indien ist in vielfacher Hinsicht ein wichtiger Kooperationspartner der Industrie. Also die  Umwelt als Mäntelchen für blühende Gärten der Wirtschaft? Oder gar als Motor für Geschäfte, die sich aus den Umweltschäden ergeben? Denn darin sind wir wirklich groß: etwa in der Müllbeseitigung. In Australien bin ich Müllfahrzeugen der Firma Remondis begegnet, die dort im Einsatz sind. Remondis? Richtig: ich habe darüber berichtet, daß Remondis am Chiemsee ein Müllzentrum betreibt. Was kann man sich aus Sicht der deutschen Wirtschaft mehr wünschen, als international führend zu sein in..........in diesem Fall der Müllbeseitigung. Was natürlich umso besser klappt und profitabler zu betreiben ist, je mehr Müll anfällt. Nicht in der Problemenbeseitigung  sondern in der Beseitigung von Schäden, die durch Probleme entstanden sind, liegt in diesem Fall die Zukunft.

Eine Milliarde als Schmiermittel für die Wirtschaft?

Kurios. Wir wollen uns umweltbewußt verhalten - sind es aber nicht. Wir haben selbst Probleme ohne Ende, geben aber anderen gute Ratschläge. Wir wollen eigentlich nicht fliegen, buchen aber fröhlich weiter Fernreisen. Wir wollen keine Plastikverpackungen, laden damit aber unseren Einkaufswagen voll. Wir wollen frisches Obst,  kaufen unreifes Zeug. Wir wollen den CO2 - Verbrauch von PKWs reduzieren und kaufen SUVs. Wir wollen eigentlich lieber beim Bäcker und Metzger einkaufen und stärken die Discounter. Wir wollen keinen Krieg und beteiligen uns an Kriegseinsätzen. Wir wollen alle das Tierwohl und......................................

Gerade erreicht uns die Nachricht, daß in Delhi der Notstand ausgebrochen ist, weil die Umweltverschmutzung einfach unerträglich geworden ist und die Leute reihenweise dahinsiechen.  Ernst zu nehmende Korrespondenten führen dies darauf zurück, daß zu wenig gegen den Smog unternommen wird und 11.000 Wissenschaftler aus 153 Ländern fordern, daß drastische Maßnahmen gegen die Treibhausgase ergriffen werden. Ansonsten drohe ein weltweiter Klimanotfall. Ich war selbst vor einigen Jahren in Delhi und habe das Elend gesehen. Kein grüner Baum, alles mit einem gräulichen Sediment überzogen, die Sonne hat keine Chance, durchzukommen, alles dunstverhangen. Mein Eindruck damals: ein hausgemachtes Problem. Heute sehe ich das differenzierter. Delhi ist wie wir alle der globalen Klimaproblematik ausgesetzt, die wie ein Brandbeschleuniger wirkt.

Doch halt! Hier eine Nachricht des Tages, die den Notstand in Indien in den Schatten stellt: Paula White (Video anschauen) ist als Beraterin ins Weiße Haus in Washington eingezogen, den heiligen Ort, an dem der von Gott berufene Präsident sein göttliches Werk verrichtet:

Ja geht`s denn noch? Seit geraumer Zeit versuchen wir mühsam, die Hybris von Mitmenschen abzubauen, die sich als gottgleich auf Erden sehen und daraus einen ungezügelten Machtanspruch ableiten. Dabei unterstützt durch ein Heer von  Hofschranzen, die diese Menschen in ihrer Sichtweise bestätigen und dabei trefflich selbst profitieren. Kann es denn wirklich sein, daß der mächtigste Mann dieser Erde ernsthaft an seine persönliche Berufung durch Gott glaubt? Muß ja wohl so sein..... oder es handelt sich nur um einen PR - Gag, um die Evangelisten dazu zu bringen, bei der Wahl das richtige Kreuz zu setzen? Vielleicht beides. Dieser Gottgesandte hat Umweltgesetze gekippt bzw. ist dabei, diese aufzuweichen, will Schürfrechte beispielsweise in Alsaka vergeben und Grönland kaufen. Er kippt den Atomdeal mit dem Iran, hält eigentlich auch überhaupt nichts von Iranern, Muslimen sowieso, Afroamerikanern wenig, Mexikanern und Südamerikanern überhaupt nichts. Gott ist nur für die Gottgläubigen da, nicht für den Rest der Welt ( zu dem im übrigen auch wir Europäer gehören ).

Der Umgang mit dem Thema Umwelt durch die Spezies homo sapiens würde in Fachkreisen mit hoher Wahrscheinlichkeit als Symptom einer dissoziativen Störung gedeutet werden. Dabei handelt es sich um eine Art innerer Zerrissenheit, die, würde es Dich oder mich treffen, geradewegs in eine Heilanstalt führen würde. Auf der einen Seite das übermächtige Leugnen des Klimawandels einer von Gott gesandten Persönlichkeit, die der gnadenlosen Ausbeutung unseres Planeten Vorschub leistet, auf der anderen Seite der übereifrige Dilettant, der geradezu zwanghaft keine Gelegenheit auslässt, seine Beflissenheit für den Erhalt des Weltklimas unseres Planeten unter Beweis zu stellen.

Noch einmal: das Schaufeln eines Haufens ausnahmslos in Folie verpackter Ware vom Fließband in eine Jutetasche löst nicht die Probleme, sie ist bestenfalls der bescheidene, nett gemeinte, aber völlig irrelevante Versuch, einen eigenen Beitrag zur Rettung der Weltklimas zu leisten. Seien wir doch einmal ehrlich: die wirksamste Methode, dem Weltklima einen wirklichen Gefallen zu tun, bestünde darin, sich von der nächsten Brücke zu stürzen und möglichst viele Zeitgenossen aufzufordern, das Gleiche zu tun. Denn eines lässt sich selbst von den hartnäckigsten Leugnern aussagekräftiger  Statistiken und Produzenten alternativer Fakten nicht vom Tisch wischen:

es gibt eine eindeutige Korrelation zwischen der Zunahme der Weltbevölkerung und dem Anstieg der Temperatur in der Erdatmosphäre

es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Zunahme der Weltbevölkerung und dem Artensterben

es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Zunahme der Weltbevölkerung und dem Müllaufkommen, das den ganzen Globus verdreckt.

Sie hinterlassen, ob Sie das wollen oder nicht, einen schmutzigen Fußabdruck auf dieser Erde, der umso schmutziger wird, je besser es Ihnen geht. Weil Sie mehr verdienen und ausgeben. Weil Sie sich mehr als andere leisten können, verbrauchen und als Ausscheidungsprodukt Ihres gehobenen Lebensstils der Mutter Erde in Form von Emission und Müll wieder zurückgeben. Die sich für dieses Geschenk in Form  von Dürren und Überschwemmungen bedankt.

Ist es doch sattsam bekannt, dass ein Drittel der Menschen auf dieser Erde zwei Drittel der Weltressourcen für sich beansprucht. Und zu diesem Drittel gehören auch Sie. Ja, Sie ……….und ich.

Uns geht es entschieden besser als den meisten Menschen auf dieser Welt und natürlich sind wir das größte Umweltproblem. Trotz aller hektischen Bemühungen allerorten, umweltgerechtes Verhalten zu fördern und entsprechende Maßnahmen aus dem Boden zu stampfen. Wir schädigen unseren Planeten nach wie vor in geradezu biblischem Ausmaß. Als Primaten der besonderen Art wissen wir aber damit umzugehen: wir verdrängen, verleugnen, spielen herunter, machen uns selbst etwas vor, lenken ab, tarnen, täuschen, lügen und betrügen.

Sicher kennen Sie das Experiment mit den Affen und den Bananen: vor die Wahl gestellt, was sie lieber hätten: eine Banane sofort oder drei Bananen am nächsten Tag, entschieden sie sich ausnahmslos für die Banane sofort.

Sie mögen diesen Primaten – Vergleich nicht? Sie werden mir aber vielleicht zustimmen, wenn ich behaupte, dass man einen Vorteil, den man gerade in der Hand hält ( der neue, dicke SUV ), den Nachteilen, die vielleicht in der Zukunft auf einen zukommen ( keine Parkplätze, Kratzer auf dem Lack von Neidern, hoher Verbrauch, höhere Benzinkosten, Gârage zu klein ), vorzieht, selbst wenn diese Nachteile größer sind als der gegenwärtige Vorteil oder sogar, als „ worst – case – Szenario “,  in den Untergang führen ( Verbot des SUV ). Das scheint mir jedenfalls der gegenwärtige Stand der Dinge. Dabei steht, bezogen auf die Umwelt, vor allem die Frage im Vordergrund, wie sich die Vorteile eines ungebremsten Wirtschaftswachstums mit den Nachteilen eines umweltgerechten Verhaltens in Einklang bringen lassen. Bis heute sind unsere  Regierungsbeauftragten immer noch eifrig damit beschäftigt, die Lobbyvertretungen zu bedienen, die Wirtschaft zu schonen und dem Verbraucher scheinbare Lösungshäppchen zu verabreichen. Das wird auf Dauer nicht mehr klappen, vor allem, wenn die Wähler aufwachen und endgültig schnallen, daß sie es sind, die erst mal die Zeche zahlen sollen.

Die Goldgrube.

Ich möchte jedoch, bevor wir hier zu sehr theoretisieren, noch ein Beispiel vor Ort anführen.

Sie  müssen gar nicht erst nach Westguinea zur Grasberg - Mine reisen, zum weltgrößten Gold – und Kupferbergwerk der Welt, zur Bingham Canyon Mine in den Quirrhy Mountains südwestlich von Salt Lake City oder nach Chuquicamata in der Atacama – Wüste, um sich von der Umweltzerstörung durch die Erschließung von Schürfrechten ein Bild zu machen. Es genügt ein kurzer Abstecher nach Thalham, einem verschlafenen Flecken zwischen dem oberbayerischen Obing und dem wildromantisch gelegenen Kloster Seeon, in dem gerade die CSU – Klausur tagt. Das Kloster liegt in der sogenannten Biotopen - Verbundachse zwischen dem  Naturschutzgebiet Eggstätt Hemhofer Seenplatte und dem Naturschutzgebiet Seeoner Seen. Die oben abgebildete Kiesgrube befindet sich unmittelbar angrenzend in einer eiszeitlichen Moränenlandschaft, die zu den schönsten Regionen Bayerns zählt.

Wie heißt es so schön in der Heimatzeitung „Der Endorfer“:

„Heute bildet das Gebiet, welches vor Jahrtausenden auf so faszinierende Weise entstanden ist, ein herausragendes Refugium für zahlreiche bedrohte Pflanzen und Tierarten. Erst ihre Entstehungsgeschichte  ermöglichte das vielfältige Mosaik an Lebensräumen, welches jenen Tier – und Pflanzenarten heute so mannigfaltige Entwicklung eröffnet. Unsere Aufgabe sollte es nun sein, dieses Juwel auch für die nachkommenden Generationen zu erhalten, sodass auch unsere Kinder und Kindeskinder die Faszination der Eiszeitseen erleben können “

So weit das Zitat.

Die  vom Landratsamt Traunstein für den Abbau genehmigte Menge beträgt ca. 2 Millionen Kubikmeter Kies. Ein 40 – Tonner LKW kann knapp die Hälfte des Gesamtgewichts an Kies transportieren. Nach Adam Riese erfordert der Abtransport also mindestens 100 000  LKW – Bewegungen. Da auch kleinere LKWs unterwegs sein werden, kann man von mindestens 150 000 Fahrten ausgehen. Die Grube wird wieder verfüllt, also sind wir bei schlappen 300 000 LKW - Fahrten. Ich erspare mir und Ihnen die Berechnung von CO2 und Feinstaub, der in dieser sensiblen Zone freigesetzt  wird. Der Transport erfolgt über schmale, für diese Belastung überhaupt nicht ausgelegte Landstraßen.

Ich habe mir erlaubt, bei der zuständigen Stelle nachfragen zu lassen, ob die ursprüngliche Landschaftsstruktur wieder hergestellt wird, nämlich der Moränenhügel, mit welchem Material verfüllt wird und ob durch eine Versiegelungsmaßnahme ( Folie, Drainage, Spundwand ) das Versickern eventueller Schadstoffe verhindert wird.

Die erstaunliche Antwort des Bauamts des Landratsamtes Traunstein lautet, dass eine ebene Verfüllung erfolgt ( auf Nimmerwiedersehen Moräne! ), dass im nordöstlichen Teil der Einbau von belastetem Material Z1.1 ( Bauschutt ) möglich ist ( willkommen Schadstoffe! ) und dass über der maximalen Abbautiefe ( nicht etwa unter ! ) der Verfüllung eine sogenannte Sorptionsschicht eingebaut wird, die aus Erdaushub oder Abraum besteht und 1 Meter dick ist.

Diese Sorptionsschicht wird angeblich sorgsam kontrolliert. Was aber überhaupt nichts an der Tatsache ändert, daß Oberflächenwasser einsickern kann. Um dies zu verhindern, müßte tonhaltige Erde aufgetragen werden und/oder ein Abdichtung durch eine Kunststofffolie erfolgen.

Fazit: Sickerwasser, das belastetes Fremdmaterial ausschwemmt, kann ungehindert in das Grundwasser gelangen, das ua. auch die naheliegenden, weitgehend unter Naturschutz stehenden, Seen speist. Im übrigen liegen die Seen weit unterhalb des  Niveaus der Bagger, die sich in die Moränenhügel fressen.

Nachzutragen wäre, dass ein Kubikmeter Kies im Verkauf zwischen 30 und 100 Euro bringt. Bei 2 Millionen Kubikmeter reden wir also über eine Größenordnung von 60 bis 200 Millionen. Das Befüllen der Gruben mit Abraummaterial lassen sich die Betreiber natürlich auch fürstlich bezahlen. Die Entsorgung von Bauschutt Z1.1 ( erlaubt im nordöstlichen Teil der Kiesgrube ) kostet beispielsweise zwischen 4 und 25 Euro pro Tonne. Das versehentliche Eintragen gefährlicher Stoffe ist natürlich weder erlaubt noch nachweisbar. Nur zur Information: die Entsorgung gefährlicher Abfälle wird mit bis zu 500 Euro pro Tonne vergütet.

Bei der Grasberg – Mine wird gesagt, dass dies wohl die profitabelste Mine der Welt sei. Ich glaube, hier muß sich Thalham nicht verstecken.

Und wenn Sie mich jetzt fragen, was das mit dem Thema dieses Buches zu tun hat, kann ich nur wahrheitsgemäß antworten, dass eine Kopie der Genehmigung aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zu bekommen ist und dass auch nicht festzustellen ist, wer für diese verantwortlich zeichnet. Die Zuständigkeiten verschwinden im Bermudadreieck der Behörden. Vom Landratsamt erhalten wir die folgende, lichtreiche Auskunft:

„ bei  Kiesabbauvorhaben werden im Rahmen eines komplexen rechtsstaatlichen Genehmigungsverfahrens alle öffentlich und rechtlich relevanten Vorgaben umfassend geprüft – so auch beim von Ihnen genannten Vorhaben der Gemeinde Obing. Dementsprechend enthalten Kiesabbau – Genehmigungsbescheide eine Vielzahl von Auflagen und Bedingungen ( in der Regel etwa 50 ) “

Aha, soso, alles klar.

Die Frage, wieso in einem hochsensiblen Gebiet ein dermaßen problematischer Abbau erfolgen darf, kann mir niemand beantworten und ich denke, darauf gibt es auch keine Antwort, es sei denn, Sie lesen weiter in diesem Buch.

Hinterlassenschaften der Seekühe.

Ein weiteres Breispiel gefällig, ebenfalls aus dem Landkreis Traunstein, diesmal unmittelbar am Chiemsee gelegen, in dem zu Chieming gehörenden Ortsteil Schützing?

Hier, an einer traumhaft gelegenen Stelle des Sees am Ostufer mit Bergblick, Bootshaus, Steg und einem bei Seglern besonders geschätzten Seezugang liegt ein alteingesessener Bauernhof mit Rinderhaltung. Durch die Vermietung von Bootsliegeplätzen ist man so richtig zu Geld gekommen und hat dies in die Erweiterung des Viehbestandes gesteckt. So weit so gut.

Dabei hat man die beengten Verhältnisse durch großzügige Neubauten ergänzt und einen ganz großen Schritt nach vorne getan. Der ehemals beschauliche Hof wird mit einigen hundert Kühen quasi industriell bewirtschaftet.

So weit so gut, wenn man von der Befindlichkeit der Kühe absieht. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass Kühe naturgemäß jede Menge Mist hinterlassen, wie jeder weiß. Früher, also in der grauen Vorzeit, hat man die Kühe mal gelegentlich auf die Weide geführt und hat den mit Stroh ausgelegten Stall entmistet. Heute kann man sich diese aufwändige Haltungsform aufgrund der Dumping – Preise natürlich nicht mehr leisten. Die Kühe stehen auf Metallrosten in ihren eigenen Exkrementen, die in Sammelbecken fließen und in einem Güllebehälter gesammelt werden. Diese Gülle, die streng genommen eine Art Sondermüll darstellt, muß natürlich entsorgt werden. Und hier hört es in Schützing auf mit dem „ so weit so gut “. Um längere Transportwege zu vermeiden, werden die ganzen umgebenden Felder zu einer Art Sondermülldeponie umfunktioniert: es wird in großem Stil und in riesigen Mengen Gülle ausgebracht.

Das wäre, außer der bekannten und vieldiskutierten Nitratbelastung des Grundwassers, im Prinzip noch verschmerzbar. In diesem Fall jedoch findet das alles in einem Gürtel von wenigen hundert Metern zum See statt. Jeder Spaziergänger vor Ort kann die vielfältigen Bäche und Rinnsale sehen, die in diesem Uferabschnitt in den Chiemsee führen. Über die Auswirkungen von Gülle auf die Gewässereigenschaften eines Sees brauche ich mich hier wohl nicht weiter auszulassen.

Fragen Sie mich auch nicht, wie das Landratsamt einen Betrieb dieser Größenordnung und das Verbringen der Gülle auf den nahe gelegenen Feldern genehmigen konnte.

Ich könnte mir eine Stellungnahme wie folgt vorstellen:

„ bei  landwirtschaftlichen Betrieben werden im Rahmen eines komplexen rechtsstaatlichen Genehmigungsverfahrens alle öffentlich und rechtlich relevanten Vorgaben umfassend geprüft – so auch beim von Ihnen genannten Vorhaben der Gemeinde Chieming. Dementsprechend enthalten Genehmigungsbescheide für landwirtschaftliche Betriebe eine Vielzahl von Auflagen und Bedingungen ( in der Regel etwa 50 ) “

Australien und die Welt.

Heute beginnt endlich wieder die Show der untersten Schublade der Unterhaltungsindustrie, das Dschungelcamp in Australien bei RTL. Der Fankreis eines Millionenpublikums wartet bereits begierig auf die nächste Folge. Bekanntlich werden hier die einfachsten Bedürfnisse der Zuschauer befriedigt, indem sich ehemalige und Möchtegern - Sternchen, abgehalfterte Größen aus Sport und Entertainment, zum Deppen machen, diesmal mit einem echten, ehemaligen Minister der Bundesregierung. Das ist eigentlich nicht das Besondere und ich wäre eigentlich auch gar nicht darauf eingegangen, weil ich mir dann das Buch „ Unter Primitiven “ hätte sparen können. Nein, das Außergewöhnliche ist die Tatsache, dass die Dreharbeiten einem Land zugeordnet werden, in dem es gerade lichterloh brennt. Hunderte Millionen Tiere sind bereits elendiglich verbrannt und ein Gebiet wie Bayern und Baden – Württemberg zusammen ist in Flammen aufgegangen. Gemäß dem Motto „ the show must go on “ fliegt der ganze Tross von RTL nach Südafrika, um zu dokumentieren, wie die Akteure  im Schein des Lagerfeuers ihren Frust herauslassen und bei einem Dinner gegrillte Känguruhoden in sich hineinwürgen.

Obwohl bereits beschwichtigend von RTL mitgeteilt wurde, dass die Lagerfeuer mit Gas betrieben werden, ist die mangelnde Sensibilität, mit der auf diese Brandkatastrophe in Australien reagiert wird, schlicht unfassbar. Sie ist allerdings Symptom einer Geisteshaltung, die unsere Gesellschaft charakterisiert. So wie es aussieht, scheint es eine einfache Funktion zu geben zwischen dem Grad der Betroffenheit und der räumlichen Entfernung. Wenn bei uns das Schrebergartenhäuschen brennt, läuft schreiend alles zusammen. Sehen wir bei Chips und Cola dabei zu, wie ein verkohlter Koala aus der Krone eines Eukalyptusbaums fällt, können wir uns eines gewissen Mitgefühls nicht erwehren, bedauern das arme Tier, sind vielleicht auch ein wenig traurig, bleiben aber in der Regel ziemlich cool.

Ist das jetzt schlecht? Nein, es zeigt nur auf, wie wir so ticken.

Was wir heute sehen können, ist ein Ereignis in weiter Ferne und doch unmittelbarer nah. Bilder des Feuerinfernos, der verzweifelt gegen das Feuer ankämpfenden Rettungsmannschaften, der am Boden zerstörten Familien vor ihren niedergebrannten Häusern. In Realzeit können wir dabei auch die Wanderungsbewegungen der Rauchwolken über die gesamte Erde beobachten. Und wir könnten, wenn wir wollten, einen Zusammenhang mit dem Klimawandel herstellen und uns die Frage stellen, ob das auch etwas mit uns zu tun hat. Und wir könnten uns wenigstens ein wenig mehr als üblich betroffen fühlen.

Nix da – sagt RTL und die Quote steigt. Weil ja noch ein weiterer Kitzel hinzugekommen ist ( der Minister ). Und Australien ist aktuell im Fernsehen. Die Einschaltquoten waren - wie sich nach der ersten Folge   herausstellte - so hoch wie nie und der Minister ist wegen Erschöpfung zurückgetreten.

Nix da - sagen auch die Fernsehzuschauer, die gebannt auf ihre Großbildschirme starren und mit den Promis die erste Nacht unter freiem Himmel verbringen. Und auch die Zuschauer können sich nicht vor dem gräßlichen Getier schützen, das nur darauf wartet, sie zu stechen, beißen oder auf ihnen herumzuklettern. Sie gruseln sich gehörig. Und sie können ihr Votum abgeben, wer es vergeigt hat und aus dem Camp ausscheiden soll. Das können sie bei den Buschbränden im richtigen Australien beispielsweise nicht. Vorschlag: vielleicht könnte die Empathie für Australien dadurch etwas mehr gesteigert werden, daß man die Löschhubschrauber virtuell ( beispielsweise mit einer Xbox oder einer switch ) steuern kann. Das könnte vom öffentlich - rechtlichen Bezahlfernsehen als pädagogisches Hilfsmittel gesponsert werden. Unter dem Motto Schau hin! Es brennt!

Vorgestern war ich auf einer Veranstaltung in einem kleinen, beschaulichen Städtchen hier in Nordrhein -Westfalen, der selbsternannten „ Blütenstadt Leichlingen “. Hier haben einige örtliche  Initiatoren den Film „System Error!“ von Florian Opitz vorgeführt. Anwesend war auch die ehemalige Bundesgeschäftsführerin von Attac Deutschland, Sabine Leidig, heute Bundestagsabgeordnete für die Partei „Die Linke“. Eindrucksvoll werden in dem Dokumentarfilm die globalen Probleme aufgezeigt, die sich aus einem ungezügelten Wirtschafswachstum und der damit einhergehenden Plünderung des Planeten durch einige wenige Profiteure ergeben. Die Zuschauer waren sichtlich betroffen, landeten in der Diskussion jedoch sehr schnell bei ihren Themen vor Ort wie zum Beispiel Radwege, Verkehrsverbindungen des öffentlichen Nahverkehrs, Nutzung von Freiflächen für die Wohnbebauung. Typischerweise standen auch dort wieder kommerzielle Interessen im Vordergrund. So sagte einer der Teilnehmer, selbst Mitglied im Rat der Stadt Leichlingen, dass die Erhaltung von Grünflächen, auf die man sich im Rat geeinigt habe, bei konkreten Entscheidungen oft keine Rolle spiele. Und Bäume, die man selbst stehen lassen würde, werden von einem anderen Zuständigkeitsbereich, in diesem Fall von Straßen NRW, einfach so umgelegt. Es sei festzustellen, dass mehr Bäume gefällt als angepflanzt werden.

Dieser Spagat zwischen der Verantwortung für den ( desolaten ) Zustand dieser Erde und den sich aus dem Verhalten einzelner ergebenden Konsequenzen ist in der Regel unauflösbar und jeder ist darauf angewiesen, sich seinen eigenen Reim daraus zu machen. Wenn Herr Mustermann in Leichlingen häufiger auf das Rad steigt, statt seinen SUV zu benutzen, ist das ein lobenswerter Ansatz, macht das den Kohl aber auch nicht fett. Das ist in etwa so, als wenn man einen ICE dadurch stoppt, dass man ein Reiskorn auf die Schiene legt. Trotzdem klammert man sich an die Hoffnung, man könne etwas bewirken.

Zur Selbstberuhigung sind entsprechende Einzelmaßnahmen absolut sinnvoll und sie senden auch ein  positives Signal aus, mutieren allerdings auch leicht zur Selbsttäuschung. Selbst auf die Gefahr hin, gehörig anzuecken und mich heftiger Kritik auszusetzen, fordere ich jeden auf, die Relevanz seines ökologisch wohlgemeinten Verhaltens zu überprüfen und dies in den Bezugsrahmen des Gesamtverhaltens zu stellen. Die Bilanz ist in der Regel ernüchternd, zumal uns in vielen Fällen auch jedes Bewusstsein oder schlicht und einfach die Kenntnis bestimmter Zusammenhänge fehlt. Mit Bewusstsein meine ich, dass uns in der Regel überhaupt nicht gegenwärtig ist, welche indirekten Kosten, Aufwendungen und Umweltbelastungen alleine mit der Tatsache verbunden sind, dass wir uns jetzt, hier und heute, an diesem Ort bewegen, sitzen oder liegen. Wir sehen nur die unmittelbaren Kosten, wenn wir Geld ausgeben und Leistungen beanspruchen, etwa für den Prepaid – Tarif ALDI TALK s, berücksichtigen dabei aber verständlicherweise überhaupt nicht, welcher Aufwand getrieben werden muss, um uns diesen Service bieten zu können. Das Internet, mit dem wir in den vielfältigsten Bereichen verbunden sind, ob wir es wollen oder nicht, belastet die Umwelt in der Größenordnung des gesamten Straßenverkehrs. Die gesamte Illumination und Beheizung eines Baumarkts oder Citycenters haben wir mit zu verantworten, ob wir etwas kaufen oder nicht. Alleine unsere Teilhabe an öffentlichem Raum belastet unsere Ökobilanz negativ, da dieser Raum bewirtschaftet, erhalten, gepflegt, sauber gehalten, beleuchtet, überwacht, gesichert und verwaltet werden muss. Alle Einrichtungen, die ein Großflughafen besitzt, sind auf die Anzahl der Passagiere und damit auf Sie und mich umzulegen. Vorausgesetzt  natürlich, dass Sie schon mal geflogen sind und/ oder fliegen wollen. Aber selbst wenn Sie das nicht vorhaben oder sogar ablehnen, sind Sie, alleine weil Sie da sind, in den Planungen berücksichtigt.

Auch die Kosten Ihrer Regierungsvertreter und deren Aufwandsverhalten haben Sie persönlich mitzuverantworten.

Apropos Regierungsvertreter.

Wenn also der einzelne, so mein Postulat, so gut wie nichts bewirken kann, wie sieht es dann mit unseren Repräsentanten auf der Regierungsbank aus? Tja, mein Eindruck von der Einflussmöglichkeit vom Frau Leidig war, ehrlich gesagt, eher ernüchternd. In hunderttausend Ausschüssen sitzend, vorbereitend, beratend, Vorschläge einbringend, Herrn Scheuer, den angezählten Verkehrsminister, kritisch begleitend. Was ist aus der Kämpferin an vorderster  Front geworden? Wie ist es, wenn man von einer Nichtregierungsorganisation in eine Regierungsorganisation wechselt? Wird man dann womöglich kompromissfähiger?

Jedenfalls hat sie positiv kommentiert, dass die Friday for Future – Bewegung ja einiges losgetreten  und die Initiative von Frau von der Leyen, der Ratspräsidentin der EU, mit angestoßen habe. Immerhin..

Zweifellos geht der Vorstoß unserer ehemaligen Verteidigungsministerin in die richtige Richtung. Erste Reaktionen aus Regionen, die wirtschaftlich besonders betroffen sind, lassen erwarten, dass es ein steiniger Weg sein wird. Inzwischen schmelzen die Polkappen lustig weiter und die Ozeane erwärmen sich, wie gerade erneut festgestellt. Eis wird massenhaft in die Weltmeere gekippt und das Wasser wird wärmer. Wer soll das begreifen? Aber Spaß beiseite, die Lage ist todernst, zumindest für die Mikrolebewesen, die auf konstante Wassertemperaturen angewiesen sind. Es muss sofort gehandelt werden, das weiß eigentlich jeder, nur: wie schafft man das?

Gerade war ich in einem Supermarkt in der Nähe ( Sorry, einen anderen Laden gibt es nicht innerhalb eines Radius von einigen Kilometern Entfernung ), da ließ sich ein äußerst ungesund aussehender Mensch von der Kassiererin eine Gitterbox öffnen und fingerte mit zitternden Händen zwei Packungen heraus: eine tonnenförmige Megapackung Tabak und eine Zigarettenpackung. Das mit dem Tabak nehme ich an. Ich habe vor lauter Warnhinweisen sonst nichts erkennen können, auch die Zigarettenmarke nicht. Ich habe nur lesen können, dass Rauchen tödlich ist und die ganze Familie vergiftet wird. Dazu das Bild einer Familie mit einem Kleinkind, das offensichtlich wegen der Rauchschwaden das Gesicht verzieht. Jetzt gehe ich davon aus, dass besagter Mann keine Familie besitzt, aber der Warnhinweis würde mich doch ein wenig irritieren, weil ich ja früher sterbe, wenn ich dieses Produkt konsumiere. Dieser Hinweis scheint weitgehend wirkungslos zu sein, wenn ich mich so umsehe. Jetzt frage ich mich doch: wie soll man sich für das Artensterben, die Umwelt, die Zukunft des Planeten, die Zukunft nachfolgender Generationen interessieren, wenn einem das eigene Leben nichts wert ist?

Zwei Dinge drängen sich mit auf. Erstens liegt das Ereignis, der Tod, in der Zukunft und wer weiß schon, wann die eintritt und was in der Zwischenzeit so passiert. Und zwotens: meine Zigarette schmeckt mir jetzt. Und wenn sie auf ist, muss ich eine neue haben, und damit da kein Engpass entsteht, muss ich rechtzeitig für Nachschub sorgen.

Wie jeder Raucher weiß, ist es verdammt schwierig, aus diesem Schema auszubrechen und sich zu sagen: Nein, ich rauche jetzt nicht mehr, weil mir meine Gesundheit und mein Leben lieb sind und ich möchte auch nicht andere belästigen und wie ein Ausgestoßener in der Kälte vor der Türe stehen.

Wenn man einen radikalen Wechsel in einem bestehenden, offenkundig für alle Beteiligten schädlichen Verhalten möchte, geht dies nicht ohne signifikante Verhaltensänderung, etwa durch Verzicht oder zumindest Einschränkungen. Aber wer will das schon? Und vor allem: wer bringt den Willen auf, dies konsequent umzusetzen? Wenn es schon dem Raucher, der mit dem Tod bedroht ist, nicht gelingt, das Rauchen einfach einzustellen, wie ist es dann um jenen Zeitgenossen bestellt, der wegen desaströser Zustände in der Tierverwertung eigentlich kein Fleisch mehr essen möchte? Zugegeben: im Fall der Zigarette kommt die Suchtkomponente hinzu, trotzdem ist auch das Fleischessen ein liebe Gewohnheit und sicher auch in einem bestimmten Grad physiologisch bedingt. Schließlich zählen wir zu den Fleischfressern.

Tierische Zustände.

Die Tierhaltung ist Massentierhaltung. Jeder kennt die Bilder von Hühnern und Puten, die in riesigen Hallen bei künstlichem Licht gehalten und möglichst hermetisch von der Außenwelt  abgeschirmt werden. Sie leben praktisch unter kontrollierten Bedingungen. Nichts ist dem Zufall mehr überlassen, Klimatisierung und Futterzufuhr sind automatisiert, die Gewichtszunahme ist vorprogrammiert und auch der Todeszeitpunkt. Schlachten, Zerteilen, Portionieren in SB – gerechte Stücke, das Konfektionieren, Wiegen, Begasen, in Folie Einschweißen, Etikettieren, erfolgt ohne menschliches Zutun. Genauso geht es dann weiter: der Logistikdienstleister sorgt für die Zwischenlagerung und Weiterleitung an das Zentrallager, das dann die einzelnen Filialen der Supermarktriesen versorgt. Auch dort maximale Effizienz: schnelles Verteilen in die Kühltheke, reibungsloses über den Scanner -  Ziehen. Und nicht zu vergessen: dafür zu sorgen, dass die abgelaufene Ware entsorgt wird. Dabei nimmt man sich nicht einmal die Zeit, den Inhalt von der Verpackung zu trennen. Da die Automatisierung auch in den letztgenannten Bereichen, Distribution und Logistik, ständig zunimmt, werden auch die letzten Refugien menschlichen Handelns verschwinden. Intelligente Robotersysteme können eigentlich alle Aufgaben übernehmen.

Was Sie auch kennen, sind die Sicherheitsmaßnahmen, die getroffen werden müssen, wenn entsprechende Betriebe der Massentierhaltung betreten werden. Es gibt Hygienesperren und Schutzanzüge, damit keine Krankheitserreger  in die Ställe kommen können. Es gibt ein ausgeklügeltes Klimatisierungssystem mit entsprechenden Filtern. Denn das ist das Horrorszenarium jedes Massentierhalters: die Infektion mit bedrohlichen Keimen, Viren und Bakterien. Dies kann verheerende Auswirkungen auf den gesamten Tierbestand haben, nicht etwa wegen der Tiere, die jetzt vielleicht massenhaft erkranken, möglicherweise sogar sterben oder getötet werden müssen – Gott bewahre, nein…… - , sondern wegen der wirtschaftlichen Einbußen, die bis zum Totalverlust führen können. Um dies zu verhindern, werden großzügig Antibiotika eingesetzt, selbst auf die Gefahr hin, dass sich Resistenzen bilden und damit die Wirksamkeit eingeschränkt wird. Oft werden Antibiotika auch prophylaktisch dem Trinkwasser beigemischt. Dies wirkt sich sogar auf den Menschen aus und führt dazu, dass manche Infektionen nur noch schwer bzw. überhaupt nicht mehr behandelt werden können. Besonders perfide ist dabei die Tatsache, dass die Tierärzte von dem kranken System profitieren, da auch sie ein wirtschaftliches Interesse haben, möglichst viele Antibiotika einzusetzen, da sie diese an die Mastbetriebe verkaufen. Machen wir uns nichts vor: auch Bakterien sind intelligente Wesen und in der Lage, sich innerhalb kürzester Zeit an wechselnde, für sie lebensbedrohliche Umweltbedingungen anzupassen, vielleicht sogar besser als der Mensch. Schließlich sind sie ja auch bedeutend älter als homo sapiens sapiens. Bereits geringste Spuren von Antibiotika im Organismus unterhalb der Wirksamkeitsschwelle können dazu führen, dass sich die Bakterien darauf einstellen und entsprechende Abwehrmechanismen entwickeln.

Was uns wieder zu dem Thema dieses Buches führt, ist die Art des Umgangs mit unseren tierischen Mitbewohnern dieser Erde, die als Teil der Schöpfung diese Welt besiedeln und denen wir in der Vergangenheit und auch heute noch in vielen Bereichen mit äußerstem Respekt entgegentreten. Es gab durchaus Kulturen, in denen man der Auffassung war, dass man der Natur nur so viel entnehmen sollte, wie diese wieder herzustellen in der Lage war. Nachdem diese antiquierte Natursicht erfolgreich überwunden worden ist, indem man die Ressourcen dieser Erde bis zur Erschöpfung plünderte, ist man zunehmend dazu übergegangen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Was nicht schnell genug wuchs, wurde im Wachstum gefördert, was keine natürliche Lebensgrundlage mehr fand, dem wurde eine neue Lebensgrundlage geschaffen. Nicht erwünschte Eigenschaften wurden zunehmend eliminiert und erwünschte gefördert. Dabei entfernt man sich mit jedem Schritt der technologischen Entwicklung von den natürlichen Lebensgrundlagen. Moderne Fertigungseinrichtungen machen es heute schon vor: selbst der Mensch spielt keine Rolle mehr. Höchstens am Joystick zur Überwachung der Prozesse oder als Systemadministrator im Computerraum.

Die letzten natürlichen Überlebenden in freier Wildbahn müssen dabei geschützt werden wie jenes Breitmaulnashorn, das rund um die Uhr von vier schwerbewaffneten Rangern begleitet werden muss, um es vor dem Abschuß von Wilderern zu bewahren. Wenn ein einziger Thunfisch für 50.000 Dollar auf dem Fischmarkt von Tokio von einem Edelrestaurant ersteigert wird, ist der Startschuss für das Halali auf die letzten Thunfischbestände dieser Erde geblasen. Stellen Sie sich einmal vor, was dieser Betrag für einen Fischer in Malaysia oder auf den Philippinen bedeutet! Fazit: man wird die Bestände schützen müssen. Dies führt allerdings– Pech gehabt - zu geringeren Mengen und höheren Preisen ( siehe Thunfisch ). Der einzige Ausweg ist in diesem Fall die Aquakultur, die allerdings mit einer Reihe gravierender Probleme belastet ist. Die Folgen sind künstliche Zombies, deren Verbreitung in den Weltmeeren nichts entgegensteht.

Die verheerendsten Folgen ergeben sich jedoch für uns Menschen, da wir uns von dem Fisch als lebendigen Teil unserer Existenz, der unsere Achtung und Bewunderung verdient, immer mehr entfernen.

In Chile beispielsweise habe ich es selbst erlebt, dass auf den Märkten von der einheimischen Bevölkerung überwiegend Zuchtlachs gekauft wurde, obwohl die heimische Fischerei ein überreiches Angebot an Fischen anzubieten hat. Diese wäre auch heute noch in der Lage, die chilenische Bevölkerung nachhaltig mit Fisch zu versorgen. Tatsache ist, dass der Lachs von den großen Fischfarmen billiger ist als das lokale Angebot. Die industrielle Produktion und die preisoffensive Vermarktung führen dazu, dass es sich für die einheimischen Fischer einfach nicht mehr lohnt, auf das Meer hinaus zu fahren. Ganz abgesehen davon, dass die ganz großen Fänge von den großen Fischereiflotten gemacht werden, die rund um den Globus die Weltmeere plündern, um  die Supermärkte der Welt zu bedienen. Hocheffizient und weitgehend technisiert und automatisiert. Dabei werden die Fischfilets sogar künstlich mit Wasser aufgespritzt, um ein höheres Gewicht und einen höheren Gewinn zu erzielen.

Die Missachtung der natürlichen Lebensgrundlage und des Respekts vor Tieren und Pflanzen und auch vor Hege und Pflege, die üblicherweise mit der Aufzucht von Vieh und dem Anbau von pflanzlichen Produkten verbunden ist, führt zu einer Verfremdung, die entsprechende Produkte lediglich zu einem x – beliebigen Gegenstand, etwa wie Putz – und Reinigungsmittel, werden lassen. Damit entfällt jede Wertschätzung, die sich unter anderem in der Reduktion auf den Preis als hauptsächliches Kaufkriterium reduziert. Ich spreche hier nicht von den Gourmets in Fresstempeln oder auf dem Viktualienmarkt in München, die fast jeden Preis zu zahlen bereit sind, sondern von den Supermärkten rund um die Welt.

Wenn ich heute zum Discounter oder in einen Supermarkt gehe, werden die von mir ausgesuchten Waren eiligst über eine Scannerkasse gezogen und – wenn ich nicht schnell genug bin – von der Kassiererin oder dem Kassierer in meinen Einkaufswagen geschoben, so als stünde jemand hinter der Kasse und würde zur Eile antreiben. Und es ist ja auch nicht auszuschließen, dass der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin,  überwacht wird und auch ich muss damit rechnen, beobachtet zu werden, wie ich umständlich meine Geldbörse aus der Hosentasche ziehe und versuche, den angezeigten Betrag der Kassiererin oder dem Kassierer auszuhändigen. Ich habe auch schon Leute beobachtet, insbesondere ältere Menschen, die ziemlich lange brauchten, ihre Groschen zusammenzuzählen. Das sieht man nicht gerne. Das hält den Betrieb auf, denn auch Zehntelsekunden sind Geld. Besser die Kreditkarte an das Eingabegerät halten und in Sekundenbruchteilen ist die Transaktion erledigt. Wenn ich dann der gehetzten Kassiererin oder dem Kassierer zusehe, beispielsweise bei Edeka, dann kann ich nicht umhin, an den Werbespruch von Edeka zu denken: „ wir lieben Lebensmittel “  und ich frage mich beklommen, wer hier wen liebt und was hier Liebe sein soll. Ich kann bestenfalls Indifferenz beobachten, Neutralität, Gleichgültigkeit, Hetze, oder sogar eine leichte Anspannung bis Genervtheit und auch an der Fleischtheke ist mir die Liebe nicht begegnet. Lieben die Mitarbeiter ihren Job? Was liebt der Filialleiter? Die Fleischverkäuferin vielleicht? Was liebt der Einkäufer? Vermute mal günstige Konditionen oder sein üppiges Gehalt. Was ich allerdings nicht erkennen kann, ist Liebe gegenüber den Lebensmitteln. Ja, ich würde mich sogar zu der Behauptung versteigen, dass ziemlich lieblos mit den einzelnen Sachen umgegangen wird. Etwa mit Blumen und Pflanzen. Ich habe mir sagen lassen, dass Schnittblumen schon in einem Eimer mit Wasser geliefert werden, damit im Supermarkt oder Discounter keine Zeit mit Wasserschleppen verplempert wird. Pech natürlich, wenn die Ware nicht schnell genug abfließt oder wenn Pflanzen in der Sonne stehen. Dann welkt die Liebe und es sieht zum Erbarmen aus. Worin besteht die Liebe? Im Regaleinräumen, im Haltbarkeitsablesen, im Entsorgen abgelaufener Ware? Ist es liebenswert, die bedauernswerte, eingeschweißte, begaste Makrele in den Container zu werfen, nur weil ihr Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist?

Kann es nicht sein, dass hier etwas ganz anderes am Werke ist als Liebe? Gleichgültigkeit vielleicht, Gedankenlosigkeit, Wurstigkeit, Desinteresse, Egoismus? Sind das, in Verbindung mit der Dominanz technischer, automatisierter, zeitgetakteter, ergebnisorientierter Effizienz, die Zeichen der Zeit in unserem Miteinander?

Oder ist es mehr das, was hinter dem Spruch von Lidl verborgen ist: „Lidl lohnt sich“.

Raten Sie mal, für wen es sich am meisten lohnt

Die Bauern protestieren mit Traktorenkorsos gegen die Agrarpolitik und beklagen lautstark, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Dazu sollte man wissen, dass sich die Landwirtschaft gravierend gewandelt hat. Die Wertschätzung vergangener Tage hat sich auf die Arbeit eines Landwirts gegründet, der seinen Produkten auch mit Wertschätzung begegnet ist. Er hat persönlich den Acker  bearbeitet, die Saat ausgebracht, die Ernte eingefahren, das Vieh versorgt, gefüttert, gemolken und den Stall ausgemistet. Er hat verschiedene Gemüsesorten angebaut, Hühner gehalten, Schweine, Ziegen, vielleicht sogar einige Bienenstöcke versorgt und seinen Bauerngarten gepflegt. Dies alles trotz der ganzen Arbeit mit einer gewissen Hingabe und ……….Liebe.

Was Sie heute erleben, das ist der Versuch, aus Grund und Boden möglichst viel herauszuholen, koste es was es wolle. Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die Traktoren allesamt so gut wie neu sind, überdimensional groß, sowohl in der Höhe wie der Breite.

Dazu AUTO BILD:

„ Super-Trecker mit 500 PS

Moderne Traktoren sind Wohlfühloasen für den Landwirt. AUTO BILD war im 500 PS starken Fendt 1050 Vario unterwegs – dem stärksten Serien-Traktor!

3,60 Meter streckt sich der Traktor in die Höhe und misst 2,95 Meter in der Breite.

Trecker fahren! Hoch auf dem Bock Hühner über den Acker jagen, bei jeder Furche hochgeschleudert werden, Krach in den Ohren und Dieselgeruch in der Nase. Ein Jungstraum wird wahr. Aber dann schwingt die Glastür mit einem schmatzenden Geräusch auf, und der Blick fällt auf den breiten Sitz, der auch in Omas Kaminzimmer stehen könnte. Mit einem Zischen sinkt er kurz ein, drückt sich mit leisem Gurgeln wieder hoch. Durchatmen und wohlfühlen. Landwirte lieben es gemütlich. Neueste Endstufe der Bequemlichkeit: der Fendt 1050 Vario, mit 500 PS der stärkste Traktor auf dem Markt. Einer, der was wegzieht. Und er kann noch viel mehr! “

Sei dem Bauern wirklich sein Trecker gegönnt zum Preis eines Ferraris und ich kann es wirklich verstehen, wenn er es bequem haben und klassische Musik hören möchte, denn wann kommt er mal in einen Konzertsaal? Aber Spaß beiseite: dieser Traktor steht symptomatisch für die fortschreitende Technisierung der Landwirtschaft, die stellenweise mit horrenden Kosten verbunden ist. Wenn bereits der Traktor so viel kostet, wie soll man dann auch noch die anderen  Gerätschaften finanzieren? Den Pflug, die Saat -, Dünger - , Erntemaschine? Ganz abgesehen von den sonstigen Kosten wie Gebäude, Kredite, Energiekosten, Versicherungen? Die Lösung besteht darin, dass man Fixkosten in variable Kosten verwandelt. Also least man die Gerätschaften oder, sehr viel effizienter und wirtschaftlicher, man beauftragt ein Lohnunternehmen, die jeweilige Teilleistung zu erbringen. Man fährt also nicht mehr selbst die Gülle aus, sondern beauftragt einen Unternehmer, der nichts anderes macht, entsprechend qualifiziert ist und die Gerätschaften vorhält, um die Gülle möglichst schnell und kostengünstig auszubringen. Was das heißt, können Sie selbst beobachten: so wie die Traktoren immer größer werden, nehmen auch die Güllefahrzeuge an Volumen zu und besitzen spezielle Vorrichtungen, die dafür sorgen, dass der Sondermüll geruchsarm unter Hochdruck über Verteilerdüsen direkt in die Krume eingebracht wird. Dass dies seinen Preis hat, versteht sich von selbst. Das kann sich ein einzelner Bauer überhaupt nicht leisten.

Um noch eine Zehnerpotenz höher als bei einem Gülleanhänger liegen die Kosten etwa bei Mais – Erntemaschinen, wahre Monster, die kaum unter einer halben Million zu haben sind.

Streng genommen kann eigentlich jede Tätigkeit in der modernen Landwirtschaft von Maschinen und digitalen Helfern übernommen werden: das zu bearbeitende Areal, die Bodenbeschaffenheit etc, wird über eine Drohne digital erfasst, es wird über eine App eine Anbauempfehlung gegeben, die einzelnen Lohnunternehmen für das Pflügen, die Verteilung des Saatguts, das Düngen und Spritzen, das Ernten werden online beauftragt, die Termine werden eingetragen und los geht’s ………….

Trecker ziehen ja heute schon digital ihre Furchen.

Was dabei vollkommen verloren geht, ist der persönliche Bezug zum Produkt. Es ist doch letztlich egal, was man da produziert: Milch, Schweine, Hühner, Bohnen, Erdbeeren, Mais oder Mehl, man muss nur das entsprechende Know Houw besitzen und die technischen Möglichkeiten nutzen. Wichtig ist einzig und allein die wirtschaftliche Tragfähigkeit und da haben sich viele Bauern schlicht verkalkuliert. Weil sie Bauern sind und keine Kaufleute. Beispielweise haben sie, weil sie gesehen haben, dass der Milchpreis in den Keller geht, in immer größere Ställe investiert. Weil mehr Kühe mehr Umsatz bringen. Logo.

Wir haben bereits festgestellt, dass es eine Fiktion ist, vom Discounter eine substantielle Identifikation mit seinen Produkten zu verlangen und dass diese in seelenlosen Verpackungseinheiten  in möglichst uniformen Verpackungseinheiten im Akkord über den Scanner gezogen werden. Wertschätzung oder gar Liebe zum Produkt bleibt da auf der Strecke. Und wenn der Einkäufer, wie wir festgestellt haben, auch keine Liebe zum Produkt hat, wo soll sie dann herkommen? Der Verbraucher hat seine Wahl getroffen: er vertraut dem Discounter, sonst würde er ja dort nicht einkaufen und geht davon aus, dass der einen guten Job macht. Das Produkt wird schon stimmen und dass der Preis klar geht, das kann man ja wohl annehmen, schließlich ist man ja in einem Geschäft, in dem man günstig einkaufen kann. Man nimmt auch in Kauf, dass die Artikel fast ausnahmslos verpackt sind, dass man die Verpackung mit bezahlt, diese oftmals problematisch ist, dass man sie entsorgen muss und dass die Avocado aus Simbabwe kommt, einem anerkannten Schurkenstaat und „essreif“ ist, was nichts weiter bedeutet, als dass eine an sich unreife Frucht künstlich in einen reifeähnlichen Zustand gebracht wird.

Nein, bei dieser Ignoranz ist auch eine Wertschätzung gegenüber einem Berufsstand, der einen Großteil seiner Einnahmen aus der energetischen Verwertung von Mais bezieht und ausgepowerte Felder hinterlässt, die durch die schweren Erntemaschinen so verdichtet sind, dass man sie gleich zubetonieren könnte, nicht zu erwarten. Unter uns gesagt, es geht den Bauern auch überhaupt nicht wirklich um Wertschätzung, sondern um das Verhindern von Gesetzen, die das umweltschädliche Verhalten eindämmen und um Fördermittel vom Staat. Da kennt man sich aus. Schließlich sollen auch zum Teil unsinnige Investitionen etwa in Ferraris, mit denen sie zur Demo fahren, oder großzügige Erweiterungen des Viehbestandes bei gleichzeitig sinkendem Milchpreis, finanziell abgesichert werden. Sonst kommen die Banken und stellen Fragen.

Die Goldgrube.

Ich möchte jedoch, bevor wir hier zu sehr theoretisieren, noch ein Beispiel vor Ort anführen.

Sie  müssen gar nicht erst nach Westguinea zur Grasberg - Mine reisen, zum weltgrößten Gold – und Kupferbergwerk der Welt, zur Bingham Canyon Mine in den Quirrhy Mountains südwestlich von Salt Lake City oder nach Chuquicamata in der Atacama – Wüste, um sich von der Umweltzerstörung durch die Erschließung von Schürfrechten ein Bild zu machen. Es genügt ein kurzer Abstecher nach Thalham, einem verschlafenen Flecken zwischen dem oberbayerischen Obing und dem wildromantisch gelegenen Kloster Seeon, in dem gerade die CSU – Klausur tagt. Das Kloster liegt in der sogenannten Biotopen - Verbundachse zwischen dem  Naturschutzgebiet Eggstätt Hemhofer Seenplatte und dem Naturschutzgebiet Seeoner Seen. Die oben abgebildete Kiesgrube befindet sich unmittelbar angrenzend in einer eiszeitlichen Moränenlandschaft, die zu den schönsten Regionen Bayerns zählt.

Wie heißt es so schön in der Heimatzeitung „Der Endorfer“:

„Heute bildet das Gebiet, welches vor Jahrtausenden auf so faszinierende Weise entstanden ist, ein herausragendes Refugium für zahlreiche bedrohte Pflanzen und Tierarten. Erst ihre Entstehungsgeschichte  ermöglichte das vielfältige Mosaik an Lebensräumen, welches jenen Tier – und Pflanzenarten heute so mannigfaltige Entwicklung eröffnet. Unsere Aufgabe sollte es nun sein, dieses Juwel auch für die nachkommenden Generationen zu erhalten, sodass auch unsere Kinder und Kindeskinder die Faszination der Eiszeitseen erleben können “

So weit das Zitat.

Die  vom Landratsamt Traunstein für den Abbau genehmigte Menge beträgt ca. 2 Millionen Kubikmeter Kies. Ein 40 – Tonner LKW kann knapp die Hälfte des Gesamtgewichts an Kies transportieren. Nach Adam Riese erfordert der Abtransport also mindestens 100 000  LKW – Bewegungen. Da auch kleinere LKWs unterwegs sein werden, kann man von mindestens 150 000 Fahrten ausgehen. Die Grube wird wieder verfüllt, also sind wir bei schlappen 300 000 LKW - Fahrten. Ich erspare mir und Ihnen die Berechnung von CO2 und Feinstaub, der in dieser sensiblen Zone freigesetzt  wird. Der Transport erfolgt über schmale, für diese Belastung überhaupt nicht ausgelegte Landstraßen.

Ich habe mir erlaubt, bei der zuständigen Stelle nachfragen zu lassen, ob die ursprüngliche Landschaftsstruktur wieder hergestellt wird, nämlich der Moränenhügel, mit welchem Material verfüllt wird und ob durch eine Versiegelungsmaßnahme ( Folie, Drainage, Spundwand ) das Versickern eventueller Schadstoffe verhindert wird.

Die erstaunliche Antwort des Bauamts des Landratsamtes Traunstein lautet, dass eine ebene Verfüllung erfolgt ( auf Nimmerwiedersehen Moräne! ), dass im nordöstlichen Teil der Einbau von belastetem Material Z1.1 ( Bauschutt ) möglich ist ( willkommen Schadstoffe! ) und dass über der maximalen Abbautiefe ( nicht etwa unter ! ) der Verfüllung eine sogenannte Sorptionsschicht eingebaut wird, die aus Erdaushub oder Abraum besteht und 1 Meter dick ist.

Diese Sorptionsschicht wird angeblich sorgsam kontrolliert. Was aber überhaupt nichts an der Tatsache ändert, daß Oberflächenwasser einsickern kann. Um dies zu verhindern, müßte tonhaltige Erde aufgetragen werden und/oder ein Abdichtung durch eine Kunststofffolie erfolgen.

Fazit: Sickerwasser, das belastetes Fremdmaterial ausschwemmt, kann ungehindert in das Grundwasser gelangen, das ua. auch die naheliegenden, weitgehend unter Naturschutz stehenden, Seen speist. Im übrigen liegen die Seen weit unterhalb des  Niveaus der Bagger, die sich in die Moränenhügel fressen.

Nachzutragen wäre, dass ein Kubikmeter Kies im Verkauf zwischen 30 und 100 Euro bringt. Bei 2 Millionen Kubikmeter reden wir also über eine Größenordnung von 60 bis 200 Millionen. Das Befüllen der Gruben mit Abraummaterial lassen sich die Betreiber natürlich auch fürstlich bezahlen. Die Entsorgung von Bauschutt Z1.1 ( erlaubt im nordöstlichen Teil der Kiesgrube ) kostet beispielsweise zwischen 4 und 25 Euro pro Tonne. Das versehentliche Eintragen gefährlicher Stoffe ist natürlich weder erlaubt noch nachweisbar. Nur zur Information: die Entsorgung gefährlicher Abfälle wird mit bis zu 500 Euro pro Tonne vergütet.

Bei der Grasberg – Mine wird gesagt, dass dies wohl die profitabelste Mine der Welt sei. Ich glaube, hier muß sich Thalham nicht verstecken.

Und wenn Sie mich jetzt fragen, was das mit dem Thema dieses Buches zu tun hat, kann ich nur wahrheitsgemäß antworten, dass eine Kopie der Genehmigung aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zu bekommen ist und dass auch nicht festzustellen ist, wer für diese verantwortlich zeichnet. Die Zuständigkeiten verschwinden im Bermudadreieck der Behörden. Vom Landratsamt erhalten wir die folgende, lichtreiche Auskunft:

„ bei  Kiesabbauvorhaben werden im Rahmen eines komplexen rechtsstaatlichen Genehmigungsverfahrens alle öffentlich und rechtlich relevanten Vorgaben umfassend geprüft – so auch beim von Ihnen genannten Vorhaben der Gemeinde Obing. Dementsprechend enthalten Kiesabbau – Genehmigungsbescheide eine Vielzahl von Auflagen und Bedingungen ( in der Regel etwa 50 ) “

Aha, soso, alles klar.

Die Frage, wieso in einem hochsensiblen Gebiet ein dermaßen problematischer Abbau erfolgen darf, kann mir niemand beantworten und ich denke, darauf gibt es auch keine Antwort, es sei denn, Sie lesen weiter in diesem Buch.

Australien und die Welt.

Heute beginnt endlich wieder die Show der untersten Schublade der Unterhaltungsindustrie, das Dschungelcamp in Australien bei RTL. Der Fankreis eines Millionenpublikums wartet bereits begierig auf die nächste Folge. Bekanntlich werden hier die einfachsten Bedürfnisse der Zuschauer befriedigt, indem sich ehemalige und Möchtegern - Sternchen, abgehalfterte Größen aus Sport und Entertainment, zum Deppen machen, diesmal mit einem echten, ehemaligen Minister der Bundesregierung. Das ist eigentlich nicht das Besondere und ich wäre eigentlich auch gar nicht darauf eingegangen, weil ich mir dann das Buch „ Unter Primitiven “ hätte sparen können. Nein, das Außergewöhnliche ist die Tatsache, dass die Dreharbeiten einem Land zugeordnet werden, in dem es gerade lichterloh brennt. Hunderte Millionen Tiere sind bereits elendiglich verbrannt und ein Gebiet wie Bayern und Baden – Württemberg zusammen ist in Flammen aufgegangen. Gemäß dem Motto „ the show must go on “ fliegt der ganze Tross von RTL nach Südafrika, um zu dokumentieren, wie die Akteure  im Schein des Lagerfeuers ihren Frust herauslassen und bei einem Dinner gegrillte Känguruhoden in sich hineinwürgen.

Obwohl bereits beschwichtigend von RTL mitgeteilt wurde, dass die Lagerfeuer mit Gas betrieben werden, ist die mangelnde Sensibilität, mit der auf diese Brandkatastrophe in Australien reagiert wird, schlicht unfassbar. Sie ist allerdings Symptom einer Geisteshaltung, die unsere Gesellschaft charakterisiert. So wie es aussieht, scheint es eine einfache Funktion zu geben zwischen dem Grad der Betroffenheit und der räumlichen Entfernung. Wenn bei uns das Schrebergartenhäuschen brennt, läuft schreiend alles zusammen. Sehen wir bei Chips und Cola dabei zu, wie ein verkohlter Koala aus der Krone eines Eukalyptusbaums fällt, können wir uns eines gewissen Mitgefühls nicht erwehren, bedauern das arme Tier, sind vielleicht auch ein wenig traurig, bleiben aber in der Regel ziemlich cool.

Ist das jetzt schlecht? Nein, es zeigt nur auf, wie wir so ticken.

Was wir heute sehen können, ist ein Ereignis in weiter Ferne und doch unmittelbarer nah. Bilder des Feuerinfernos, der verzweifelt gegen das Feuer ankämpfenden Rettungsmannschaften, der am Boden zerstörten Familien vor ihren niedergebrannten Häusern. In Realzeit können wir dabei auch die Wanderungsbewegungen der Rauchwolken über die gesamte Erde beobachten. Bis nach Chile und darüber hinaus. Und wir könnten, wenn wir wollten, einen Zusammenhang mit dem Klimawandel herstellen und uns die Frage stellen, ob das auch etwas mit uns zu tun hat. Und wir könnten uns wenigstens ein wenig mehr als üblich betroffen fühlen.

Nix da – sagt RTL und die Quote steigt. Weil ja noch ein weiterer Kitzel hinzugekommen ist ( der Minister ). Und Australien ist aktuell im Fernsehen. Die Einschaltquoten waren - wie sich nach der ersten Folge   herausstellte - so hoch wie nie und der Minister ist wegen Erschöpfung zurückgetreten.

Nix da - sagen auch die Fernsehzuschauer, die gebannt auf ihre Großbildschirme starren und mit den Promis die erste Nacht unter freiem Himmel verbringen. Und auch die Zuschauer können sich nicht vor dem gräßlichen Getier schützen, das nur darauf wartet, sie zu stechen, beißen oder auf ihnen herumzuklettern. Sie gruseln sich gehörig. Und sie können ihr Votum abgeben, wer es vergeigt hat und aus dem Camp ausscheiden soll. Das können sie bei den Buschbränden im richtigen Australien beispielsweise nicht. Vorschlag: vielleicht könnte die Empathie für Australien dadurch etwas mehr gesteigert werden, daß man die Löschhubschrauber virtuell ( beispielsweise mit einer Xbox oder einer switch ) steuern kann. Das könnte vom öffentlich - rechtlichen Bezahlfernsehen als pädagogisches Hilfsmittel gesponsert werden. Unter dem Motto Schau hin! Es brennt!

Vorgestern war ich auf einer Veranstaltung in einem kleinen, beschaulichen Städtchen hier in Nordrhein -Westfalen, der selbsternannten „ Blütenstadt Leichlingen “. Hier haben einige örtliche  Initiatoren den Film „System Error!“ von Florian Opitz vorgeführt. Anwesend war auch die ehemalige Bundesgeschäftsführerin von Attac Deutschland, Sabine Leidig, heute Bundestagsabgeordnete für die Partei „Die Linke“. Eindrucksvoll werden in dem Dokumentarfilm die globalen Probleme aufgezeigt, die sich aus einem ungezügelten Wirtschafswachstum und der damit einhergehenden Plünderung des Planeten durch einige wenige Profiteure ergeben. Die Zuschauer waren sichtlich betroffen, landeten in der Diskussion jedoch sehr schnell bei ihren Themen vor Ort wie zum Beispiel Radwege, Verkehrsverbindungen des öffentlichen Nahverkehrs, Nutzung von Freiflächen für die Wohnbebauung. Typischerweise standen auch dort wieder kommerzielle Interessen im Vordergrund. So sagte einer der Teilnehmer, selbst Mitglied im Rat der Stadt Leichlingen, dass die Erhaltung von Grünflächen, auf die man sich im Rat geeinigt habe, bei konkreten Entscheidungen oft keine Rolle spiele. Und Bäume, die man selbst stehen lassen würde, werden von einem anderen Zuständigkeitsbereich, in diesem Fall von Straßen NRW, einfach so umgelegt. Es sei festzustellen, dass mehr Bäume gefällt als angepflanzt werden.

Dieser Spagat zwischen der Verantwortung für den ( desolaten ) Zustand dieser Erde und die sich aus dem Verhalten einzelner ergebenden Konsequenzen ist in der Regel unauflösbar und jeder ist darauf angewiesen, sich seinen eigenen Reim daraus zu machen. Wenn Herr Mustermann in Leichlingen häufiger auf das Rad steigt, statt seinen SUV zu benutzen, ist das ein lobenswerter Ansatz, macht das den Kohl aber auch nicht fett. Das ist in etwa so, als wenn man einen ICE dadurch stoppt, dass man ein Reiskorn auf die Schiene legt. Trotzdem klammert man sich an die Hoffnung, man könne etwas bewirken.

Zur Selbstberuhigung sind entsprechende Einzelmaßnahmen absolut sinnvoll und sie senden auch ein  positives Signal aus, mutieren allerdings auch leicht zur Selbsttäuschung. Selbst auf die Gefahr hin, gehörig anzuecken und mich heftiger Kritik auszusetzen, fordere ich jeden auf, die Relevanz seines ökologisch wohlgemeinten Verhaltens zu überprüfen und dies in den Bezugsrahmen des Gesamtverhaltens zu stellen. Die Bilanz ist in der Regel ernüchternd, zumal uns in vielen Fällen auch jedes Bewusstsein oder schlicht und einfach die Kenntnis bestimmter Zusammenhänge fehlt. Mit Bewusstsein meine ich, dass uns in der Regel überhaupt nicht gegenwärtig ist, welche indirekten Kosten, Aufwendungen und Umweltbelastungen alleine mit der Tatsache verbunden sind, dass wir uns jetzt, hier und heute, an diesem Ort bewegen, sitzen oder liegen. Wir sehen nur die unmittelbaren Kosten, wenn wir Geld ausgeben und Leistungen beanspruchen, etwa für den Prepaid – Tarif ALDI TALK s, berücksichtigen dabei aber verständlicherweise überhaupt nicht, welcher Aufwand getrieben werden muss, um uns diesen Service bieten zu können. Das Internet, mit dem wir in den vielfältigsten Bereichen verbunden sind, ob wir es wollen oder nicht, belastet die Umwelt in der Größenordnung des gesamten Straßenverkehrs. Die gesamte Illumination und Beheizung eines Baumarkts oder Citycenters haben wir mit zu verantworten, ob wir etwas kaufen oder nicht. Alleine unsere Teilhabe an öffentlichem Raum belastet unsere Ökobilanz negativ, da dieser Raum bewirtschaftet, erhalten, gepflegt, sauber gehalten, beleuchtet, überwacht, gesichert und verwaltet werden muss. Alle Einrichtungen, die ein Großflughafen besitzt, sind auf die Anzahl der Passagiere und damit auf Sie und mich umzulegen. Vorausgesetzt  natürlich, dass Sie schon mal geflogen sind und/ oder fliegen wollen. Aber selbst wenn Sie das nicht vorhaben oder sogar ablehnen, sind Sie, alleine weil Sie da sind, in den Planungen berücksichtigt.

Auch die Kosten Ihrer Regierungsvertreter und deren Aufwandsverhalten haben Sie persönlich mitzuverantworten.

Apropos Regierungsvertreter.

Wenn also der einzelne, so mein Postulat, so gut wie nichts bewirken kann, wie sieht es dann mit unseren Repräsentanten auf der Regierungsbank aus? Tja, mein Eindruck von der Einflussmöglichkeit vom Frau Leidig war, ehrlich gesagt, eher ernüchternd. In hunderttausend Ausschüssen sitzend, vorbereitend, beratend, Vorschläge einbringend, Herrn Scheuer, den angezählten Verkehrsminister, kritisch begleitend. Was ist aus der Kämpferin an vorderster  Front geworden? Wie ist es, wenn man von einer Nichtregierungsorganisation in eine Regierungsorganisation wechselt? Wird man dann womöglich kompromissfähiger? Oder will man später seinen finanziell abgesicherten Ruhestand geniessen?

Jedenfalls hat sie positiv kommentiert, dass die Friday for Future – Bewegung ja einiges losgetreten  und die Initiative von Frau von der Leyen, der Ratspräsidentin der EU, mit angestoßen habe. Immerhin..

Zweifellos geht der Vorstoß unserer ehemaligen Verteidigungsministerin in die richtige Richtung. Erste Reaktionen aus Regionen, die wirtschaftlich besonders betroffen sind, lassen erwarten, dass es ein steiniger Weg sein wird. Inzwischen schmelzen die Polkappen lustig weiter und die Ozeane erwärmen sich, wie gerade erneut festgestellt. Eis wird massenhaft in die Weltmeere gekippt und das Wasser wird wärmer. Wer soll das begreifen? Aber Spaß beiseite, die Lage ist todernst, zumindest für die Mikrolebewesen, die auf konstante Wassertemperaturen angewiesen sind. Es muss sofort gehandelt werden, das weiß eigentlich jeder, nur: wie schafft man das?

Gerade war ich in einem Discounter in der Nähe ( Sorry, einen anderen Laden gibt es nicht innerhalb eines Radius von einigen Kilometern Entfernung ), da ließ sich ein äußerst ungesund aussehender Mensch von der Kassiererin eine Gitterbox öffnen und fingerte mit zitternden Händen zwei Packungen heraus: eine tonnenförmige Megapackung Tabak und eine Zigarettenpackung. Das mit dem Tabak nehme ich an. Ich habe vor lauter Warnhinweisen sonst nichts erkennen können, auch die Zigarettenmarke nicht. Ich habe nur lesen können, dass Rauchen krank macht oder sogar tödlich ist und der Raucher und die Umgebung vergiftet werden. Dazu das Bild einer Familie mit einem Kleinkind, das offensichtlich wegen der Rauchschwaden das Gesicht verzieht. Jetzt gehe ich davon aus, dass besagter Mann keine Familie besitzt, aber der Warnhinweis würde mich doch ein wenig irritieren, weil ich ja sehr krank werde oder sogar früher sterbe, wenn ich dieses Produkt konsumiere. Dieser Hinweis scheint weitgehend wirkungslos zu sein, wenn ich mich so umsehe. Jetzt frage ich mich doch: wie soll man sich für das Artensterben, die Umwelt, die Zukunft des Planeten, die Zukunft nachfolgender Generationen interessieren, wenn einem das eigene Leben nichts wert ist?

Zwei Dinge drängen sich mir auf. Erstens liegt das Ereignis, der Tod, in der Zukunft und wer weiß schon, wann die eintritt und was in der Zwischenzeit so passiert. Und zwotens: meine Zigarette schmeckt mir jetzt. Und wenn sie auf ist, muss ich eine neue haben, und damit da kein Engpass entsteht, muss ich rechtzeitig für Nachschub sorgen.

Wie jeder Raucher weiß, ist es verdammt schwierig, aus diesem Schema auszubrechen und sich zu sagen: Nein, ich rauche jetzt nicht mehr, weil mir meine Gesundheit und mein Leben lieb sind und ich möchte auch nicht andere belästigen und wie ein Ausgestoßener in der Kälte vor der Türe stehen.

Wenn man einen radikalen Wechsel in einem bestehenden, offenkundig für alle Beteiligten schädlichen Verhalten möchte, geht dies nicht ohne signifikante Verhaltensänderung, etwa durch Verzicht oder zumindest Einschränkungen. Aber wer will das schon? Und vor allem: wer bringt den Willen auf, dies konsequent umzusetzen? Wenn es schon dem Raucher, der mit dem Tod bedroht ist, nicht gelingt, das Rauchen einfach einzustellen, wie ist es dann um jenen Zeitgenossen bestellt, der wegen desaströser Zustände in der Tierverwertung eigentlich kein Fleisch mehr essen möchte? Zugegeben: im Fall der Zigarette kommt die Suchtkomponente hinzu, trotzdem ist auch das Fleischessen ein liebe Gewohnheit und sicher auch in einem bestimmten Grad physiologisch bedingt. Schließlich zählen wir zu den Fleischfressern.

Tierische Zustände.

Die Tierhaltung ist Massentierhaltung. Jeder kennt die Bilder von Hühnern und Puten, die in riesigen Hallen bei künstlichem Licht gehalten und möglichst hermetisch von der Außenwelt  abgeschirmt werden. Sie leben praktisch unter kontrollierten Bedingungen. Nichts ist dem Zufall mehr überlassen, Klimatisierung und Futterzufuhr sind automatisiert, die Gewichtszunahme ist vorprogrammiert und auch der Todeszeitpunkt. Schlachten, Zerteilen, Portionieren in SB – gerechte Stücke, das Konfektionieren, Wiegen, Begasen, in Folie Einschweißen, Etikettieren, erfolgen ohne menschliches Zutun. Genauso geht es dann weiter: der Logistikdienstleister sorgt für die Zwischenlagerung und Weiterleitung an das Zentrallager, das dann die einzelnen Filialen der Supermarktriesen beliefert. Auch dort maximale Effizienz: schnelles Verteilen in die Kühltheke, reibungsloses über den Scanner -  Ziehen. Und nicht zu vergessen: darauf zu achten, dass die abgelaufene Ware entsorgt wird. Dabei nimmt man sich nicht einmal die Zeit, den Inhalt von der Verpackung zu trennen. Alles kommt in die Tonne. Da die Automatisierung auch in den letztgenannten Bereichen, Distribution und Logistik, ständig zunimmt, werden auch die letzten Refugien menschlichen Handelns verschwinden. Intelligente Robotersysteme können eigentlich alle Aufgaben übernehmen.

Was Sie auch kennen, sind die Sicherheitsmaßnahmen, die getroffen werden müssen, wenn entsprechende Betriebe der Massentierhaltung betreten werden. Es gibt Hygienesperren und Schutzanzüge, damit keine Krankheitserreger  in die Ställe kommen können. Es existiert ein ausgeklügeltes Klimatisierungssystem mit entsprechenden Filtern. Denn das ist das Horrorszenarium jedes Massentierhalters: die Infektion mit bedrohlichen Keimen, Viren und Bakterien. Dies kann verheerende Auswirkungen auf den gesamten Tierbestand haben, nicht etwa wegen der Tiere, die jetzt vielleicht massenhaft erkranken, möglicherweise sogar sterben oder getötet werden müssen – Gott bewahre, nein…… - , sondern wegen der wirtschaftlichen Einbußen, die bis zum Totalverlust führen können. Um dies zu verhindern, werden großzügig Antibiotika eingesetzt, selbst auf die Gefahr hin, dass sich Resistenzen bilden und damit die Wirksamkeit eingeschränkt wird. Oft werden Antibiotika auch prophylaktisch dem Trinkwasser beigemischt. Diese unkontrollierte Verwendung von hochwirksamen Medikamenten wirkt sich sogar auf den Menschen aus und führt dazu, dass manche Infektionen nur noch schwer bzw. überhaupt nicht mehr behandelt werden können. Besonders perfide ist dabei die Tatsache, dass die Tierärzte von dem kranken System profitieren, da auch sie ein wirtschaftliches Interesse haben, möglichst viele Antibiotika einzusetzen, da sie diese an die Mastbetriebe verkaufen. Machen wir uns nichts vor: auch Bakterien sind intelligente Wesen und in der Lage, sich innerhalb kürzester Zeit an wechselnde, für sie lebensbedrohliche Umweltbedingungen anzupassen, vielleicht sogar besser als der Mensch. Schließlich sind sie ja auch bedeutend älter als homo sapiens sapiens. Bereits geringste Spuren von Antibiotika im Organismus unterhalb der Wirksamkeitsschwelle können dazu führen, dass sich die Bakterien darauf einstellen und entsprechende Abwehrmechanismen entwickeln.

Was uns wieder zu dem Thema dieses Buches führt, ist die Art des Umgangs mit unseren tierischen Mitbewohnern dieser Erde, die als Teil der Schöpfung diese Welt besiedeln und denen wir in der Vergangenheit und auch heute noch in vielen Bereichen mit äußerstem Respekt entgegentreten. Es gab durchaus Kulturen, in denen man der Auffassung war, dass man der Natur nur so viel entnehmen sollte, wie diese wieder herzustellen in der Lage war. Nachdem diese antiquierte Natursicht erfolgreich überwunden worden ist, indem man die Ressourcen dieser Erde bis zur Erschöpfung plünderte, ist man zunehmend dazu übergegangen, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Was nicht schnell genug wuchs, wurde im Wachstum gefördert, was keine natürliche Lebensgrundlage mehr fand, dem wurde eine neue Lebensgrundlage geschaffen. Nicht erwünschte Eigenschaften wurden zunehmend eliminiert und erwünschte gefördert. Dabei entfernt man sich mit jedem Schritt der technologischen Entwicklung von den natürlichen Lebensgrundlagen. Moderne Fertigungseinrichtungen machen es heute schon vor: selbst der Mensch spielt keine Rolle mehr. Höchstens am Joystick zur Überwachung der Prozesse oder als Systemadministrator im Computerraum.

Die letzten natürlichen Überlebenden in freier Wildbahn müssen dabei geschützt werden wie jenes Breitmaulnashorn, das rund um die Uhr von vier schwerbewaffneten Rangern begleitet werden muss, um es vor dem Abschuß von Wilderern zu bewahren. Wenn ein einziger Thunfisch für 50.000 Dollar auf dem Fischmarkt von Tokio von einem Edelrestaurant ersteigert wird, ist das der Startschuss für das Halali auf die letzten Thunfischbestände dieser Erde. Stellen Sie sich einmal vor, was dieser Betrag für einen Fischer in Malaysia oder auf den Philippinen bedeutet! Fazit: man wird die Bestände schützen müssen. Dies führt allerdings– Pech gehabt - zu geringeren Mengen und höheren Preisen ( siehe Thunfisch ). Der einzige Ausweg ist in diesem Fall die Aquakultur, die allerdings mit einer Reihe gravierender Probleme belastet ist. Die Folgen sind künstliche Zombies, deren Verbreitung in den Weltmeeren nichts entgegensteht.

Die verheerendsten Folgen ergeben sich jedoch für uns Menschen, da wir uns von dem Fisch als lebendigen Teil unserer Existenz, der unsere Achtung und Bewunderung verdient, immer mehr entfernen.

In Chile beispielsweise habe ich es selbst erlebt, dass auf den Märkten von der einheimischen Bevölkerung überwiegend Zuchtlachs gekauft wurde, obwohl die heimische Fischerei ein überreiches Angebot an Fischen anzubieten hat. Diese wäre auch heute noch in der Lage, die chilenische Bevölkerung nachhaltig mit Fisch zu versorgen. Tatsache ist, dass der Lachs von den großen Fischfarmen billiger ist als das lokale Angebot. Die industrielle Produktion und die preisoffensive Vermarktung führen dazu, dass es sich für die einheimischen Fischer einfach nicht mehr lohnt, auf das Meer hinaus zu fahren. Ganz abgesehen davon, dass die ganz großen Fänge von den großen Fischereiflotten gemacht werden, die rund um den Globus die Weltmeere plündern, um die Supermärkte der Welt zu bedienen. Hocheffizient und weitgehend technisiert und automatisiert. Dabei werden die Fischfilets sogar künstlich mit Wasser aufgespritzt, um ein höheres Gewicht und einen höheren Gewinn zu erzielen.

Die Missachtung der natürlichen Lebensgrundlage und des Respekts vor Tieren und Pflanzen und auch vor Hege und Pflege, die üblicherweise mit der Aufzucht von Vieh und dem Anbau von pflanzlichen Produkten verbunden ist, führt zu einer Verfremdung, die entsprechende Produkte lediglich zu einem x – beliebigen Gegenstand, etwa wie Putz – und Reinigungsmittel, werden lassen. Damit entfällt jede Wertschätzung, die sich unter anderem in der Reduktion auf den Preis als hauptsächliches Kaufkriterium reduziert. Ich spreche hier nicht von den Gourmets in Fresstempeln oder auf dem Viktualienmarkt in München, die fast jeden Preis zu zahlen bereit sind, sondern von den Supermärkten rund um die Welt.

Wenn ich heute zum Discounter oder in einen Supermarkt gehe, werden die von mir ausgesuchten Waren eiligst über eine Scannerkasse gezogen und – wenn ich nicht schnell genug bin – von der Kassiererin oder dem Kassierer in meinen Einkaufswagen geschoben, so als stünde jemand hinter der Kasse und würde zur Eile antreiben. Und es ist ja auch nicht auszuschließen, dass der Mitarbeiter, die Mitarbeiterin,  überwacht wird und auch ich muss damit rechnen, beobachtet zu werden, wie ich umständlich meine Geldbörse aus der Hosentasche ziehe und versuche, den angezeigten Betrag der Kassiererin oder dem Kassierer auszuhändigen. Ich habe auch schon Leute beobachtet, insbesondere ältere Menschen, die ziemlich lange brauchten, ihre Groschen zusammenzuzählen. Das sieht man nicht gerne. Das hält den Betrieb auf, denn auch Zehntelsekunden sind Geld. Besser die Kreditkarte an das Eingabegerät halten und in Sekundenbruchteilen ist die Transaktion erledigt. Wenn ich dann der gehetzten Kassiererin oder dem Kassierer zusehe, beispielsweise bei Edeka, dann kann ich nicht umhin, an den Werbespruch von Edeka zu denken: „ wir lieben Lebensmittel “  und ich frage mich beklommen, wer hier wen liebt und was hier Liebe sein soll. Ich kann bestenfalls Indifferenz beobachten, Neutralität, Gleichgültigkeit, Hetze, oder sogar eine leichte Anspannung bis Genervtheit und auch an der Fleischtheke ist mir die Liebe nicht begegnet. Lieben die Mitarbeiter ihren Job? Was liebt der Filialleiter? Die Fleischverkäuferin vielleicht? Was liebt der Einkäufer? Vermute mal günstige Konditionen oder sein üppiges Gehalt. Was ich allerdings nicht erkennen kann, ist Liebe gegenüber den Lebensmitteln. Ja, ich würde mich sogar zu der Behauptung versteigen, dass ziemlich lieblos mit den einzelnen Sachen umgegangen wird. Etwa mit Blumen und Pflanzen. Ich habe mir sagen lassen, dass Schnittblumen schon in einem Eimer mit Wasser geliefert werden, damit im Supermarkt oder Discounter keine Zeit mit Wasserschleppen verplempert wird. Pech natürlich, wenn die Ware nicht schnell genug abfließt oder wenn Pflanzen in der Sonne stehen. Dann welkt die Liebe und es sieht zum Erbarmen aus. Worin besteht die Liebe? Im Regaleinräumen, im Haltbarkeitsablesen, im Entsorgen abgelaufener Ware? Ist es liebenswert, die bedauernswerte, eingeschweißte, begaste Makrele in den Container zu werfen, nur weil ihr Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist?

Kann es nicht sein, dass hier etwas ganz anderes am Werke ist als Liebe? Gleichgültigkeit vielleicht, Gedankenlosigkeit, Wurstigkeit, Desinteresse, Egoismus? Sind das, in Verbindung mit der Dominanz technischer, automatisierter, zeitgetakteter, ergebnisorientierter Effizienz, die Zeichen der Zeit in unserem Miteinander?

Oder ist es mehr das, was hinter dem Spruch von Lidl verborgen ist: „Lidl lohnt sich“.

Raten Sie mal, für wen es sich am meisten lohnt

Die Bauern protestieren mit Traktorenkorsos gegen die Agrarpolitik und beklagen lautstark, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Dazu sollte man wissen, dass sich die Landwirtschaft gravierend gewandelt hat. Die Wertschätzung vergangener Tage hat sich auf die Arbeit eines Landwirts gegründet, der seinen Produkten auch mit Wertschätzung begegnet ist. Er hat persönlich den Acker bearbeitet, die Saat ausgebracht, die Ernte eingefahren, das Vieh versorgt, gefüttert, gemolken und den Stall ausgemistet. Er hat verschiedene Gemüsesorten angebaut, Hühner gehalten, Schweine, Ziegen, vielleicht sogar Bienen, und seinen Bauerngarten gepflegt. Dies alles trotz der ganzen Arbeit mit einer gewissen Hingabe und ……….Liebe.

Was Sie heute erleben, das ist der Versuch, aus Grund und Boden möglichst viel herauszuholen, koste es was es wolle. Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die Traktoren allesamt so gut wie neu sind, überdimensional groß, sowohl in der Höhe wie der Breite?

Dazu AUTO BILD:

„ Super-Trecker mit 500 PS

Moderne Traktoren sind Wohlfühloasen für den Landwirt. AUTO BILD war im 500 PS starken Fendt 1050 Vario unterwegs – dem stärksten Serien-Traktor!

3,60 Meter streckt sich der Traktor in die Höhe und misst 2,95 Meter in der Breite.

Trecker fahren! Hoch auf dem Bock Hühner über den Acker jagen, bei jeder Furche hochgeschleudert werden, Krach in den Ohren und Dieselgeruch in der Nase. Ein Jungstraum wird wahr. Aber dann schwingt die Glastür mit einem schmatzenden Geräusch auf, und der Blick fällt auf den breiten Sitz, der auch in Omas Kaminzimmer stehen könnte. Mit einem Zischen sinkt er kurz ein, drückt sich mit leisem Gurgeln wieder hoch. Durchatmen und wohlfühlen. Landwirte lieben es gemütlich. Neueste Endstufe der Bequemlichkeit: der Fendt 1050 Vario, mit 500 PS der stärkste Traktor auf dem Markt. Einer, der was wegzieht. Und er kann noch viel mehr! “

Sei dem Bauern wirklich sein Trecker gegönnt zum Preis eines Ferraris und ich kann es wirklich verstehen, wenn er es bequem haben und klassische Musik hören möchte, denn wann kommt er mal in einen Konzertsaal? Aber Spaß beiseite: dieser Traktor steht symptomatisch für die fortschreitende Technisierung der Landwirtschaft, die stellenweise mit horrenden Kosten verbunden ist. Wenn bereits der Traktor so viel kostet, wie soll man dann auch noch die anderen  Gerätschaften finanzieren? Den Pflug, die Saat -, Dünger - , Erntemaschine? Ganz abgesehen von den sonstigen Kosten wie Gebäude, Kredite, Energiekosten, Versicherungen? Die Lösung besteht darin, dass man Fixkosten in variable Kosten verwandelt. Also least man die Gerätschaften oder, sehr viel effizienter und wirtschaftlicher, man beauftragt ein Lohnunternehmen, die jeweilige Teilleistung zu erbringen. Man fährt also nicht mehr selbst die Gülle aus, sondern beauftragt einen Unternehmer, der nichts anderes macht, entsprechend qualifiziert ist, und die Gerätschaften vorhält, um die Gülle möglichst schnell und kostengünstig auszubringen. Was das heißt, können Sie selbst beobachten: so wie die Traktoren immer größer werden, nehmen auch die Güllefahrzeuge an Volumen zu und besitzen spezielle Vorrichtungen, die dafür sorgen, dass der Sondermüll geruchsarm unter Hochdruck über Verteilerdüsen direkt in die Krume eingebracht wird. Dass dies seinen Preis hat, versteht sich von selbst. Das kann sich ein einzelner Bauer überhaupt nicht leisten.

Um noch eine Zehnerpotenz höher als bei einem Gülleanhänger liegen die Kosten etwa bei Mais – Erntemaschinen, wahre Monster, die kaum unter einer halben Million zu haben sind.

Streng genommen kann eigentlich jede Tätigkeit in der modernen Landwirtschaft von Maschinen und digitalen Helfern übernommen werden: das zu bearbeitende Areal, die Bodenbeschaffenheit etc, werden über eine Drohne digital erfasst, es wird über eine App eine Anbauempfehlung gegeben, die einzelnen Lohnunternehmen für das Pflügen, die Verteilung des Saatguts, das Düngen und Spritzen, das Ernten werden online beauftragt, die Termine werden in Realzeit beim Lohnunternehmer eingetragen und bestätigt und los geht’s ………….

Trecker ziehen ja heute schon digital ihre Furchen.

Was dabei vollkommen verloren geht, ist der persönliche Bezug zum Produkt. Es ist doch letztlich egal, was man da produziert: Milch, Schweine, Hühner, Bohnen, Erdbeeren, Mais oder Mehl, man muss nur das entsprechende Know Houw in Sachen Logistik besitzen und die technischen Möglichkeiten nutzen. Wichtig ist einzig und allein die wirtschaftliche Tragfähigkeit und da haben sich viele Bauern schlicht verkalkuliert. Weil sie Bauern sind und keine Kaufleute. Beispielweise haben sie, weil sie gesehen haben, dass der Milchpreis in den Keller geht, in immer größere Ställe investiert. Weil mehr Kühe mehr Umsatz bringen. Logo.

Wir haben bereits festgestellt, dass es eine Fiktion ist, vom Discounter eine substantielle Identifikation mit seinen Produkten zu verlangen und dass diese in seelenlosen Verpackungseinheiten  in möglichst uniformen Größen im Akkord über den Scanner gezogen werden. Wertschätzung oder gar Liebe zum Produkt bleibt da auf der Strecke. Und wenn der Einkäufer, wie wir festgestellt haben, auch keine Liebe zum Produkt hat, wo soll sie dann herkommen? Der Verbraucher hat seine Wahl getroffen: er vertraut dem Discounter, sonst würde er ja dort nicht einkaufen und geht davon aus, dass der einen guten Job macht. Das Produkt wird schon stimmen und dass der Preis klar geht, das kann man ja wohl annehmen, schließlich ist man ja in einem Geschäft, in dem man günstig einkaufen kann. Man nimmt auch in Kauf, dass die Artikel fast ausnahmslos verpackt sind, dass man die Verpackung mit bezahlt, diese oftmals problematisch ist, dass man sie entsorgen muss und dass die Avocado aus Simbabwe kommt, einem anerkannten Schurkenstaat und „essreif“ ist, was nichts weiter bedeutet, als dass eine an sich unreife Frucht künstlich in einen reifeähnlichen Zustand gebracht wird.

Nein, bei dieser Ignoranz ist auch eine Wertschätzung gegenüber einem Berufsstand, der einen Großteil seiner Einnahmen aus der energetischen Verwertung von Mais bezieht und ausgepowerte Felder hinterlässt, die durch die schweren Erntemaschinen so verdichtet sind, dass man sie gleich zubetonieren könnte, nicht zu erwarten. Unter uns gesagt, es geht den Bauern auch überhaupt nicht wirklich um Wertschätzung, sondern um das Verhindern von Gesetzen, die das umweltschädliche Verhalten eindämmen und um Fördermittel vom Staat. Da kennt man sich aus. Schließlich sollen auch zum Teil unsinnige Investitionen etwa in Ferraris, mit denen sie zur Demo fahren, oder großzügige Erweiterungen des Viehbestandes bei gleichzeitig sinkendem Milchpreis, finanziell abgesichert werden. Sonst kommen die Banken und stellen Fragen.

Auch hier begegnen wir wieder dem Phänomen der dissoziativen Störung, die uns einerseits völlig kalt gegenüber der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der unmenschlichen Behandlung von Schlachtvieh jeglicher Art sein lässt und auf der anderen Seite eine tief emotionale Beziehung zu Hunden, Katzen, Pferden, usw. aufweist, die wir in jeder Hinsicht vermenschlichen, und der Liebe zur Natur, die wir in unseren häuslichen Umfeld hegen und pflegen und die wir gerne aufsuchen, um uns zu erholen. Es scheint für uns schwierig zu sein, ein natürliches Verhältnis zu unseren Mitlebewesen und zur Natur zu entwickeln oder auch nur zu bewahren, das vor allem von Respekt und Wertschätzung geprägt ist. Neben der Industrialisierung aller Lebensbereiche hat die praktizierte Philosophie der Verschmutzungsrechte dazu geführt, dass aus wirtschaftlichem Ínteresse das an sich geltende Recht jedes einzelnen an einer unversehrten Natur gebrochen wird. Diese Philosophie lautet sinngemäß: wer den Fortschritt möchte, - und wer möchte das nicht? -, hat auch die u.U. negativen Folgen zu tragen. Wir kennen das von Medikamenten: keine Wirkung ohne Nebenwirkung. So ist die Schädigung der Umwelt, beispielsweise durch den Einsatz von Pestiziden, zum Goldstandard der gutes Recht, können wir ja Bio – Produkte kaufen und dafür extra bezahlen. Eine wirklich geniale Erfindung!

Frage: wer auf dieser Welt gibt irgendjemandem das Recht, meine Atemluft zu verschmutzen, das Wasser, das ich trinke, mit Nitrat zu belasten, meinen Blick in den Sternenhimmel durch Lichtverschmutzung zu beeinträchtigen und meine Nahrungsmittel zu vergiften? Natürlich bin ich nicht weltfremd und mir ist bewusst, dass über 4 Milliarden Menschen auf dieser Erde versorgt werden müssen. Es ist jedoch die unselige Geisteshaltung, die unterstellt, dass dies nur zu Lasten unserer Umwelt möglich sei und sich  Kollateralschäden nicht vermeiden ließen. Nach dem Motto: die Natur hat ausgedient und kann nur durch industrielle Nahrungsmittelproduktion ersetzt werden.

Die bereits erwähnten Aquakulturen sind ein Beispiel, der Sojaanbau in Brasilien, die Palmölgewinnung in Südostasien, Afrika und Lateinamerika, die Rindermast in Argentinien, die Avocadoproduktion und die Obstplantagen in Chile. Überall das gleiche Schema: Monokulturen in einem dafür geschaffenen, künstlich errichteten Lebensraum, der nicht mehr dem ursprünglichen Zustand entspricht, mit einer auf Massenproduktion getrimmten Infrastruktur. Wem will man einen Vorwurf machen: den Politikern, die die Voraussetzung dafür schaffen, dass diese Entwicklung überhaupt möglich ist, den Landbaronen, die sich an Ländereien bereichern, den Banken, die alles finanzieren, was eine hohe Rendite verspricht, den Zockern an der Rohstoffbörse, den Herstellern, die versuchen, die niedrigsten Preise beim Einkauf von Rohstoffen zu erzielen, den Handelsriesen, die bei den Produzenten den letzten Cent herausquetschen, den Verbrauchern, die möglichst billig einkaufen wollen, den Werbeagenturen, die sich tolle Sprüche ausdenken, den Umweltorganisationen, denen es nicht gelingt, effizient dagegen anzugehen, den supranationalen Organisationen wie z.B. den Vereinten Nationen, die in der Regel an irgendeinem Veto scheitern?

Kann es sein, dass es sich in erster Linie um ein global verbreitetes, mentales Problem handelt, das mit unseren Verhaltensweisen und unserem Selbstverständnis im Miteinander etwas zu tun hat, damit, wie wir Menschen uns auf dieser Erde aufführen und welche unter Umständen archaischen Zustände eine nach wie vor dominierende Rolle spielen? Kann es sein, dass wir in einer Kultur leben, die von Egoismen und Rücksichtslosigkeit geprägt ist, von Eitelkeit und allerhand Blendwerk, das uns den wahren Blick versperrt? Von einer medialen Infrastruktur, die nur ein Spiegelbild einer einfältigen Konsumgesellschaft ist und den Mainstream der gesellschaftlichen Verhältnisse bedient? Wo sind die moralischen Instanzen, die alternative Wege aufzeigen und vor allem: wo sind diejenigen, die daran arbeiten, alternative Lebensentwürfe zu entwickeln und durchzusetzen? Von wem können wir dies erwarten? So lange unsere Leitfiguren in der Politik ihr persönliches Süppchen kochen und dort den Rahm abschöpfen wie der Altvordere der Sozialdemokraten, Gerhard Schröder, oder jüngst Dieter Gabriel, der in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank eintritt, wird sich daran nichts ändern. Von den ganzen Schurkenstaaten rund um den Globus und den zahlreichen mehr oder weniger demokratisch legitimierten Demokratien oder Pseudodemokratien sind wir es ja gewohnt, dass sich der Führungskader der ganzen Wunschpalette eines luxuriösen  Lebens bedient, seien es Staatslenker, Präsidenten, Hoheiten, Königshäuser, War Lords oder Religions – oder Revolutionsführer. Wozu braucht Recep Tayyip Erdogan 1000 Zimmer?, frage ich Sie. Wozu der Präsident der Vereinigten Staaten ein riesiges Protzanwesen Mar - a -  Lago in Florida, obwohl er bereits sehr komfortabel in einer großen weißen Villa in Washington untergebracht ist? Sorry, sorry, der war ja schon vorher Milliardär. Der hatte das also gar nicht nötig. Aber insbesondere in Schwarzafrika soll es einflussreiche Politiker geben, die es aufgrund ihres Amtes zu einigem Reichtum gebracht. Jedenfalls konnte ich auf der “ Boot “, der weltgrößten Messe für den Wassersport, beobachten, wie sich bemerkenswert viele Interessenten auf den Megayachten tummelten, die sich nicht nur durch ihre offensichtliche finanzielle Potenz, sondern auch durch ihre eher exotische Herkunft von den üblichen Besuchern unterschieden. Wobei die richtig großen Player ohnehin die Werften bei sich antanzen lassen und sich nicht mit Spielzeug von der Stange, wie es auf der “ Boot“ zwischen einer und zehn Millionen zu haben ist, zufrieden geben. Oder meinen Sie etwa, dass der König von Marokko, Mohammed VI., die Messe besucht, um sich eine weitere Yacht seines maritimen Fuhrparks anzulegen?

Auf eine bedeutsame Besonderheit darf ich Sie noch hinweisen, das fällt mir gerade bei Mohammed VI. ein. So ein Schiff stellt gleichsam einen extraterritorialen Raum dar, der einige Besonderheiten aufweist. Es darf beispielsweise nicht so ohne weiteres betreten werden, etwa von den Finanzbehörden. So hat es fast zu ernsthaften diplomatischen Verwicklungen geführt, als spanische Beamte in der Straße von Gibraltar versucht haben, sich Zutritt zu einer der Yachten von Mohammed VI. zu verschaffen. Wenn Sie als Vertreter des Gesetzes also vor Helgoland meinen, ein Schiff, das unter der Flagge von Burkina Faso läuft, dem Land der aufrechten Menschen, so einfach betreten zu können, sollten Sie erst mal ganz höflich anklopfen. Besser Sie vermeiden es, überbaupt seine Nähe aufzusuchen.

Object love

Im Museum Morsbroich in Leverkusen wurde gestern die Ausstellung: “Liebes Ding – Object Love“ eröffnet. Sie setzt sich anhand der Arbeiten zahlreicher Künstler mit unserem Konsumverhalten auseinander und zeigt in beeindruckenden Installationen die irrationale Art und Weise auf, mit der wir uns mit den verschiedensten Gegenständen umgeben. Es sind im Schnitt 10000 Objekte, die wir besitzen. Die meisten Dinge haben nichts mit unmittelbaren Notwendigkeiten zu tun, sondern sind aus den verschiedensten Gründen angehäuft. Wie heißt es so schön in der Ankündigung der Ausstellung: „ Sie dienen uns als Werkzeuge. Sie fungieren als Erweiterung unseres Körpers. Wir binden uns sowohl physisch als auch emotional eng an Dinge. Wir berühren sie, sie unterstützen und schmeicheln uns, wir schätzen und verehren, lieben und hassen sie“.

In der Tat ist es so, dass wir äußerst empfänglich sind gegenüber den vielfältigen Verlockungen, die die moderne Konsumgesellschaft anzubieten hat und da gibt es eigentlich keine Grenzen, ob arm oder reich. Schlösser und Megayachten orientieren sich an dem vergleichbaren Besitzstand anderer Reicher und Mächtiger, also an den Schlössern und Megayachten, die andere Könige, Wirtschaftskapitäne, Spielbankbetreiber oder Mafiosi ihr Eigen nennen. Dabei ist seit Menschengedenken der gleiche Trend zu beobachten: größer, höher, schöner, teurer……… Man guckt sich um oder lässt sich umgucken, was die Konkurrenz so bietet, und setzt danach nach Möglichkeit noch einen drauf. Dies macht auch vor dem Tod nicht halt und beflügelt die Phantasie, ein möglichst eindruckvolles Erinnerungsstück für alle Ewigkeit zu hinterlassen. Manchmal erwischt es dabei auch den Falschen: Ho-Chi-Minh wollte eigentlich in aller Bescheidenheit in seiner Heimat beigesetzt werden. Pech gehabt. Das Nachfolge - System wollte ein sichtbares Zeichen des politischen Erbes setzen ( das natürlich den Intentionen des Nachfolge - Systems zu entsprechen hatte ), um dem tiefen Verlust entgegenzuwirken, Unruhen zu vermeiden und dem Wunsch der Bevölkerung nach einer Vaterfigur zu entsprechen. Dazu hat man ein wirklich eindrucksvolles Mausoleum  errichtet, in dem sich “Onkel Ho“ über den Tod hinaus seinen Untertanen präsentiert, von einer Leibstandarte rund um die Uhr bewacht.

Da war der Pharao Cheops weniger bescheiden mit 2, 3 Millionen Steinen von jeweils 2,5 Tonnen Gewicht. Da kann man sich das Bewachen sparen, da er  ja mit reichlich Steinen zugedeckt ist.

Die Kirche macht da im Übrigen keine Ausnahme. Natürlich für den Ruhm der Kirche als Ganzes. Mit dem kleinen, aber bedeutsamen Nebeneffekt, dass man sich im Glanz der Kirche trefflich sonnen und an deren Reichtümern partizipieren kann. Jedenfalls lässt auch die materielle Ausstattung der Vertreter Jesu keine Wünsche offen. Ich selbst habe in Rom in der Nähe des Petersdoms in einem Laden für Kleriker scharlachrote Seidenstrümpfe für 120.- Euro bewundern können. Klar, ich kann mir vorstellen, dass es dafür auch Käufer gibt, die nicht der Geistlichkeit angehören, aber es ist nicht ganz abwegig anzunehmen, dass es sich um ein Angebot an örtliche Würdenträger handelte.

Aber das sind eigentlich Peanuts. Es gab Zeiten, in denen die Kirche die geistige und weltliche Herrschaft in sich vereinte. Da hat man nicht so sauber getrennt zwischen dem Eigentum der Kirche und dem des Kirchenfürsten.

Aber auch wir “Normalos“ brauchen die Insignien unserer Stammeszugehörigkeit. Dazu bedarf es keines Zeichens auf der Stirn wie in Indien. Hier reichen die geläufigen Attribute „ mein Haus, mein Boot, mein Auto“. Fast alle Konsumartikel des gehobenen Standards geben das gute Gefühl, einer wohlsituierten Klasse anzugehören und auf die eine oder andere Art und Weise Bewunderung einheimsen zu können.

Das klingt jetzt so, als wenn das schlecht und zu verdammen sei. Nein, es ist ganz normal und gehört einfach zu unserem Leben dazu. Wo es allerdings wegen der angedeuteten Umweltproblematik anfängt, bedenklich zu werden, ist das Ausmaß des Darstellungsbedürfnisses und der dafür notwendigen Aufwendungen, beispielsweise für einen 6- tägigen Aufenthalt auf den Seychellen, wobei 2 Tage allein auf den Hin – und Rückflug entfallen.

Da werden wir auch immer sensibler. Selbst der als nicht besonders kritisch einzustufende Kölner Stadtanzeiger schreibt über den in Köln besonders beliebten Fußballer Lukas Podolski,: „ vor einer Woche reiste er nach Malaysia und ließ dich dort vom Kronprinzen Johors dessen Fußballverein zeigen. Den Samstag verbrachte der Weltmeister dann in seiner Loge im Rhein – Energie – Stadion, um den Sieg des 1. FC Köln über Wolfsburg zu sehen. Gleich nach dem Schlusspfiff reiste er im gecharterten Jet an die türkische Riviera, um sich zu Verhandlungen mit Antalyaspor zu treffen. Am Dienstag war der 34 – jährige dann im Mediapark zu Gast, und neben Lukas Podolskis jüngsten Flugrouten zeugte auch sein in der Tiefgarage geparkter Lamborghini davon, dass sich Podolski womöglich keine allzu großen Sorgen um seinen ökologischen Fußabdruck macht“. In der Tat. So wird es sein. So geht es ihm und –  Hand auf`s Herz - doch den meisten von uns, auch wenn uns gelegentlich das Gewissen zwickt. Jedenfalls kann man weder an den Flugbewegungen noch an der Nutzung des eigenen PKWs oder an den ständig wachsenden Zulassungszahlen von SUV eine signifikante Verhaltensänderung ablesen. Ganz zu schweigen von Kreuzfahrten, die in jeder Hinsicht sehr problematisch sind. Da muss schon das Corona- Virus kommen, um hektische Aktivitäten auszulösen bis hin zu Flug -, Reise – und Verkehrsverboten. Geht doch.

Das Thema Umwelt hat mittlerweile einen deutlich höheren Status in der Dringlichkeit der zu lösenden Probleme und ist auch in den obersten Etagen der Wirtschaftspolitik gelandet, etwa beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Man beginnt ernsthaft, über Lösungen nachzudenken, die sich mit den wirtschaftlichen Zielen vereinbaren lassen und entsprechende Überlegungen haben Eingang in die Tagesordnungen und Resolutionen gefunden. Was wir von denen allerdings zu halten haben,  darüber möchte ich mich jetzt nicht weiter auslassen. Hat es nicht erst jüngst eine Resolution in Sachen Waffenembargo für Lybien gegeben? Wenn ich mich nicht irre, wurde das Embargo bereits wenige Tage, nachdem sich die Staatenlenker verabschiedet hatten, bereits gebrochen. Es  bleibt nur festzuhalten, dass alle gut gemeinten Ansätze, in denen Europa eine Vorreiterrrolle einzunehmen scheint, nicht annähernd ausreichend sind, um die Lawine aufzuhalten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Großteil der Menschheit zurollt. Klar, die künstliche Glitzerwelt von Dubai und ähnlichen Retortenstädten wird uns immer erhalten bleiben, weil einfach das Geld da ist. Die 150 Milliarden Dollar gegen den Untergang New Yorks wird man im Zweifel auch aufbringen können, selbst wenn es weh tut. So viel kostet der bereits in den Köpfen der Stadtplaner vporhandene, gigantische Damm, der die Metropole vor der Überschwemmung durch das Meer schützen soll. Andere Städte und Regionen jedoch, die die Ärmsten der Armen beherbergen, und topographisch ungünstig gelegen sind, wie etwa Jakarta, werden die bekannten Auswirkungen der Klimakrise wie Überschwemmungen und Trockenheit massiv zu spüren bekommen.

Heute, am 28.01.2020  ist Datenschutztag. Ich lache mich kaputt.